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Kinder im Umgang mit Medien

Schau, überall Medien! 

Medien allerart bestimmen immer mehr unseren ganz normalen Alltag. Zu den vielen bekannten, geradezu klassischen Aufgaben, die echte Erziehungsarbeit für Eltern und begleitende Erwachsene darstellt, gesellt sich nun auch der große Bereich Medien.

Lebensläufe heute sind quasi untrennbar mit Medien verbunden. Kinder wachsen in Medienlandschaften hinein, die sich in den westlichen Industrienationen nur unwesentlich unterscheiden.

Bereits Neugeborene erleben Fernseher & Co. als Beschäftigung - Menschen tun etwas damit. Alltagserlebnisse, Freizeitgeschehen, Familientreffen, Wissensberater, Kinderprogramm, Fenster zur Welt… etc.; die Synonyme für Medien sind zahlreich.


 

Alles Medien oder was? 

  • Medien - was ist das alles? Aus alt mach neu?
  • Wie ist der Einfluss? Was kann ich beeinflussen?
  • Wie wichtig und notwendig sind sie in einer Gesellschaft, die sich Informations- Bildungs-, Wissensgesellschaft nennt?
  • Was ist allgemein wichtig zu beachten?
  • Welche Fragen zu diesem Themenkomplex Medien-Kindheit stellen sich / sollen sich Eltern stellen?




Was könnte geschehen? 

Die medienpädagogischen und kommunikationswissenschaftlichen Orchester sind vielstimmig. Die Anzahl der Massenmedien - schon im eigenen Zuhause - ist groß, auch großartig. Ganz streng betrachtet, geht die Aufzählung beim Radiowecker los, weiter über CD-Player, Internet, Video,…. immer weiter bis…..?

  • Wie sind Medien kulturkritisch einzuschätzen?
  • Welche Veränderungen schaffen die Medien im Zusammenleben?
  • Führen zu frühe, zu viele, zu ungefilterte Medienerfahrungen zu Sinnverlust und Reizüberflutung?
  • Macht es mehr Sinn, ganz jung, völlig unbefangen, neugierig mit Medien umzugehen?
  • Wie integrieren wir sie in den Tag von Leben, Arbeit, Spaß?


Ist es so, wie der amerikanische Soziologe Neil Postman in seinem bereits 1985 erschienenen Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" und in auch weiteren nachfolgenden Büchern meint, dass

  • es für Heranwachsende keine Primärerfahrungen mehr gibt,
  • sich die Wahrnehmungsmuster durch die Beliebigkeit der Bilder verrücken,
  • die elektronischen Medien keine Geheimnisse mehr bewahren, aber es Kindheit ohne Geheimnisse nicht geben kann?

 

Wie war das noch mal? 

Das hohe Tempo der Umgestaltung, die immer wieder faszinierenden neuen Erfindungen, das Ständig-auf-dem-Neuesten-sein wollen/müssen, die Ansprüche, die das Thema vorgibt, die Unsicherheiten, diese neue Disziplin zu verstehen, zu integrieren, verlangt von Erwachsenen eigentlich einen beträchtlichen Einsatz.

Die Zeitspannen, Neues verstehen zu müssen, werden immer kürzer und unnachgiebiger. Es entsteht sogar Informationsdruck und dadurch Handlungsbedarf


 

Wie fing es an? 

Die Erfindung der Schrift, die Kunst des Lesen- und Schreibenkönnens, rufen heute leider keine Bewunderung mehr hervor.
(Es bleibt Kunst und die bleibt spannend, denn niemand weiß wirklich, wie es geht)

Johann Gensfleisch zum Gutenberg (~1400 -1468) allein brachte das Leben, die Bedeutung und das Sozialgefüge der Mönche ehemals ganz schön durcheinander. Er bastelte lange und schließlich waren seine Experimente erfolgreich:
Mit der Erfindung und Entwicklung der beweglichen Lettern wurde das Medienzeitalter eingeläutet! Meinungen, Ideen und Bücher kamen unter die Menschen.
Es kam zur langsamen Alphabetisierung und damit auch zu dem Begriff des Bildungsbürgertums im 18.Jahrhundert.
Schreiben und Lesen(können) ist immer noch eine unersetzliche, heute oft unschätzbare, aber auch unterschätzte Kulturleistung.
Die Kulturtechniken Rechnen, Schreiben, Lesen gehören zum Bildungsauftrag unserer Gesellschaft. Obwohl wir alle daran teilnehmen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der so genannte "funktionale Analphabetismus" bereits in der Altersgruppe der Jugendlichen beginnen kann. Das Lesen von Texten wird zur olympischen Disziplin. Das "Lesen in Piktogrammen", die laufenden Bilder also, wird immer häufiger und beiläufiger verwendet und gefährdet die Fähigkeit des Lesens und Schreibens.

