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ifs Pressemeldung

Röthis, 09. Juli 2004

ifs Interventionsstelle Vorarlberg: "Gewalt hat niemals eine Berechtigung"

Gewalt in der Familie ist keine Seltenheit. Jede dritte bis fünfte Frau ist in Österreich davon betroffen. Die traurige Realität in Vorarlberg: 2003 mussten von der Interventionsstelle des Institut für Sozialdienste 480 Fälle betreut werden.

"Entgegen häufiger Annahmen ist die Familie kein sicherer Ort. In keinem anderen gesellschaftlichen Bereich werden vor allem Frauen und Kinder so oft Opfer von Gewalttaten wie in den eigenen vier Wänden", berichtet die Leiterin der Interventionsstelle Elisabeth Kiesenebner Bauer.

Die Statistik spricht auch in Vorarlberg eine deutliche Sprache: 252 neue Opfer – zu 95 Prozent Frauen - hat die Interventionsstelle im vergangenen Jahr beraten, unterstützt und begleitet. Das entspricht einer Steigerung um 28 Prozent gegenüber 2002.

Hinzu kamen noch 142 Klienten und Klientinnen, die bereits im Vorjahr die Interventionsmöglichkeiten der Opferschutzeinrichtung in Anspruch nahmen. In 86 Fällen suchten BeraterInnen von psychosozialen Beratungseinrichtungen, Behörden und Angehörige fachliche Information und Beratung.

Mehr Klientinnen, knappere Finanzen

Trotz der kontinuierlich steigenden Klientenzahlen ist das diesjährige Budget der je zur Hälfte von Innenministerium und Bundesministerium für Gesundheit und Frauen finanzierten Einrichtung um fünf Prozent geringer als im Vorjahr.

Bereits jetzt ist das Team von Kiesenebner Bauer an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. "Unsere Arbeit trägt mittlerweile erhebliche Früchte. Der Ausbau der Gewaltprävention und die Wahrung der Opferrechte ist wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und benötigt auch in Zukunft ausreichende Budgetmittel und rechtliche Grundlagen", betont die Interventionsstellen-Leiterin.

95 Prozent der Täter sind männlich

In 70 Prozent der Fälle wendet der Ehemann, Lebensgefährte oder Freund Gewalt an. Kiesenebner Bauer: "Das Ausmaß des Unrechts wiegt durch das Näheverhältnis besonders schwer. Dementsprechend massiv sind die Auswirkungen."

Gewaltbeziehungen sind zudem von einer besonderen Dynamik geprägt: Aus Erfahrung weiß das Opfer, dass die Gewalt kein einmaliges Ereignis war, jederzeit wieder passieren kann. Die psychische Anspannung ist dadurch enorm. Mit allen Mitteln bis hin zur Selbstaufgabe versucht das Opfer eine neuerlichen Gewaltausbruch zu verhindern. "Egal aber wie sich das Opfer verhält, es kann immer wieder zu Übergriffen kommen", erklärt die Interventionsstellen-Leiterin. Die langfristigen Folgen sind Angstzustände, Isolation, Traumatisierung und massives Misstrauen.

Erfreulich ist für Elisabeth Kiesenebner Bauer das gestiegene Verständnis der Exekutive für die Opfer familiärer Gewalt: "Opferfreundliche Behördenprozesse helfen dabei, erneute Ängste, Verletzungen und Traumatisierungen zu vermeiden." Wegweisungen und Betretungsverbote werden heute eher ausgesprochen als noch vor einigen Jahren. 2003 wurden 147 Wegweisungen und Betretungsverbote, um 35 Prozent mehr als im Vorjahr, von der Exekutive gemeldet.


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