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Aufsichtspflicht von Erziehungsberechtigten

"Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen ...."


Sie als Eltern oder als allein erziehender Elternteil tragen (auch) Verantwortung für ihre Kinder. Das ist eigentlich so selbstverständlich, dass man oft gar nicht darüber nachdenkt. In vielen Fällen stellt sich diese Frage erst, wenn ein Unfall oder ähnliches eingetreten ist und sich Schuldgefühle einstellen.

Schuldgefühle sind etwas sehr Persönliches. Sie werden beeinflusst von eigenen Erfahrungen, von Normen und Werten, die von der Gesellschaft und von früheren Generationen übernommen wurden oder die selbst entwickelt wurden. Schuld wird jemandem gerechtfertigt oder ungerechtfertigt zugeschrieben. Sich schuldig zu fühlen, ist nicht gleichzusetzen mit Verantwortung zu tragen oder eben seiner Verantwortung nicht nachgekommen zu sein.



Aufsichtspflicht 

Eltern haben gesetzlich geregelte Rechte und auch Pflichten.
Eine davon ist die Aufsichtspflicht.
Was ist das nun - die Aufsichtspflicht gegenüber dem Kind? Bedeutet das etwa, dass ein Kind nie mehr aus den Augen gelassen werden kann, dass es nie von jemandem anderen beaufsichtigt werden darf, als von seinen Eltern, dass es nie alleine seinen Schulweg bewältigen kann etc.?

Nein, das bedeutet es sicher nicht. Die Aufsichtspflicht verändert sich mit dem Alter des Kindes, mit seinem geistigen Entwicklungsstand, mit dem, was es für gewöhnlich bereits kann. Eine "Daumenregel" ist - je mehr Verantwortung ein Kind / ein Jugendlicher für sich selbst übernehmen kann, desto weniger Verantwortung müssen die Eltern tragen.

Aufsichtspflicht heißt nicht Überwachung auf Schritt und Tritt. Auch wenn die Aufsichtspflicht erst mit der Volljährigkeit endet, ist das konkrete Maß von mehreren Faktoren abhängig:


Vom Alter der Aufsichtsbedürftigen

Was kann vernünftigerweise von einem Kind / einem Jugendlichen dieses Alters erwartet bzw. verlangt werden?

 

Von der Persönlichkeit und Reife eines bestimmten Kindes / Jugendlichen

Ist ein Kind z.B. verlässlich oder verhält es sich oft unberechenbar (das ist beispielsweise wichtig bei geistig beeinträchtigten Kindern oder Kindern, die an ADS leiden - diese können Gefahren weit schlechter einschätzen als andere Kinder im gleichen Alter)?



Zur Aufsichtspflicht gehören

 

Konkrete Gefahrensituation

Welche Gefahrenquellen sind da (beispielsweise Gelände, Werkzeug, riskante Aktivitäten etc.)?


Betreuungspflicht

Die Person, die das Kind betreut, muss auch für die gesamte Dauer der Betreuung anwesend sein bzw. erreichbar sein.

 

Belehrungspflicht

Hier handelt es sich um die Verpflichtung, die Kinder / Jugendlichen in der ihnen verständlichen Weise auf Gefahren hinzuweisen und vor falschem Verhalten zu warnen.


Informationspflicht

Die Erziehungsberechtigten müssen generell informiert sein, was mit den Kindern und Jugendlichen unternommen werden soll. Wenn Sie also die Kinder in die Aufsicht einer zuverlässigen Person geben - informieren Sie sich, was diese Person mit ihrem Kind unternimmt (z.B. wenn ihr Kind mit auf ein Pfadfinderlager fährt).

Wenn Sie "fremde" Kinder betreuen (Kinder, die andere Erziehungsberechtigte haben), informieren Sie die Eltern der betreffenden Kinder, was Sie mit den Kindern vorhaben (das ist besonders wichtig, wenn Sie "spektakuläre" Unternehmungen planen - z.B. klettern gehen etc.)

Es ist klar, dass Eltern nicht dauernd ihre Kinder beaufsichtigen können. Es ist notwendig, dass Kinder auch von anderen Personen beaufsichtigt werden können und dürfen. Es liegt jedoch in der Verantwortung der Eltern zu prüfen, ob die beauftragte Person (sofern diese nicht von einer Institution beauftragt ist - z.B. LehrerInnen, KindergärtnerInnen) zuverlässig ist (beispielsweise kann ein jugendlicher Babysitter sicher ein gesundes, schlafendes Baby ein paar Stunden beaufsichtigen, jedoch ist es nicht möglich, dass dieser jugendliche Babysitter ein krankes Kind mit besonderem Pflegebedarf nächtelang betreut - sei es, weil die Pflegemaßnahmen zu schwierig sind - z.B. hantieren mit Sauerstoff - oder weil das Kind nicht schläft, der beauftrage Babysitter aber eine ganze Nacht nicht aufbleiben kann).





 

Autorin 

Mag. Brigitte King
Jg. 1969, Psychologin, Betriebsökonomin, Ausbildung in systemischer Psychotherapie beim ÖAS in Salzburg und systemisch-hypnotherapeutischer Konzepte in der Kindertherapie, NLP; Schwerpunkte in der Arbeit: Beratung, Diagnostik und Therapie von Familien und Kindern, welche im Rahmen des ambulanten Familiendienstes des ifs betreut werden


Weiterführendes Angebot bzw. Beratung 

ifs Internetberatung oder eine der insgesamt sechs ifs Beratungsstellen

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