"Terminals erzeugen dialogische Bilder.... Die neue Generation von Bildermachern und Bilderverbrauchern taucht auf..... Sie ist dabei, eine neue Gesellschaftsstruktur und damit auch Realitätsstruktur zu schaffen". (V.Flusser)

Diese Auswirkungen werden sichtbar, die "radikale Veränderung des Status Kindheit durch die optische Revolution" wird spürbar. (R.Barthes)

Die Erfindungen von Kamera, Fernschreiber, Telefon, Kino, Rechenmaschine, Schallplatte etc waren durchaus und durchwegs sensationell. Bereits diese "Schöpfungen" veränderten schon Althergebrachtes und Bewährtes, Bekanntes.

Das alles jedoch ist nichts im Vergleich zur Erfindung des schwarzen Kastens, der uns heute mit der entsprechenden Technik rund um die Uhr auf mannigfachste Art, Bilder serviert.



Tatsächlich! 

Das Medium Nr.1 ist bis dato noch immer der Fernseher.
Computer, Internet, CD-ROM, E-Mail, Handy, etc. sind reichlich vorhanden, ohne sie können wir uns Kommunikation nicht mehr vorstellen. Medien dienen der heutigen Lebensgestaltung, bzw. sie sind ein Teil davon.

Die ungeheure Fülle an Geräten, die permanent voranschreitende Technik, der immer höhere private Besitz und die Zeit der Nutzung werfen natürlich sehr viele Fragen auf. Die Medien durchdringen auch die Familienwelt. Das heißt sozusagen, Krise und Chance des Mediendschungels durchwehen die Köpfe.
Medienverhalten und Medienrezeption prägen Verhalten.
Überall stehen Medien auf Knopfdruck bereit. Obwohl beinahe alle Menschen beinahe alle Medien nutzen (können), und meist der tägliche Gebrauch nicht in Frage gestellt wird, gibt es Befürchtungen, Ängste, Widersprüche und auch Hilflosigkeit. Daneben ist ebenso der starke Glaube an die positivistische Konstruktion globaler Medienvernetzung vorhanden.



Und dann? 

Der Fragenkatalog von Eltern ist daher lang.

  • Was kann ich überhaupt tun?
  • Was muss ich tun?
  • Was darf ich erlauben?
  • Was muss ich schützen?
  • Was kann ich fördern?
  • Welche Aufgaben fallen mir zu, welche kann ich auslagern?
  • (Spielgruppe, Kindergarten, Schule)


Zu den einfach erscheinenden Fragen bündeln sich sehr weit reichende weitere, deren Beantwortung oft wissenschaftlich noch nicht genügend untersucht werden konnte. Bereits zwei Generationen dürfen sich "Mediengeneration" nennen, was unter anderem erklärt, wie wenig weit die Forschung gediehen sein kann.
Gilt einiges durchaus als gesichert, so bleiben noch genügend weiße Flecken



Gut zu wissen? 

  • Wie sind Medienwirkungen gesamt gesellschaftlich / individuell?
  • Fördert Reizüberflutung > Aggressionspotenzial?
  • Welche Bedeutung hat der Mediengebrauch im sozialen Kontext?
  • Können Kinder Medien(wirklichkeit) + Leben unterscheiden?
  • Was bedeutet Medienerziehung?
  • Wie erlange ich Medienkompetenz?
  • Was brauchen Kinder, um mit Medien umgehen zu können?
  • Wie wichtig ist dieser Erziehungsteil, wie kann er gestaltet werden?
  • Wie diffus oder stabil sind verschiedene Identitätsphasen und in welchem Zusammenhang steht die Medienindustrie?
  • (Erickson 1966, Coleman 1984)
  • Welchen gesellschaftlichen Stellenwert (Werte + Normen) haben Medien?
  • Gibt es bereits eine "Medienverwahrlosung"?
  • Wenn möglichst viele Medien, wie kann es gehen?

