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Das Gespräch
mit Carla Rudigier
Hilfe zur Selbsthilfe“
„Die Sozialarbeit hat lange gemeint, sie könne Selbsthilfe durch ein bürokratisches Angebot ersetzen....“
Frau Rudigier, „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist in der Sozialarbeit schon seit vielen Jahren ein „Markenbegriff“, wenn man es so sagen kann. Was verstehen Sie als Fachfrau unter diesem Begriff?

Wenn Sie meinen, dass „Markenbegriff“ bedeuten soll, dass „Hilfe zur Selbsthilfe“ einer der Leitgedanken ist, wie Sozialarbeit im Institut für Sozialdienste verstanden wird, dann kann ich Ihnen zustimmen. Selbsthilfe ist das Prinzip, eigene Probleme aus eigener Kraft, bzw. gemeinsame Probleme mit gemeinsamen Anstrengungen zu bewältigen. Selbsthilfe hatte und hat in unserer Gesellschaft schon viel länger Bestand als Sozialarbeit und ich denke, dass Sozialarbeit eigentlich erst dann erfunden wurde, als durch gesellschaftlichen Wandel Selbsthilfe, in der Form wie sie früher möglich war, nicht mehr so gegriffen hat. Mittelalterliche Zünfte, Genossenschaften, Dorfgemeinschaften, waren ja eigentlich nichts anderes als solidarische Hilfsorganisationen, in denen vielfältige Betreuungs- und Beratungsangebote organisiert wurden und durch den gesellschaftlichen Wandel – hier denke ich vor allem rückblickend an die Industrialisierung und die Teilung von Lebens- und Arbeitswelt – haben diese alten Selbsthilfegruppen in der Form diese Hilfe nicht mehr anbieten können. Erst da wurde Sozialarbeit damals als bürokratische und professionelle Fremdhilfe eigentlich erfunden. Dass Hilfe zur Selbsthilfe jetzt wieder ein Markenzeichen der Sozialarbeit geworden ist, hängt damit zusammen, dass die Sozialarbeit eigentlich erst in diesem Jahrhundert, in den 60er Jahren dieses, alte Prinzip wiedererkannt und in methodisches Handeln in der Sozialarbeit aufgenommen hat. Ich selber verstehe unter dem Begriff, dass es um diesen ganzheitlichen Blick auf die Lebensumstände der Klientin oder des Klienten geht; dass gemeinsam mit der Klientin/dem Klienten die Ziele und die Erwartungen, die jemand hat, entwickelt werden sollten und dass dann durch fachliche Hilfe, die kurz- oder auch längerfristig sein kann, versucht werden sollte, zu diesen alten Ressourcen Zugang zu finden. Das kann bedeuten, dass für eine Zeit auch Psychotherapie oder psychologische Beratung angezeigt ist. Aber ich denke, Ziel sollte sein, die Ressourcen, die jeder hat, im Nahbereich, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, wieder zu finden und zugänglich zu machen. Das ist für mich dieser Begriff „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Weil Sie die Geschichte angesprochen haben – kann man davon ausgehen, dass die heutige Sozialarbeit die im letzten oder vorletzten Jahrhundert stattgefundene Selbsthilfe in Vereinen, in Zünften, etc., ersetzt hat?

Die Sozialarbeit hat lange gemeint, sie könne Selbsthilfe durch ein bürokratisches Angebot von Fremdhilfe ersetzen. Eigentlich erst spät hat innerhalb der Sozialarbeit diese Rückbesinnung stattgefunden, dass dort wichtige Ressourcen einfach nicht mehr erkannt worden sind und dass Sozialarbeit und Selbsthilfe sich ergänzen sollten, aber nicht Sozialarbeit die Selbsthilfe ersetzen kann.

Wenn wir darauf nochmals kurz eingehen können – heißt das also, dass „Hilfe zur Selbsthilfe“ letztlich doch Sozialarbeit ist? (Fortsetzung nächste Seite)

Fact-Box

Carla Rudigier, Leiterin der IfS-Beratungsstelle Bludenz, Jahrgang 1953, wohnhaft in St. Gallenkirch-Gortipohl, Diplom-Sozialarbeiterin
Mutter eines Sohnes, verheiratet

Was denken Sie dabei, wenn Sie das Wort

Montafon hören? Berge und Heimat ist es für mich geworden.

Jahr 2000? Ein Übergang oder eine Fortsetzung dessen, was 1999 war. Es ist für mich kein besonderer Schritt oder nichts Besonderes, sondern eine Fortführung, eine Entwicklung.

Urlaub? Sonne und Meer.

Kinder? Mein Sohn Jan und viel Freude mit ihm.

Beratung? Immer wieder zugehen auf Menschen.

Köln? (lacht) In Köln habe ich lange gelebt, gute Erinnerungen und gute Gefühle, auch noch ein Stück Heimat.

Kultur? Kommt im Moment für mich etwas zu kurz hier in Vorarlberg, obwohl ich das große Angebot sicherlich ausreichend in Anspruch nehmen könnte.

Hobby? Wandern, lesen, Fahrrad fahren, also Sport zum Ausgleich.

Stress? Im Moment reichlich, dadurch, dass wir seit drei Jahren ein Haus gebaut haben, was jetzt aber so gut wie fertiggestellt ist und doch viel Kraft gefordert hat.

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