
Röthis, 03. August 2006
Eine verstärkte Stützung der Eltern und der Elternkompetenz durch ein spezielles Training sowie eine intensivere Betreuung der Jugendlichen nach dem Auslandsaufenthalt in einer eigenen Trainingswohnung: Dies sind die Eckpfeiler der Veränderungen, mit denen das IfS-Jugend-Intensiv-Programm (JIP) im Herbst 2005 an den Start ging. Die Veränderungen haben sich mittlerweile bewährt. Noch immer setzt das JIP neben der intensiven Betreuung von Jugendlichen schwerpunktmäßig auf die Elternstützung denn ohne die Mithilfe der Eltern würde das Projekt auch für die Jugendlichen ohne Erfolg bleiben.
Seit 1997 hat die IfS-Sozialpädagogik im Jugend-Intensiv-Programm über 100 verhaltensauffällige Jugendliche und deren Eltern begleitet und unterstützt. Um den Erfolg der Arbeit auch weiterhin zu garantieren, wurden im vergangenen Jahr einige Anpassungen vorgenommen. Diese Verbesserungen leiten sich aus Ergebnissen einer Langzeitstudie, im Rahmen derer vom IfS-JIP betreute Jugendliche, Eltern und Zuständige der Behörden befragt wurden, ab.
Elternarbeit wird zum Coaching
Ein Fokus des IfS-Jugendintensivprogrammes richtet sich auf die verstärkte Unterstützung der Eltern. In einem eigenen Verhaltenstraining lernen sie den Umgang mit ihren Kindern neu. Dies beinhaltet sowohl einen theoretischen Teil als auch praktisches Üben unter Begleitung und Reflexion durch das JIP-Team, erklärt die Leiterin, Dr. Martina Gasser, die Zielsetzung: Die Jugendlichen sind nur dann wieder integrierbar, wenn sich auch in der familiären Situation etwas verändert.
Gleichzeitig mit der Intensivierung des Eltern-Coachings wurde der therapeutische Bereich der Elternarbeit reduziert. Zuvor war der Erfolg der Elternarbeit sehr stark davon abhängig, wie die Eltern mit ihren Therapeuten auskamen. Mit dem Eltern-Coaching wurde in diesem Punkt eine größere Unabhängigkeit erlangt , erklärt Gasser.
Trainingswohnung als Übergang nach dem Ausland
Die größte Anpassung des JIP-Konzeptes betraf die Nachbetreuungsphase. Gasser: In dieser ersten Phase nach dem Auslandsaufenthalt des jungen Menschen ist das Risiko für einen erneuten Konflikt sehr groß. Immer wieder fühlten sich Jugendliche und Eltern in dieser Zeit allein gelassen.
Seit Herbst 2005 können die betreuten Jugendlichen deshalb nach ihrer Rückkehr von einem äußerst intensiven Auslandsaufenthalt sechs Wochen lang in einer eigenen Trainings-Wohnung leben, bevor sie nach Hause zurückkehren oder ins IfS-Ambulant betreutes Wohnen wechseln. Gleichzeitig ermöglicht die Trainingswohnung den Eltern, das Gelernte unter Begleitung und Reflexion umzusetzen. "Wöchentlich ist eine Familiensitzung vorgesehen, mit dem Ziel, einen kontinuierlichen Übergang in die eigentliche Familienstruktur zu schaffen", erklärt die JIP-Leiterin.
Trotz einiger Anpassungen blieb der zentrale Aspekt des Jugend-Intensivprogramms erhalten: Während eines mehrwöchigen Auslandsaufenthaltes sollen teilweise stark verhaltensauffällige Jugendliche begleitet von einem bzw. einer JIP-Betreuer/in ihre Lebenssituation überdenken und neue Verhaltensweisen trainieren. Dabei arbeiten sie zum Teil in Sozialprojekten wie Kinderheimen, Leprastationen oder Flüchtlingscamps.
Ein Modell macht Schule
Das JIP-Konzept hat auch in anderen Bundesländern bereits Fuß gefasst. Zwei Einrichtungen in Tirol und Salzburg arbeiten seit vier Jahren erfolgreich als Franchisenehmer des Institut für Sozialdienste, eine oberösterreichische Einrichtung startete sein Jugend-Intensivprogramm im vergangenen Jahr.
IfS-Lehrgang Individualpädagogik
Im Frühjahr 2007 bietet das Institut für Sozialdienste aus den Erfahrungen des Jugendintensivprogrammes einen neuen Ausbildungs-Lehrgang zum Individualpädagogen an. Entstanden aus den internen Weiterbildungskursen ermöglicht der neue Lehrgang eine fachspezifische Weiterbildung, die im Rahmen der Basisausbildung nicht explizit berücksichtigt wird. "Im Jugendwohlfahrtsbereich werden individualpädagogische Interventionen in Zukunft sicher verstärkt notwendig", ist Martina Gasser überzeugt. Weder in Vorarlberg noch im süddeutschen Raum gebe es bisher eine entsprechende anerkannte Ausbildung. Der IfS-Lehrgang Individualpädagogik dauert eineinhalb Jahre und schließt mit einem öffentlich anerkannten Zertifikat der österreichischen Jugendreferate ab.
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Fact-Box
IfS-Jugend-Intensiv-Programm (JIP)
Leiterin: Dr. Martina Gasser
Ganahl-Areal
Schießstätte 14
6800 Feldkirch
Tel.: 05522/75902
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