  • Was wünschen sich Eltern für ihre Kinder und was können sie beitragen?
  • Wie erleben Kinder die Medienangebote?
  • Wie hoch ist der viel zitierte Mediennutzen zu bewerten, wenn gerade der Erfahrungshorizont von Kindern häufig strapaziert wird?
  • Werden Verhaltensangebote aus den multimedialen Medien direkt nachgeahmt und erprobt?

 

Medien + Handeln

Im umfangreichen Beziehungsmuster, im Erleben von Bedürfnissen und Wünschen, ist auch dieses Thema ein Stück im großen Erziehungskuchen.
Kindererziehung ist immer eine Herausforderung.
In der Auseinandersetzung und dem Verstehen von Kindern + Kindheit, kann ich bewusst und sicher kommunizieren, agieren, operieren.

  • Welche Entwicklungen durchlaufen Kinder?
  • Wenn Erwachsene hier ein wenig neugierig sind, können sie Zusammenhänge zum Medienallerlei herstellen.
  • Was braucht ein Kind um Bilder in Büchern zu deuten?
  • Wie lernt ein Kind sprechen?
  • Wie wichtig und schön sind Krabbelverse, Reime, Lieder?
  • Was ist das Besondere am Medium Stimme?
  • Welche Basiselemente können wir Kindern leicht anbieten?
  • Wann z.B. versteht ein Kind einen Zeichentrickfilm?
  • Wann kann es Zusammenhänge zwischen sich und anderen herstellen?
  • Wann und wie konstruiert das Kind Wirklichkeit?
  • Was und wann kann das Kind aus ganzen Filme verstehen?
  • Welche sozial-moralischen und kognitiven Reifungsprozesse braucht ein Kind um fernsehen zu können?
  • um Fernsehen&Co. begreifen + loslassen zu können?
  • Wie dicht gewoben sind hier die Themen Grenzen setzen, Regeln einhalten, Rituale pflegen, für Kinder erwachsen sein?




Medien und Wege 

Medienerziehung ist machbar - es ist keine Gretchenfrage, keine Zauberei, aber ganz sicher Arbeit. Ich meine damit gemeinsame, nachhaltige Arbeit im besten Sinne.

In unserem normalen Zusammenleben sind Medien ein zentraler Punkt - hier können wir einen Stil entwickeln, selbstsicher werden, das Thema gut kommunizieren.
Oder im Gegensatz dazu ständig in Konflikten leben, alles ignorieren, es einmal so, ein anderes Mal so handhaben.

Medien fordern Eltern heraus - jedes Kinderalter und jedes Kind aufs Neue.
Der Dialog ist immer ein Mittel zum Ziel - Kleinkinder brauchen anderes als Jugendliche, Männer und Frauen, wie könnte es anders sein, haben auch hier unterschiedliche Zugänge, Auffassungen und Verhaltensweisen.

Der Weg zum individuellen Nutzen, zur kompetenten Bedienung, zur freien Gestaltung und zum selbstsicheren und selbstbewussten Handling fängt klein an.

Trotz aller Erkenntnisse werden wir in unserer Entwicklung keine Quantensprünge machen können. Schritt für Schritt - hier, in das Medienzeitalter, heißt die Devise.
Es ist ein Reigen, ein Bogen, der sich spannt.
Eltern können tolle neue Erlebnisse und vielleicht Erinnerungen haben, was auch heute noch zur Kindheit gehört, was nicht unmodern geworden ist.

Mit Erzählen, Singen und Vorlesen fängt es an.
Wenn Eltern hierfür Zeit haben, Freude empfinden und es gerne tun, ist ganz was Tolles schon passiert.






 

Autorin 

Barbara Schröder-Offermanns
Jg. 1956, einen jungen erwachsenen Sohn, eine jugendliche Tochter,

Ausbildung in Spiel -und Medienpädagogik, Literaturdidaktik, Lesekompetenz, Deutschunterricht an einer Feriensprachschule, Beginn einer Bibliotherapie-Ausbildung,
Gründung der 1. Kinder-und Jugendbuchhandlung in Vorarlberg, Ausbildung zur Jugendleiterin, Trainerinnen-Ausbildung,
in Ausbildung zur Dipl. Sexualberaterin, Lebens- und Sozialberaterin

 

Weiterführendes Angebot bzw. Beratung 

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