Gewalt an Frauen:

Über 180 Anrufe
bei Info-Hotline

Jeder fünften Frau wird Gewalt angetan. Viele können das nicht glauben, viele wollen das nicht glauben. Dieser Tatbestand war Ausgangspunkt der Aktion "Mir reicht's!" von IfS und Radio Vorarlberg. Sechs Wochen stand das Tabuthema "Gewalt an Frauen" in der Öffentlichkeit.


Kernpunkt der Aktion war neben zahlreichen Einschaltungen im Radio, im Fernsehen und in den Printmedien die sogenannte Telefon-Hotline:
Vom 30. Jänner bis zum Weltfrauentag am 8. März konnte rund um die Uhr angerufen werden. MitarbeiterInnen des IfS und der Telefonseelsorge, organisiert von Barbara Bohle und Dr. Michael Schmid, nahmen die Anrufe entgegen. Die Ziele waren klar definiert: Bewußtmachen der Problematik, die Diskussion über Gewalt anregen, Betroffenen Mut zu machen, sich aus gewalttätigen Beziehungen zu lösen und den mißhandelnden Männern aufzeigen, daß Gewalt an Frauen und Kindern eine nicht tolerierbare, strafbare Handlung ist. Auch die verschiedenen Formen von Gewalt waren ein Thema: Ohrfeigen, Schläge und Fußtritte sind nur ein Teil. Dazu kommt, wenn der Mann die völlige Kontrolle über die Frau ausübt, ihr verbietet, Freundinnen oder Verwandte zu besuchen, die Telefongespräche mithört, Dinge zerstört, die ihr wichtig sind, die Frau, ohne Grund, finanziell sehr knapp hält, so daß sie von ihm abhängig ist und immer wieder um Geld bitten und betteln muß.

Unterschiedliche
Reaktionen


188 Anrufer aus dem ganzen Land in sechs Wochen zeigten, daß dieses Thema eine traurige Aktualität besitzt. Die meisten der Anrufer waren Frauen, die selbst von dieser Thematik betroffen sind. Manche sprachen zum erstenmal über ihre eigene Situation, andere erzählten von ihren Erfahrungen und wie sie es geschafft haben, sich aus gewalttätigen Beziehungen zu lösen. Manche Anruferinnen erfahren immer noch tagtäglich Gewalt und versuchen einen Weg für sich zu finden, um damit leben zu können. Neben direkt Betroffenen gab es auch viele Anrufer, die zur Aktion selbst Stellung nahmen: Manche konnten die hohe Zahl der Betroffenen (jede fünfte Frau) kaum glauben, andere waren empört, daß über ein solches Thema überhaupt öffentlich gesprochen wird. Einige der Anrufe bestätigten, daß Gewalt an Frauen immer noch toleriert wird.

Diese unterschiedlichen Reaktionen überraschten IfS-Geschäftsführer Manfred Dörler nicht: "Wir haben diese Polarisierung in der öffentlichen Meinung durchaus erwartet. Gerade dadurch ist es aber zu einer Diskussion gekommen, die eine breite Bevölkerungsschicht erreicht hat. Das Thema ist präsent gewesen!"

Die Sorge mancher Anrufer, daß durch diese Aktion Ehen zerstört werden, ist allerdings absurd, denn nicht die Aktion, sondern Gewalt zerstört Liebe, Vertrauen, die Achtung vor dem anderen und damit auch Beziehungen.




Fakten:


Von den 188 AnruferInnen bei der Telefon-Hotline waren:

Die Gesprächsdauer war je nach Anliegen von einer Minute bis zu einer Stunde.

Der Radio-Spot wurde 23 mal gesendet, der TV-Spot 8 mal. Zudem wurden 5 Beiträge in "Viva" gesendet.

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