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Kinder in der Trennungsphase

Hokus Pokus - Abra Kadabra
Menschen und Panzer sollen wieder lieb sein!

Die meisten Eltern und Kinder erfahren eine Trennung oder Scheidung zum ersten Mal. Sie können die Aufgaben und Anforderungen, die jede Trennungsphase schwerpunktmäßig beinhaltet, noch nicht einschätzen und haben häufig wenig Informationen über Anforderungen, Stadien und Gefühlsreaktionen im Verlauf eines Trennungsprozesses.

Insbesondere wird in der Regel die erforderliche Zeitdauer für die "psychische Scheidung", d.h. für die innere Trennung vom Partner, von den Eltern unterschätzt oder es werden die momentanen Belastungen und Depressionen als unveränderlich eingestuft.

Verhaltensprobleme, Ängste und Traurigkeit der Kinder werden zudem von Eltern selten als notwendiges Durchgangsstadium für eine Trennungsbewältigung erkannt und bekommen so leicht ein ungerechtfertigtes Gewicht, welches die Kinder zusätzlich belastet.



"Phasen" der Trennung 

Welche "Phasen" der Trennung gib es überhaupt?

Stadium der Unentschiedenheit (Ambivalenzphase)
Partnerschafts- und Eheprobleme verfestigen sich. Es beginnt ein gegenseitiger Rückzug. Eine Trennung wird aber noch vermieden. Die Eltern wägen die Vor- und Nachteile einer möglichen Trennung gegeneinander ab. Dieser Zeitraum ist für Erwachsene und Kinder auf Grund der großen inneren Spannungen und Konflikte besonders belastend.

Stadium der endgültigen Trennung (Trennungsphase)
Die Phase erfordert von allen Familienmitgliedern viele äußere und innere Anpassungsleistungen. Alle sind emotional stark betroffen. Finanzielle, rechtliche und räumliche Fragen müssen geklärt werden. Es muss entschieden werden, wer das Kind hauptsächlich erzieht, wo es wohnen wird. Die Kinder sind stark auf emotionale Unterstützung angewiesen, die Eltern ihrerseits sind jedoch sehr belastet und können die Kinder oft nicht im gewohnten Ausmaß unterstützen.

Stadium der Anpassung an die Trennung (Scheidungsphase)
Diese Phase dauert zirka zwei Jahre. Sie führt zu einer allmählichen Stabilisierung der äußeren und inneren Lebensverhältnisse. Es ist die Zeit, in der die formale Scheidung stattfindet (sofern notwendig). Eine größere Überschaubarkeit der Situation, die Entwicklung eines neuen Lebensstils der Eltern und der Kinder, neue Kontakte und eine größere erzieherische Verfügbarkeit für die Kinder ist das Ergebnis.

Stadium der Neudefinition der Familie und der psychischen Trennung (Nachscheidungsphase)
In dieser - oft mehrere Jahre umfassenden Phase - findet die endgültige "Umwandlung" der ehemaligen Familie in eine neue familiäre Struktur statt. Es müssen neue Wege gefunden werden, mit Stiefeltern und Stiefgeschwistern klarzukommen.


 

Kinder in der Zeit der Unentschiedenheit und der Trennung 

Die Kinder werden durch das Streitpotential der Eltern belastet.
Kinder, auch sehr kleine Kinder, merken sehr genau, dass sich ihre Eltern nicht mehr so gut wie früher verstehen. Auch wenn sich die Eltern nicht vor den Kindern streiten, bemerken diese, dass "etwas nicht in Ordnung ist".

Mehr noch, ein dauerndes, konflikthaftes Familienklima belastet die Entwicklung der Kinder dauerhafter und nachhaltiger als eine Scheidung oder Trennung, die dann auch zu Lösungen von Konflikten führt ("lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende")

Die Ungewissheit bedingt Angst, Ohnmacht und Unsicherheit.
Die Kinder werden nicht gefragt - und sollen auch nicht gefragt werden - ob sich ihre Eltern trennen. Für sie ist die Entwicklung jedenfalls unabsehbar. Da sie (wie auch ihre Eltern) eine solche Krise noch nie durchgemacht haben, entsteht ganz automatisch Zukunftsangst und das Gefühl, dem, was passiert, ohnmächtig ausgeliefert zu sein.

Beide Eltern sind wenig verfügbar für die Kinder.
Die Konflikte und die Unklarheit der Zukunft bindet viel Energie der Eltern. Es ist nur natürlich, dass in einer so schwierigen Situation ihre Möglichkeiten, die Kinder zu unterstützen, eingeschränkt sind. Gleichzeitig ist die Bedürftigkeit der Kinder nach elterlicher Unterstützung hoch.

Die Kinder fühlen sich verantwortlich für die Aufrechterhaltung der elterlichen Beziehung.
Nicht selten glaubt ein Kind, dass es die "Sündenbockrolle" übernimmt, dass es Schuld an der Trennung ist. Sie sind beispielsweise der Überzeugung, dass sie die Streitereien hätten verhindern können, wenn sie immer brav ins Bett gegangen wären, die Hausübungen immer gemacht hätten, mehr aufgeräumt hätten, mehr geholfen hätten etc.

