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ifs Pressemeldung

Röthis, 27. Juli 2005

ifs Bregenzerwald: Toleranz gegenüber Fremden nimmt ab

784 Menscher erhielten Hilfe in Not und Krise

Steigende Arbeitslosigkeit, weniger Sozialleistungen, immer mehr Scheidungen und Alleinerzieherinnen: Die gesamtgesellschaftlichen Veränderungen haben 2004 auch vor dem Bregenzerwald nicht Halt gemacht. Mit der Angst vor der Zukunft wächst die Skepsis vor allem Fremden und Anderen. "Der Ausspruch 'Früher war alles besser' ist wieder öfter zu hören", berichtet die Leiterin der ifs Beratungsstelle Bregenzerwald Brunhilde Reichl.


"Durch die wirtschaftliche Entwicklung sind immer mehr Menschen auch im Bregenzerwald von Arbeitslosigkeit und damit von Armut bedroht," stellt Brunhilde Reichl fest. Die Auswirkungen dieser Tatsache bekommt das Team der ifs Beratungsstelle Bregenzerwald in Andelsbuch in der Praxis zu spüren: "Immer mehr Klientinnen und Klienten haben Zukunftsängste. Die Verunsicherung wächst." so Reichl.

Mit den Ängsten wächst der Wunsch, Altes zu bewahren und die Tendenz, die "guten alten Zeiten" zu glorifizieren. Reichl: "Menschen ziehen sich vermehrt zurück. Die Toleranz gegenüber Fremdem und Anderem – Menschen und Neuerungen – nimmt tendenziell ab." Zu spüren bekommen diese Auswirkungen etwa Menschen mit Behinderungen und Lernschwächen, aber auch zugezogene Menschen aus anderen Regionen und Ländern.

Neue Bereiche gut angenommen

Im vergangenen Jahr hat die ifs Beratungsstelle Bregenzerwald 784 Menschen auf ihrem Weg begleitet und unterstützt – um rund 250 mehr als ein Jahr zuvor. Der starke Zuwachs ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Im Herbst 2003 wurde die Sozialarbeit im Kleinwalsertal ausgebaut, für diese Region ist die ifs Stelle in Andelsbuch ebenfalls zuständig. Rat suchende Menschen finden im Kleinwalsertal seither Hilfe und Unterstützung in der ifs Stelle "Sozialarbeit Kleinwalsertal".

Seit 2004 hält die ifs Beratungsstelle Bregenzerwald gemeinsam mit dem aks regelmäßig heilpädagogische Sprechtage in Egg ab. Neu ist das ifs Bregenzerwald seit dem vergangenen Jahr auch in der Internetberatung des Institut für Sozialdienste (www.ifs beratung.vol.at.) eingebunden.

"Diese neuen Bereiche haben unsere KlientInnenzahlen wachsen lassen. Aber auch in unseren Kernbereichen - Psychologische Beratung, Psychotherapie, Paar- und Erziehungsberatung, allgemeine Sozialberatung, Konfliktberatung, Mediation, Opferschutz und Prozessbegleitung – sind wir insgesamt gut ausgelastet", schildert die Diplompsychologin.

Zugenommen hat im Bregenzerwald im vergangenen Beratungsjahr die Zahl der Rat suchenden Patchworkfamilien und AlleinerzieherInnen. Das Thema Alkohol und Alkoholismus ist laut Reichl nach wie vor ein deutliches Problem.

Vielfachbelastungen nehmen zu

"Insgesamt sind die Schwierigkeiten unserer KlientInnen vielschichtiger und komplexer als noch vor einigen Jahren. Menschen, die finanzielle, existenzielle, familiäre, psychische, Beziehungs- und gesundheitliche Probleme gleichzeitig haben, werden immer häufiger", präzisiert Brunhilde Reichl.

Grund zur Freude sieht die Leiterin der ifs Beratungsstelle Bregenzerwald in der Altersstruktur der Klientinnen und Klienten: "Der Trend, dass auch Menschen über 60 zu uns in die Beratung kommen, hat angehalten." Auch ältere Menschen stehen laut Reichl noch aktiv im Leben. Überzeugt ist sie, dass, "Veränderung auch im fortgeschrittenen Alter noch möglich und sinnvoll ist." Reichl: "Man kann sein Leben nicht mehr völlig umkrempeln, aber die Einstellung dazu verändern und dadurch mehr Lebensqualität gewinnen."

Unkomplizierter Zugang

Für Anmeldungen ist das ifs in Andelsbuch telefonisch am besten montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr zu erreichen. Termine werden aber ganztägig vergeben. Die Beratungsleistungen, egal ob psychologische Beratung, Unterstützung im Umgang mit Behörden oder Psychotherapie, sind für alle frei zugänglich – ohne Krankenschein oder Überweisung durch den Arzt. 


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