SEITENBEREICHE


zur ifs Homepage.

ifs Pressemeldung

Röthis, den 10. Januar 2008

Soziales Netzwerk Wohnen 

Wohnen ist ein elementares Grundbedürfnis; eine Wohnung zu haben ist ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Integration. Seit mehr als einem Jahr betreiben das Land Vorarlberg und seine Partner das Projekt Soziales Netzwerk Wohnen - ein Sonderwohnbauprogramm, um Menschen aus Krisensituationen herauszuhelfen. "Die bisherigen Erfahrungen sind sehr gut, deshalb wollen wir künftig noch mehr Gemeinden zum Mitmachen bewegen", so eine erste Zwischenbilanz von Wohnbaulandesrat Manfred Rein und Soziallandesrätin Greti Schmid sowie Koordinatorin Heidi Lorenz vom Institut für Sozialdienste (ifs).


Laut Schätzungen von Fachleuten aus der Wohnungslosenhilfe gibt es in Vorarlberg rund 200 Menschen, für die es sehr schwierig bzw. fast unmöglich ist, am freien und am gemeinnützigen Wohnungsmarkt eine passende und finanzierbare Wohnung zu bekommen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Alleinstehende, die aus verschiedensten Gründen in existenziellen Krisensituationen stecken - nach Arbeitsplatzverlust oder Scheidung, wegen psychischen Erkrankungen, Zugehörigkeit zu einer Rand- oder Problemgruppe oder wegen fehlenden finanziellen Mitteln bzw. mangelnder sozialer Verankerung. Viele dieser Menschen leben derzeit in betreuten Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, andere in prekären Wohnsituationen.

Landesrätin Schmid: "Wir wollen diesen Menschen helfen, wieder Fuß zu fassen. Ihnen die Möglichkeit zu bieten, selbstständig zu wohnen, ist eine wichtige Voraussetzung für jede weitergehende Integration. Denn mit dem Bezug einer eigenen Wohnung verbindet sich ein Stück Normalität, Stabilität, Privatsphäre, Selbstbestimmung und eine neue Lebensperspektive."

Ziel ist es, die betroffenen Menschen wieder in den regulären Wohnungsmarkt zu integrieren und ihre Selbstständigkeit zu stärken. Sie erhalten eine dem individuellen Bedarf entsprechende ambulante Betreuung durch das DOWAS und die Caritas-Wohnungslosenhilfe. Das bedeutet weniger Aufenthalte in den voll betreuten Einrichtungen und damit weniger Sozialhilfekosten.

Für das Sonderwohnbauprogramm werden im gemeinnützigen Mietwohnungsbau zusätzliche Wohnungen mitgebaut, erläutert Landesrat Rein. Das Projekt ist in den Wohnbauförderungsrichtlinien des Landes verbindlich verankert und das jährliche Neubauförderungskontingent des Landes für gemeinnützige Mietwohnungen wurde von 300 auf 330 erhöht. "Das bedeutet, die Zahl der über die Gemeinden zu vergebenden Wohnungen wird durch das Soziale Netzwerk Wohnen nicht verkleinert", so Rein.

Auch bei Altwohnungen wird bei Wiedervergabe geprüft, ob sie für das Programm in Frage kommen. Denn gerade Altwohnungen sind allein von der Miethöhe her dafür mitunter besonders geeignet.

Das Soziale Netzwerk Wohnen ist eine Untergruppe der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Vertreten sind die Kolpinghäuser Bregenz und Götzis, die Caritas-Wohnungslosenhilfe, das DOWAS und seit September 2007 auch das Haus der jungen Arbeiter. Die infrage kommenden Wohnungen werden dem "Sozialen Netzwerk" zur Vergabe zur Verfügung gestellt. Zunächst erfolgt eine Prüfung der sozialen Verträglichkeit der betreffenden Wohnanlage, um möglichst Konfliktsituationen zu vermeiden. Dem Sozialen Netzwerk liegen Listen der Wohnungssuchenden sowie der zur Verfügung stehenden Wohnungen vor. Hauptkriterien für die Belegung einer Wohnung sind die soziale Situation der Bewerberinnen und Bewerber, die Dringlichkeit sowie die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Wohnanlage. Die Wohnung wird direkt an die ausgewählte Person für drei Jahre vermietet. Nach einer gelungenen Integration kann das Mietverhältnis im normalen Prozedere verlängert werden.

Bisher nur positive Erfahrungen

Im Zeitraum September 2006 bis August 2007 wurden über das Soziale Netzwerk Wohnen insgesamt 18 Wohnungen in sieben Gemeinden (Bludenz, Bregenz, Dornbirn, Feldkirch, Frastanz, Hard, Lochau) vermittelt. Die bisherigen Erfahrungen sind ausschließlich positiv, es gab keine nennenswerten Probleme und keine Kündigungen durch den Wohnbauträger. Bei allen Mietern wurden Entwicklungen zum Guten festgestellt - eine klare Bestätigung für das Konzept.

Auch auf die stationären Einrichtungen wirkt sich das Projekt positiv aus. Erstmals ist es möglich, Auszüge in selbstständige Wohnungen besser zu planen. In der nahen Zukunft geht es nun darum, mehr Gemeinden für das Soziale Netzwerk Wohnen zu gewinnen und die Kooperation aller Partner weiter zu verdichten, um das Ziel "jährlich 30 Wohnungen" möglichst bald zu erreichen, berichtete Heidi Lorenzi als Koordinatorin.

Heidi Lorenzi
Heidi Lorenzi

Schriftgröße

. zu Pressemeldungen 2008