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Psychotherapie in Vorarlberg
Die Darstellung, mit der der Vorarlberger Landesverband für Psychotherapie (VLP) kürzlich an die Öffentlichkeit getreten ist, um mitzuteilen, dass er „keine Ruhe geben“ möchte, bedarf einiger Ergänzungen, damit sich nicht unmittelbar am Konflikt beteiligte Leser ein Bild über die Situation der Psychotherapie in Vorarlberg machen können:

1. Der VLP vertritt knapp 50 % der in Vorarlberg approbierten Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen. Daraus darf man nicht den Schluss ziehen, dass die anderen 50 %, die sich nicht zu Wort melden, die Ziele und die Politik des VLP unterstützen! Erst kürzlich hat sich eine Gruppe von über 30 Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in einer Resolution, die u. a. an Landesrat Dr. Bischof und an den Direktor und den Obmann der VGKK gerichtet war, für die Beibehaltung des „Vorarlberger Modells“ ausgesprochen.

2. Das „Vorarlberger Modell“, das europaweit hohes Ansehen genießt, sieht folgendermaßen aus: Psychotherapie wird landesweit über die Beratungsdienste des „Institut für Sozialdienste“ und über die Praxisgruppen der „Psychosozialen Gesundheitsdienste“ für alle Altersgruppen angeboten. Daneben gibt es über das Land verteilt eine Reihe von niedergelassenen Kollegen und Kolleginnen, bei denen eine Abrechnungsmöglichkeit mit dem Land besteht. Richtig ist, dass in dieses System nicht alle approbierten Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen eingebunden sind. Dieses System hat sich über einen Zeitraum von fast 20 Jahren entwickelt und bis heute gut bewährt. Die Finanzierung der Kosten erfolgt in drei Teilen: Land, VGKK und Eigenbeteiligung. Die Abwicklung der Verrechnung ist einfach und unbürokratisch, was für alle Beteiligten Vorteile bietet: Die Geldgeber sparen sich einen hohen Verwaltungsaufwand, die Klienten kommen schnell und unmittelbar zu der Hilfe, die sie brauchen, und sie genießen einen hohen Vertraulichkeitsschutz. Die Eigenbeteiligung ist so geregelt, dass jeder die Möglichkeit hat, soviel zu den Kosten beizutragen, wie es seine finanzielle Situation erlaubt. Der große Vorteil dieses Konzepts von Psychotherapie besteht darin, dass Psychotherapie nicht nur in der Behandlung von „krankheitswertigen Störungen“ angewendet werden kann, sondern auch im Bereich der Prävention, das heißt aufgrund eines modernen Gesundheitsbegriffs und nicht aufgrund eines „defizitorientierten“ Krankheitsbegriffs.

3. Die Psychotherapie ist dezentral organisiert und es besteht freie Therapeutenwahl. Die Feststellung des VLP, es bestehe keine freie Therapeutenwahl und lange Wartezeiten bei Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche und ältere Menschen, hält einer Überprüfung nicht Stand. Uns ist keine Organisationsform bekannt, die in der Lage wäre, finanziell alle Ansprüche zu erfüllen und zu garantieren, dass es nicht phasenweise zu Wartezeiten kommen kann.

4. Es wundert uns, dass der VLP unverdrossen an dem Phantasma einer grundsätzlich kostenlosen Psychotherapie für alle und an der Illusion einer Verrechnungsmöglichkeit für alle Psychotherapeuten festhält. Es ist den jungen Kollegen gegenüber nicht fair und es ist politisch naiv in einer Zeit, wo die Frage der Finanzierung der Kosten des Sozialstaats auf dem Spiel steht. Jedes Finanzierungssystem wird Begrenzungen machen müssen. Es ist für uns auch nicht nachvollziehbar, wie der VLP an einer Politik festhalten kann, der vor wenigen Wochen sowohl vom Bundesverband der Psychotherapeuten als auch vom Hauptverband der Sozialversicherungsvertreter eine Absage erteilt wurde. Die vollständige Integration der Psychotherapie in das System der Krankenkassen ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Für Vorarlberg wäre das ein fataler Rückschritt.

Dr. Michael Schmid, Leiter der IfS-Beratungsstelle Dornbirn und Dr. Ruth Rüdisser, Leiterin der IfS-Beratungsstelle Bregenz
Symposium

Kindheit und Trauma – Ist verwundetes Leben heilbar?

12. – 15. Oktober 2000 Bildungshaus Batschuns/Vorarlberg eine Initiative des Vereins Welt der Kinder, in Zusammenarbeit mit dem Bildungshaus Batschuns, und mit Unterstützung des Institut für Sozialdienste, der Caritas der Diözese Feldkirch, des SOS-Kinderdorfs und des Vorarlberger Kinderdorfs.

Das Symposium gliedert sich in vier Tage. In der Abfolge trägt jeder dieser Tage seinen eigenen Schwerpunkt.

• Kindheit und Trauma (die Entwicklung des Traumabegriffes)
• Gewalt in der Familie (versus Gewalt aus der Gesellschaft)
• Das Kind und der Krieg
• Die Last des Schweigens (Kinder von Tätern, Kinder von Opfern)

Die Hauptreferate finden an den jeweiligen Vormittagen statt. (Die fremdsprachlich gehaltenen Referate werden in die deutsche Sprache übersetzt.)

Weitere Informationen zum Verein „Welt der Kinder“:
Anton-Schneider-Str. 28, 6900 Bregenz, E-mail: carmen.feuchtner@bhba.vol.at, Telefon: 0664/2220131

Anmeldung: Bildungshaus Batschuns, Kapf 1, 6830 Batschuns, Telefon: 05522/44290-0
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