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Gewalt in der Familie:
IfS bietet Hilfe statt Schuldzuweisungen
Einmischen statt Wegschauen

Eigentlich sollte die eigene Wohnung ein Ort der Geborgenheit sein. Doch hinter verschlossen Wohnungstüren spielt sich gar nicht so selten das Gegenteil ab: Prügel, Drohungen, Nötigung. Die Opfer sind zumeist Frauen und Kinder. Und immer häufiger alte, demente Menschen. „Mit offenen Augen gegen Gewalt in der Familie“, heißt deshalb auch eine Aktion des Kuratoriums Sicheres Österreich, die vom Institut für Sozialdienste unterstützt wird.

Vor allem im ländlichen Bereich werde familiäre Gewalt häufig noch als selbstverständlich angesehen, weiß Dr. Christiane Schmid vom Institut für Sozialdienste (IfS) Bregenzerwald in Alberschwende. Die Psychotherapeutin verweist auf die lange Tradition, die körperliche Züchtigung hat: „Erst allmählich hat sich ein Einstellungswandel vollzogen, vor allem was die Gewalt gegen Frauen betrifft. „Mittlerweile werden Misshandlungen an Frauen allgemein verurteilt – nicht zuletzt weil die Frauen selbst sie als Unrecht ansehen und sich eher trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen“. Dennoch müsse die Gesellschaft weiterhin sensibilisiert werden, meint Schmid.

Die „gsunde Watschn“ ist nicht gesund

Als Beispiel nennt die Psychotherapeutin Gewalt in der Erziehung, die noch erschreckend oft toleriert wird. Selbst in den Köpfen von jungen Eltern, die selber schmerzliche Erfahrungen gesammelt hätten, halte sich nach wie vor die Überzeugung: „Ohne Watschn geht es nicht“, erzählt die Mitarbeiterin des Institut für Sozialdienste aus ihrer Praxis.
Dabei sei körperliche und seelische Gewalt in der Erziehung bereits seit zehn Jahren gesetzlich verboten – oft zur Überraschung der Eltern. Da Kinder der Gewalt völlig wehrlos ausgeliefert seien, müssten Nachbarn, Erzieher oder Lehrer den Mut haben sich einzumischen, fordert Schmid. Gänzlich tabuisiert sei die Gewalt gegenüber alten Menschen. Unter dem Druck einer hoffnungslosen, oft jahrelangen Überforderung wüssten sich manche pflegende Angehörige nicht mehr anders zu helfen.

Bei Überforderung helfen

Überhaupt ist generelle Überforderung in den meisten Fällen Auslöser von familiärer Gewalt, weiß Psychotherapeutin Schmid. Bedingt durch beruflichen Stress, durch die große Verantwortung gerade von Alleinerziehenden und die hohen Anforderungen der Schule an Eltern und Kinder, würden Väter und Mütter immer wieder ausrasten.

„Eltern muss Hilfe und Entlastung angeboten werden, dass sie aus diesem Teufelskreis ausbrechen können“, fordert Schmid. Flexiblere Kindergartenzeiten und eine Betreuung für Schulkinder über die eigentlichen Schulstunden hinaus könnten hier Abhilfe bringen. Denn eines steht für Schmid fest: „Absichtlich wollen Eltern ihren Kindern nicht schaden.“

Institut für Sozialdienste hilft mehrfach

Hilfe holen können sich Betroffene – Opfer wie Täter – bei den Sozialberatungsstellen des Institut für Sozialdienste. „Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen. Es wird ganz konkret an einer gewaltfreien Konfliktbewältigung gearbeitet“, stellt die Beraterin klar. Neben der gezielten Einzelberatung bietet das IfS zudem Präventivangebote an: Unter fachlicher Anleitung können Eltern oder pflegende Angehörige in einer Gruppe Erfahrungen austauschen. Weil die Hemmschwelle, sich selbst auf die Suche nach Hilfe zu machen, für viele immer noch zu groß ist, gibt es seit kurzem die Interventionsstelle Vorarlberg, die ebenfalls vom IfS betrieben wird. Kommt es nach Gewalttaten zur Anzeige, geht die Interventionsstelle von sich aus auf die misshandelten Frauen zu.

Nicht beim Opfer, sondern beim Täter setzt das ebenfalls neu geschaffene IfS-Projekt „Klartext“ an. In der Gewaltberatung werden die Männer nicht kriminalisiert, es wird an einer Bewusstseinsänderung gearbeitet. Denn nicht selten fehle jegliche Schuldeinsicht, so Psychotherapeutin Schmid.
Institut für Sozialdienste hilft mehrfach

IfS-Beratungsstelle für Not und Krisen:
Bregenzerwald: Andelsbuch,
Gemeindezentrum Tel. 05512/2079
Bregenz, Römerstraße 35,
Tel. 05574/42890 (auch Klartext)
Dornbirn, Frühlingstraße 11,
Tel. 05572/21331
Bludenz, H.-Sander-Straße 1,
Tel. 05552/62303
Feldkirch, Schießstätte 14
(Ganahl-Areal), Tel. 05522/75902
Sie können jeden Werktag von 8-12 und 13.30-17 Uhr anrufen oder selbst vorbeikommen.

IfS-Interventionsstelle Vorarlberg
Drevestraße 2/3, Tel. 05522/82440
FrauennotWohnung,
Tel. 05572/29304 ( rund um die Uhr)
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