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10 Jahre psychologische Beratung
für Kindergärten

Das Kind als „Wanderer“ zwischen den Welten „Familie und Kindergarten“ wird beim Übergang in diese Welten vor neue Aufgaben gestellt, die am Anfang für alle Kinder schwer zu lösen sind und neue Verhaltensweisen verlangen. Das Kind muss einen Wechsel der erwachsenen Bezugspersonen vollziehen und sich auf eine Vielfalt von Kindern seiner Gruppe einstellen. Ablösung, Integration in die Gruppe, Positionsbestimmung in der Gruppe, Geschlechtsidentität als auch Generationsunterschiede erkennen und akzeptieren, das sind wesentliche Entwicklungsschritte des Kindergartenkindes.

Mädchen und Buben setzen sich im Kindergartenalter auf der „symbolischen Ebene“ und unter starker Gefühlsbeteiligung mit Entwicklungskrisen und ihren familiären Beziehungsproblemen auseinander. KindergärtnerInnen sind mit vielen Beziehungskonflikten in der Zusammenarbeit mit Eltern und MitarbeiterInnen konfrontiert. Durch die Betreuung einer Vielzahl von kleinen Kindern kann die anhaltende emotionale Überflutung zu Überforderungen führen. Kindergärtnerinnen sind mit Aufgaben konfrontiert, die sie im Alleingang teilweise nicht mehr lösen können. Kooperationsprozesse zwischen Kindergarten und der psychologischen Beratung haben sich in den letzten 10 Jahren als qualifizierter Lösungsansatz herausgestellt. Verhaltens- und Beziehungsprobleme von Kindern können häufig noch im Stadium ihres Entstehens beobachtet werden. Neben der Familie ist der Kindergarten die erste öffentliche Institution, in der es bei kindgerechten Rahmenbedingungen möglich ist, Verhaltens- und Beziehungsproblemen vorzubeugen. Dies entspricht unserem Konzept von Prävention. Die psychologische Beratung erreicht hier Kinder und deren Eltern, bevor diese später in einem weiteren Stadium unbewältigter Konflikte die Erziehungsberatung aufsuchen.

Arbeitsschwerpunkte der psychologischen Beratung für Kindergärten

Die Zusammenarbeit mit den KindergärtnerInnen beginnt über Einzelfälle, welche die KindergärtnerInnen telefonisch bei uns direkt anmelden. Durch die Einrichtung der psychologischen Beratung gibt es an jeder IfS-Beratungsstelle eine sofortige Ansprechpartnerin (PsychologInnen), ohne Wartezeiten. Die Direktbeobachtung im Kindergarten hat sich als wertvolle Möglichkeit bewährt, die Wirklichkeit des Kindes in der Gruppe näher kennen zu lernen. So werden in den Auswertungsgesprächen wichtige Beobachtungen über folgende Punkte besprochen: das Kind und seine Beziehungen zur Kindergruppe, zum Kindergarten und zur Familie. In diesem gemeinsamen Such- und Entscheidungsprozess zwischen KindergärtnerIn und PsychologIn wird möglichen Ursachen der kindlichen Symptomatik nachgegangen. Durch Fragen der PsychologIn (der Dritten) kann die Problemstellung neu reflektiert werden. Damit wird möglichen Ursachen der kindlichen Symptomatik nachgegangen.

Distanz ist wichtig

• Distanz bedeutet frei zu werden von gefühlsmäßiger Voreingenommenheit gegenüber bestimmten Verhaltensweisen von Kindern und deren familiären Problemlagen.
• Distanz heißt einen Rahmen zu schaffen, in dem verantwortungsbewusstes Handeln möglich wird.
• Distanz bietet Schutz vor überhöhten Anforderungen.
• Distanz fördert die Entwicklung der individuellen Autonomie aller Beteiligten.

Zusätzliche Angebote in den letzten 10 Jahren:

• Diverse Fortbildungsangebote
für KindergärtnerInnen
• Zusammenarbeit mit der
Bildungsanstalt für Kinder-
gartenpädagogik
• LeiterInnentagungen
• Malprojekt

Anmeldegründe:
Trennungsängste, Aggressivität,
Rückzug, Sexueller Missbrauch,
Einnässen, Einkoten, Verwahrlosung,
Integration ausländischer Kinder,
Entwicklungsverzögerungen
Wir sind immer wieder beeindruckt über das hohe Maß an Informationen, das KindergärtnerInnen über Kinder und deren Familien bereits gesammelt haben. Dies zeigt das hohe Engagement für das e
inzelne Kind. In der langjährigen Zusammenarbeit mit KindergärtnerInnen wurde deutlich, dass die Aufarbeitung von Verhaltens- und Beziehungsproblemen bei Vorschulkindern vorrangig eine Beziehungsproblematik auf Seiten der Erwachsenen zum Vorschein bringt. Das Kind kann als Symptomträger gesehen werden. Unsere Erfolge zeigen, dass der Kindergarten bei entsprechender Unterstützung über die Fähigkeit verfügt, auch Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten zu integrieren. Stigmatisierung und Aussonderung von Kindern aus ihrem Lebenszusammenhang können somit weitgehend verhindert werden. Die psychosoziale und gesellschaftliche Relevanz des Kindergartens, seine Aufgabe der Förderung von Kindern, Unterstützung in krisenhaften Entwicklungsphasen und bei problembeladenen familiären Beziehungsstrukturen sind kaum zu unterschätzen. Der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen PädagogInnen, PsychologInnen und PsychotherapeutInnen, Kindergarten und dem Institut für Sozialdienste kommt eine große Bedeutung zu, wenn es um die Beratung und Aufarbeitung bestehender Beziehungsprobleme geht. Unsere Beobachtungen zeigen, dass viele KindergärtnerInnen sich erst dann melden, wenn alle pädagogischen Mittel versagen. Zum zehnjährigen Jubiläum wünschen wir uns, dass KindergärtnerInnen sich frühzeitiger an uns wenden.

Mag. Elfriede Kritzerund Dipl.-Psych. Brunhilde Reichl,
beide Dipl. Psychologinnen

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