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ifs Pressemeldung

Bregenz, 13. Februar 2004

Depression - Wie verhalte ich mich als Angehörige

"Eine Depression ist auch für Angehörige eine Herausforderung"

Jeder kennt sie: die "grauen" Tage. Tage, an denen man traurig ist, zu nichts Lust hat, alles zuviel ist. Ernst wird es, wenn diese Stimmungen andauern oder in immer kürzeren Abständen wiederkehren. In diesen Fällen spricht die Medizin von einer Depression. Das Institut für Sozialdienste bietet Hilfe für Betroffene und deren Angehörige.

In einer Depression fühlt sich der depressive Mensch wie gefangen, schwach, erschöpft und kann sich nicht mehr konzentrieren, keine Entscheidungen treffen. Zugleich hält er die Depression oft für seinen eigenen Fehler und sich selbst für einen Versager.

"Die Depression ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung" betont die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Gerlinde Knett-Seidel. "Sie muss ernst genommen und fachgerecht durch eine/n FachärztIn, PsychologIn, PsychotherapeutIn behandelt werden." Denn der Leidensdruck und die Auswirkungen sind oft so beeinträchtigend, dass Betroffene ihr "altes Leben nicht mehr fortführen können".

Außerdem kann die Depression trotz aller Heilungsmöglichkeiten durchaus lebensgefährlich sein. "Selbstmordgedanken müssen immer ernst genommen werden", betont Knett-Seidel. "Über Suizidgedanken sollte man unbedingt mit dem Betroffenen reden, sie auf keinen Fall bagatellisieren." Mitunter ist sogar ein stationärer Aufenthalt unumgänglich.

Einen an einer Depression erkrankten Menschen zu betreuen oder mit ihm zusammenzuleben, ist eine Belastung. Angehörigen gibt Gerlinde Knett-Seidel deshalb den Tipp, nicht davor zurückzuschrecken, sich selbst Unterstützung zu holen, sei es bei Freunden oder auch professionelle Hilfe wie im ifs.

Häufig fühlen sich Angehörige verunsichert

Einerseits weckt das depressive Leiden Mitgefühl, Anteilnahme und den Wunsch zu helfen, andererseits können die Negativität und das Klagen auch ablehnende Gefühle, Wut, Verärgerung und Frustration hervorrufen.

Besonders kompliziert wird die Situation, wenn der Depressive auf die liebevollen Bemühungen des Angehörigen nicht reagiert, scheinbar gar nicht gesund werden will. "Der scheinbar fehlende Wille, spiegelt die Hoffnungslosigkeit des Depressiven wider. Er kann sich nicht anders verhalten. Die mangelnde Energie und fehlende Tatkraft sind Symptome der Depression", gibt Knett-Seidel Menschen, die eng mit Depressiven zusammenleben, zu bedenken. Angehörigen empfiehlt die Psychologin, das Nichtkönnen nicht als Nichtwollen zu verkennen. Gerlinde Knett-Seidel: "Wichtig ist der Versuch, sich in den Kranken einzufühlen, ihm Verständnis entgegenzubringen und ihm - je nach seinen Fähigkeiten - einige kleine Aufgaben zuzumuten und sei es nur das Frühstück zuzubereiten oder einen Spaziergang zu machen. Dabei ist es wichtig, auf Aktivitäten zurückzukommen, die der depressive Patient früher gerne für sich beansprucht hat."

Beschwichtigungen nach dem Motto "das wird schon wieder" oder Appellationen an den Willen, wie "reiß dich doch zusammen" sind nicht nur sinnlos, sondern können sogar den Zustand des Depressiven verschlechtern. "Der Depressive kann sich nicht zusammenreißen. Durch solche Aussagen fühlt er sich nur noch unfähiger", gibt die ifs Expertin, die in der ifs Beratungsstelle in Bregenz arbeitet, zu bedenken. Ihr Rat: "Teilen Sie dem depressiven Menschen mit, dass seine Gefühle für diese Erkrankung normal sind, dass Sie ihn verstehen und sicher sind, dass es auch wieder anders wird."

Voraussetzung dafür ist die Behandlung der Depression. Körperliche Symptome - die häufig allerdings erst mit einer schweren Depression einhergehen - wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Müdigkeit, sind mitunter Gründe, den Erkrankten leichter zu einem Arztbesuch zu bewegen. Denn häufig fehlt dem Depressiven die Krankheitseinsicht.

Die Depression ist eine gut zu behandelnde Krankheit

Trotzdem passiert die "Heilung" normalerweise nicht von heute auf morgen. Sie kann im Gegenteil ein länger dauernder Prozess sein. Knett-Seidel: "Mitunter treten während der Behandlung auch kleinere Rückfälle mit ihren Rückschritten und Krisen auf. Angehörige sollen sich dadurch nicht entmutigen lassen und dies auch dem depressiven Kranken vermitteln."


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