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Was meint eine Jugendliche zum Thema:
Hilfe zur Selbsthilfe?
Liebe Leserinnen und Leser,

was versteht Ihr unter dem Thema „Du alleine schaffst es, aber du schaffst es nicht alleine“?

Ich als Jugendliche verstehe folgendes darunter: Wie viele Jugendliche gibt es in Vorarlberg, die Probleme zu Hause haben oder es „alleine“ nicht mehr schaffen? Wie viele Jugendliche leben auf der Straße, die es „alleine“ nicht mehr schaffen?

Ich wohne seit 1 1/2 Jahren im Ambulant betreuten Wohnen (AbW) des IfS, weil ich es „alleine“ nicht mehr geschafft habe! Aber warum nicht?

Die meisten Jugendlichen haben eine Familie, wohnen zu Hause bei ihren Eltern und haben schon von klein auf ihre Pflichten gelernt. Doch ich habe nie bei meinen Eltern gewohnt und kam immer wieder bei anderen Leuten unter. So musste ich immer neue Pflichten dazu lernen. Und irgendwann hat es mir dann gereicht, denn ich wollte einfach nur meine Freiheit haben und tun und lassen, was ich will! Aber das ging eben nicht, denn jeder hat seine Pflichten im Leben, und da ich das nicht wahr haben wollte, musste ich von zu Hause ausziehen! Ich konnte mich nun entscheiden. Entweder auf der Straße zu leben, in eine Wohngemeinschaft zu ziehen oder das AbW. Ich habe mir gleich erklären lassen, was das AbW ist, denn ich hatte vorher noch nie davon gehört. Als sie mir dann sagten, dass mir eine Wohnung zur Verfügung steht, wo man mindestens noch ein/e Mitbewohner/in hat und man von einer Betreuerin betreut wird (das natürlich nicht die ganze Zeit, sondern nur 1 – 2 mal in der Woche), glänzten mir schon die Augen. Das hat für mich sehr verlockend nach Freiheit geklungen. Dort musste ich hinein kommen!

Aber so einfach ist es nicht, da rein zu kommen. Zuerst muss man eine Bewerbung schreiben und angeben, was für Ziele man hat, wenn man im AbW wohnt. Als ich endlich aufgenommen wurde, war ich super glücklich, in der Freiheit zu sein.

Ich ging jeden Tag fort, warf das Geld zum Fenster hinaus und Aufräumen, das habe ich gar nicht gekannt! Doch das ging dann doch nicht! Ich habe „Riesen“– Ärger mit meiner Betreuerin bekommen und wäre sogar fast in die Wohngemeinschaft gekommen. Ich musste meiner Betreuerin versprechen, dass ich mich gewaltig bessere! Sie gab mir eine zweite Chance, doch ich nahm es nicht so ernst, und machte gleich weiter wie vorher. Da ich einfach nicht glauben wollte, dass es immer Pflichten im Leben gibt, musste ich schlussendlich zum Chef vom AbW, der mir einen „Anschiss“ verpasst hat, der mich endlich zur Vernunft brachte.

Jetzt habe ich das Leben im Griff, dank meiner Betreuerin Gabi und dem AbW Chef Martin. Ich danke Euch! Denn wenn ich keine „dritte“ Chance bekommen hätte, wüsste ich nicht, was jetzt mit mir wäre!?! Könnt Ihr euch jetzt etwas unter dem Titel „du alleine schaffst es, aber du schaffst es nicht alleine“ vorstellen?

Nicole

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