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ifs Pressemeldung

Bregenz, 26. Mai 2004

Essstörungen werden immer häufiger

Wenn 24 Stunden am Tag alle Gedanken nur um Essen oder Nichtessen kreisen, dann sind das Symptome einer Essstörung. Magersucht, Bulimie und Esssucht haben in den vergangenen Jahren primär bei Frauen aber auch bei Männern deutlich zugenommen. Hinter einer Essstörung verbirgt sich immer ein tiefer liegender psychischer Konflikt.

Der aktuellste tragische Anlass in Oberösterreich, bei dem eine 17-jährige Schülerin starb, ist nur die "Spitze des Eisberges". Allein das vorherrschende Schlankheitsideal dafür verantwortlich zu machen, wäre zu einfach.

Essanfälle, Hungern, Erbrechen oder ständige Diäten sind, wenn sie chronisch auftreten, Ausdruck eines tiefen seelischen Problems. Die eigentlichen Ursachen der Krankheit sind den Betroffenen aber nicht mehr zugänglich. Die Wahrnehmung ist gestört.

Traumatische Erlebnisse als Ursachen

Ursachen für die Erkrankung können traumatische Erlebnisse wie Todesfälle in der Familie, die Scheidung der Eltern oder jede Art von Missbrauch sein. "Wesentlich ist, wie die Betroffenen problematische Erfahrungen verarbeiten können - ob beispielsweise jemand da ist, dem sie sich anvertrauen können.

Auch die Bedeutung von Nahrung innerhalb der Familie hat Einfluss auf das Entstehen von Essstörungen. Wer zum Beispiel als Baby bereits bei jedem Weinen mit Essen "abgespeist" wird, greift in späteren Jahren wahrscheinlicher auf Nahrungsmittel als Trost zurück.

Essen statt zu fühlen

So fatal es klingt: Magersüchtige sind stolz auf ihre Leistung, erleben ihr Hungern als Sieg über den eigenen Körper, als Abgrenzung gegenüber den Anforderungen der Umwelt. So fühlen sie sich sicher und unabhängig. Selbst wenn sie schon bis auf die Knochen abgemagert sind, erleben sie sich als zu dick.

BulimikerInnen (Ess-Brechsüchtige) hingegen sind nach außen perfekt angepasst. Am meisten leiden sie unter der Heimlichkeit ihrer Fress- und Brechanfälle.

Allen drei Krankheitsbildern gemeinsam ist die zwanghafte Beschäftigung mit dem Thema Essen bzw. Nicht-Essen.

Komplexe Behandlung

Ebenso komplex wie das Krankheitsbild, ist die Behandlung von Essstörungen. Die Hilfe des ifs setzt deshalb auf verschiedenen Ebenen an. Ziel der Psychotherapie ist, dass die Betroffenen zwischen psychischem und physischem Hunger unterscheiden lernen und Wege und Mittel der Bedürfnisbefriedigung und Konfliktlösung erarbeiten, die das suchtartige Essen, Hungern und Erbrechen ersetzen können. Neben Beratung und Psychotherapie ist die medizinische Behandlung immens wichtig. Deshalb arbeitet das ifs auch eng mit ÄrztInnen zusammen. Denn die körperlichen Auswirkungen dieser Krankheiten sind gravierend, wie das Beispiel in Oberösterreich zeigt.

Beratung für Angehörige

Auch Eltern, Partner und FreundInnen finden beim ifs ein offenes Ohr. Oft sind es erst die Freundinnen, LehrerInnen und Eltern, die sich bei uns über Essstörungen informieren und Unterstützung im Umgang mit betroffenen Mädchen holen. Die Betroffenen selbst kommen oft erst später zur Beratung und Psychotherapie.

Informations- und Präventionsarbeit leisten die ifs Fachpersonen deshalb auch bereits in Schulen und Jugendeinrichtungen.
Magersucht, Bulimie und Fresssucht gelten als typische Frauenkrankheiten. Tatsächlich sind 85 Prozent der Betroffenen weiblich. Die Zahl der betroffenen Männer hat jedoch in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Mit ein Grund ist die zunehmende Verunsicherung bzgl. der männlichen Rolle in der Gesellschaft.


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Fact-Box

Bei Essstörungen stehen die MitarbeiterInnen in den ifs Beratungsstellen in den vier Städten Vorarlbergs und im Bregenzerwald zur Verfügung.

Zudem ist eine anonyme Beratung auch via Internet möglich:
http://ifs beratung.vol.at.