SEITENBEREICHE


zur ifs Homepage.

ifs Pressemeldung

Bregenz, 14. Mai 2004

Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit sind zentrale Elemente im Opferschutz

Dornbirner Opferschutz-Fachtagung lockte Expertinnen und Experten aus verschiedensten Institutionen

Opfer von Gewalttaten aber auch Täter müssen wissen, wohin sie sich um Hilfe und Unterstützung wenden können: Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung sämtlicher Institutionen, die im Opferschutz und in der Arbeit mit Gewalttätern engagiert sind, sind dafür die wichtigsten Voraussetzungen. Darüber waren sich Experten und Expertinnen auf der Internationalen Opferschutz-Fachtagung in Dornbirn (Vorarlberg) einig. Mit dabei waren auch die zuständige Landesrätin Dr. Grete Schmid und der Dornbirner Bürgermeister Wolfgang Rümmele.

Vorarlberg ist beim Thema Opferschutz und Täterarbeit Beispiel gebend. Das bescheinigte den involvierten Institutionen die Leiterin des Thüringer Traumatologie Zentrums Gabriele Kluwe-Schleberger. "Ich bin beeindruckt von der Zusammenarbeit der einzelnen Stellen in Vorarlberg und der Bereitschaft, Neues auch umzusetzen", so die Diplompsychologin am Rande der Internationalen Opferschutz-Fachtagung, die von 12. bis 13. Mai in Dornbirn stattfand. Ähnliches wünsche sie sich auch für ihr Bundesland.

Organisiert wurde die Opferschutz-Fachtagung von der Plattform gegen Gewalt in der Familie, deren Mitglied das Institut für Sozialdienste (ifs) ist. Das Vorhandensein guter Angebote bestätigte auch die Leiterin der ifs Fachgruppe "Opferschutz", Dr. Ruth Rüdisser, räumte aber ein: "Es fehlt noch an der öffentlichen Sichtbarmachung. Meist ist es für Opfer von Gewalttaten noch immer ein Hürdenlauf bis sie bei der richtigen Stelle landen."

ifs als erste Anlaufstelle

Das ifs sieht sich beim Thema Opferschutz als erste mögliche Anlaufstelle. Rüdisser: „Für jemanden, der nach einer Gewalttat sowieso schon stark verunsichert ist, bedeutet eine sofortige und umfassende Unterstützung ein hohes Maß an Sicherheit.“ Der ifs Fachbereich "Opferschutz" hat deshalb bereits vor einem Jahr die vier ifs Bereiche Frauennotwohnung, Interventionsstelle, Prozessbegleitung und Kinderschutz mit der Exekutive, den Gerichten oder der Jugendwohlfahrt Vorarlberg vernetzt.

Tabuthema Gewalt in der Pflege

Auf dieser sehr gut besuchten Tagung machte Angelika Pfitscher, Projektleiterin des Bereichs "Rund um die Pflege daheim" vom Bildungshaus Batschuns auf das Thema "Gewalt gegen ältere Menschen und in der Pflege" aufmerksam. 80 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen in Vorarlberg werden zu Hause von Angehörigen, in der Regel von Frauen, gepflegt. „Überforderung, Isolation und Hilflosigkeit sind bei pflegenden Angehörigen keine Seltenheit“, betonte die diplomierte Krankenschwester. Genau diese Gefühle führten aber auch regelmäßig zu Gewalt und Grenzüberschreitungen. Pfitscher: "Gewalt in der Pflege ist stark tabuisiert. Umso wichtiger ist das Wissen, wohin man sich als betroffener Angehöriger oder als pflegebedürftiger Mensch um Unterstützung wenden kann."

Auf dem Gebiet der Täterarbeit hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan, berichtete der Geschäftsführer der europäischen Gesellschaft für Gewaltberatung Täterarbeit Joachim Lempert: "Bereits ab Ende Mai wird es in ganz Österreich und Deutschland jeweils eine zentrale Täter-Hotline geben."

Täter-Hotline ab Ende Mai

Die österreichische Telefonnummer 08002-439258 wird dann täglich von 10 bis 20 Uhr erste Anlaufstelle für Gewalttäter. Lempert: "Die schwierigste Hürde ist dieser erste Anruf. Deshalb warten wir auch nicht auf einen zweiten, sondern vermitteln das Gespräch weiter an einen Gewaltberater vor Ort, der sich beim Anrufer persönlich meldet." In Vorarlberg gibt es drei ausgebildete Gewaltberater im Institut für Sozialdienste. Ausgangspunkt der Täter-Hotline ist ein EU-Projekt, das im Dezember 2003 in Hamburg, Luxemburg und Oberösterreich gestartet wurde.


Schriftgröße