11

Schulden machen – gar nicht so „cool“
Damit Jugendliche nicht in die Schuldenfalle tappen: Zwei Studenten entwickelten gemeinsam mit dem Institut für Sozialdienste und dem BORG Lauterach ein interaktives CD-Rom-Spiel

Die Konsumgesellschaft drängt bereits Kinder und Jugendliche immer mehr in die drohende Schuldenfalle. Das Leben auf Pump beginnt immer früher. Bereits Jugendliche sind zum Teil mit relativ hohen Beträgen verschuldet. Um jungen Menschen den richtigen Umgang mit Geld in spielerischer Weise zu zeigen, entwickelten die beiden FH-Studenten Gerhard Köhle und Alexander Fritsch gemeinsam mit dem Institut für Sozialdienste (IfS) und dem BORG Lauterach ein interaktives CD-Rom-Spiel. Die Idee: Kids und Jugendliche sollen frühzeitig auf die Schuldenproblematik aufmerksam gemacht werden.

Der „coole Jeff“ ist ein spaßiger Typ, der sich gegenüber seinen Freunden
gerne großzügig zeigt. Denn schließlich sind ihm seine Freunde schon etwas wert. Bei einem Discobesuch am Wochenende gibt er schon einmal locker einen Tausender aus. Auch „Hans Sorglos“ gibt sich gerne „cool“ – in einem Sportshop hat er ein neues „megageiles“ Snowboard entdeckt. Kostenpunkt: 7.000 Schilling. Die notwendige „Kohle“ besorgt er sich bei der Bank – er überzieht einfach sein Konto, zahlt dafür 12 Prozent Zinsen. Und „Hans Sorglos“ scheint zudem noch ein „Hans im Glück“ zu sein. Sein Freund bietet ihm an, in einer Bar als Kellner zu arbeiten. Da verdient er locker 15.000 Schilling im Monat – allerdings muss er dafür seine Lehre als Lithograph aufgeben. Macht nichts – als Lehrling verdient er ohnehin nur 3.000 Schilling. Doch der „Zufallsfaktor“ will es, dass „Hans Sorglos“ nach nur drei Monaten seinen Job als Kellner verliert ... Der „coole Jeff“ und „Hans Sorglos“ sind nur zwei der virtuellen Figuren, die beim Schuldenspiel die Hauptrolle spielen.

Schüler müssen Entscheidungen treffen
Entwickelt wurde das CD-Rom-Spiel von den beiden Fachhochschul-Studenten Gerhard Köhle und Alexander Fritsch. Auch die Schuldenberatung des IfS und das BORG Lauterach beteiligten sich an dem Projekt. „Das interaktive Spiel soll die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Schulden gewährleisten“, erklären die Projektleiter die Idee. Denn die Praxis zeigt, dass sich immer mehr junge Menschen verschulden.

Am BORG Lauterach wurden die konkreten Situationen des Spieles unter der Leitung von Fachlehrer Erik Reinhard visualisiert. Zu Beginn erhält der Spieler die Möglichkeit, einen von vier unterschiedlichen Charakteren zu wählen. Durch die Charaktere werden verschiedene Eigenschaften beeinflusst, die sich im Spielverlauf durch diverse Situationen ergeben. So muss der Spieler beispielsweise in einer Bank, im Modegeschäft oder im Freizeitzentrum bestimmte Entscheidungen treffen, die sich wiederum auf Image, Spaßfaktor, Kredit und Geld auswirken. Durch raffinierte Fragestellungen wird man in den verschiedenen Situationen dazu aufgefordert, wohl überlegt zu handeln und sich zu entscheiden. Hat man sich durch 12 Runden geklickt, erhält man eine Auswertung und ein Ergebnis.

Schulden hat man bald angehäuft
Der „coole Jeff“ oder „Hans Sorglos“ mussten schlussendlich die Erfahrung machen, wie schnell man einen Berg Schulden angehäuft hat – und dass Schulden machen eigentlich gar nicht so „cool“ ist. Wie gut, dass diese Erkenntnis nicht in der Realität, sondern im virtuellen Spiel gemacht werden kann. Das interaktive CD-Rom-Spiel kann schon bald bei der IfS-Schuldenberatung bestellt werden.

Dietmar Hofer, Das kleine Blatt, März 2000
nächste Seite zurück