Es besteht die Gefahr einer Allianzbildung mit einem Elternteil.
Kinder können weder Anwaltsfunktion in elterlichen Streitigkeiten übernehmen ("sag Du dem Papa oder der Mama, dass ....), noch sind sie die geeigneten Ansprechpersonen, um den eigenen Ärger, den man über den anderen Elternteil empfindet, auszudrücken (wir könnten es so schön haben, wenn nur der Papa / die Mama anders, lieber oder mehr zu Hause wäre ...).

Wenn Eltern dazu übergehen, die Kinder in ihre Streitigkeiten mit einzubeziehen, beginnen Kinder sehr leicht, Partei für Mama oder Papa zu ergreifen. Auch wenn das den "begünstigten" Elternteil kurzfristig tröstet, sind solche Allianzen ungünstig. Zum einen muss das Kind seine Zuneigung zum "abgelehnten" Elternteil unterdrücken, zum anderen erhöht es das Konfliktpotential, da sich der "abgelehnte" Elternteil ausgeschlossen, hintergangen und betrogen fühlt.

Die Kinder unterdrücken eigene Gefühle und ziehen sich zurück.
Um ihre Eltern nicht noch mehr zu belasten, ziehen sich einige Kinder zurück und unterdrücken "schwierige" Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst.

Bei jüngeren Kindern entstehen existentielle Ängste, den auszuziehenden Elternteil ganz zu verlieren oder auch vom anderen Elternteil verlassen zu werden.
Trennen sich die Eltern von Kindern, so glauben diese, dass sich ihre Eltern auch von ihnen selbst scheiden lassen. Sie sind sich unsicher, ob sie den wegziehenden Elternteil je wieder sehen werden. Oft "verlieren" sie nicht nur einen Elternteil, sondern auch ihr Zuhause (wenn ein Umzug und ein Schulwechsel notwendig wird). Oft verschlechtert sich auch der Lebensstandard. All das lässt die Zukunft in einem dunklen Licht erscheinen und ist ein Nährboden für große Angst.

Die räumliche Trennung der Eltern schafft auch Entlastung von Bedrohungen und Konflikten.
Wie bereits erwähnt - dauernde Streitereien belasten alle Familienmitglieder und kosten mit der Zeit unnötig viel Energie und Substanz. Das ist besonders dann der Fall, wenn sich die Situation durch die Austragung der Konflikte nicht verändert bzw. verbessert. In so einem Fall kann eine Trennung sinnvoll sein, da sie allen Beteiligten neue Wahlmöglichkeiten eröffnet.


 

Wann "braucht" eine Familie Hilfe? 

Ist es überhaupt möglich, dass Menschen - wie durch Zauberhand - wieder lieb miteinander sind?

Matthias wünscht sich, dass er ein Zauberer wäre, der dann zaubert "hokus pokus, abra kadabra, Menschen und Panzer sollen wieder lieb sein" - und seine Eltern haben es wirklich geschafft - vielleicht auch mit Hilfe des Zaubers ihres Sohnes. Matthias hat einen guten Kontakt zu seiner Mutter (bei der er wohnt) und zu seinem Vater (der in der Nähe wohnt).

Als Partner haben sich die beiden nicht mehr viel zu sagen, sie wissen jedoch beide, dass sie ein Leben lang als Eltern von Matthias verbunden bleiben - und dass es ihren gemeinsamen Sohn ohne den anderen Elternteil gar nicht gäbe.

Für beide war es ein langer Weg und zeitweise waren die Fronten sehr hart und wenig Gesprächsbasis war vorhanden - doch mit der Zeit (und eine Trennung dauert ihre Zeit, viel länger als der "bloße" Akt des Ausziehens) akzeptieren beide die Liebe ihres Sohnes zu beiden Eltern und das gegenseitige Interesse an seinem Wohlergehen. Oft sind die Meinungen unterschiedlich, neuerdings gelingt es jedoch, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren und trotzdem handlungsfähig und erziehungsfähig zu bleiben.



Kontaktadressen 

ifs Beratungsstellen in Bludenz, Andelsbuch, Feldkirch, Hohenems, Dornbirn und Bregenz

PsychotherapeutInnen, PaartherapeutInnen

Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch

Gigagampfa - Gruppenprogramm für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien

Frauenreferat der Vlbg. Landesregierung
(plant Ratgeber für AlleinerzieherInnen)

Gerichtstage
(rechtliche Auskünfte)



Referentinnen 

Jimmy Gut, Psychotherapeut, Göfis
Rosemarie Bauer, Psychotherapeutin, Bludenz
Mag. Brigitte King, Psychologin, Feldkirch




 

AutorIn / VerfasserIn 

Maga. Brigitte King
Jg. 1969, Psychologin, Betriebsökonomin,
Ausbildung in systemischer Psychotherapie beim ÖAS in Salzburg und systemisch-hypnotherapeutischer Konzepte in der Kindertherapie, NLP; Schwerpunkte in der Arbeit: Beratung, Diagnostik und Therapie von Familien und Kindern, welche im Rahmen des ambulanten Familiendienstes des ifs betreut werden; Konzeptentwicklung und Fachbegleitung für Organisationen, welche Programme für Kinder und Jugendliche anbieten

 

Weiterführendes Angebot bzw. Beratung 

ifs Internetberatung oder eine der insgesamt sechs ifs Beratungsstellen

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