Umfrage:

Eifersucht - Der (die) Dritte im Bunde,

so lautet unser Schwerpunktthema in dieser IfS-Zeitung.Was meinen betroffene Frauen und Männer zu diesem Thema? Einige Meinungen veröffentlichen wir, die Auswahl ist natürlich nicht repräsentativ, einen Teil der Aussagen haben wir der Zeitschrift "Kommunikation und Begegnung" (Zürich) entnommen. Natürlich sind die Aussagen anonym. Wir zählen auf respektvolle und nachdenkliche (und möglichst wenig urteilssüchtige) LeserInnen.


"...verursacht sehr starke Verlustschmerzen"

(Mann, 40 bis 50, allein lebend, früher zusammen mit Freundin und Kindern)

Auf die Frage entscheide ich mich reflexartig rasch für eine geschlossene Zweierbeziehung. Hinter dieser Hast stecken schmerzhafte Erfahrungen aus der vergangenen Beziehung, welche eine Weile "offen" lief. Mir ist mulmig zumute. Auf eine Zweierbeziehung bezogen ist mir geschlossen eindeutig lieber als offen. Hier verstehe ich geschlossen vorwiegend im angenehmen Sinn: vertraulich, geborgen, intim.


"... ich mußte mir die Freiheit nehmen ..."

(Frau, 35-40, mit Partner und Kindern)

In meiner jetzigen Beziehung wünsche ich mir eher eine offene Zweierbeziehung. Doch kann ich diese Frage nicht einfach so beantworten, da ich mir gut vorstellen kann, daß die Beziehung je nach Partner offener oder geschlossener sein könnte. Bei "geschlossenen" fällt mir spontan ein: einerseits geborgen, intim, umfangen, andererseits eingekreist ohne Weg/Öffnung nach außen; bei "offenen" bin ich aufnahmefähig, kann ich mich entwickeln.


Ich denke nicht im Traum daran, ihn zu betrügen

(Frau, Mutter von drei Kindern)

Mein Mann ist eifersüchtig. Auf die Abende, die ich alleine außer Haus, bei Elternabenden, Vereinen oder bei Kursen verbringe. Er sieht und/oder sucht hinter jeder Veranstaltung eine Person, die mich ihm wegnehmen könnte. "Es gibt doch Gymnastikkurse nur für Frauen! Warum gehst du in die gemischte Turngruppe? Warum schminkst du dich? Wegen einem bestimmten Mann? Warum kommst du so spät nach Hause, der Kurs endete doch viel früher? War es schön mit ihm? Gib' zu, daß du einen anderen hast?" Und so weiter .... Die Vorwürfe ignorieren: Sie verschweigt etwas! Ich habe recht! Auf eine Diskussion einlassen, wirft neue Fragen auf: Warum rechtfertigt sie sich? Steckt doch mehr dahinter? Ich hab's ja schon immer gewußt! Hinterherspionieren und Tachokontrolle waren auch schon auf der Tagesordnung. Dabei denke ich im Traum nicht daran, ihn zu betrügen. Schon der Gedanke an Heimlichkeiten, Verstecken, Lügen, mich nicht zu verquatschen, geschweige denn nicht erwischen zu lassen, ist für mich mit soviel Energie verbunden, diese Kraft nutze ich anderweitig. Das Traurige an solchen Eifersuchtsszenen ist sein mangelndes Vertrauen zu mir. Das gibt mir sehr viel zu denken. Denn er hat mein vollstes Vertrauen - bei all' seinen Unternehmungen.

Er hat seine Eifersucht. Ich versuche, ihn zu verstehen und werde damit fertig. Aber ab und zu denke ich, außer Spesen nichts gewesen .....


Ist Eifersucht eine weibliche Untugend?

(Mann, seit 3 Jahren verheiratet, 1 Kind)

Eifersucht, die kenne ich nicht. Aber meine Frau. Ich weiß nicht, wie ich mit ihr umgehen soll (mit der Eifersucht meiner Frau). Dabei weiß ich fast sicher, daß ich eigentlich mehr Grund hätte, auf meine Frau eifersüchtig zu sein. Ich weiß nicht, ob dies von der Tendenz her nicht doch eher eine weibliche Untugend ist. Andererseits weiß ich, daß ein Kollege von mir fast vor Eifersucht gegenüber seiner Freundin "stirbt". Er macht sich selbst fast kaputt.

Ich glaube, daß es meistens mit der eignen Ausprägung der Persönlichkeit zusammenhängt. Die extrem bis krankhaften Eifersüchtigen sollten vor allem bei sich selbst anfangen, zu suchen, warum sie so sind. Jedenfalls macht es den einen Teil der Partnerschaft völlig hilflos und fast ohnmächtig.


Offenheit mit Grenzen

(Mann, 54 Jahre, verheiratet seit ca. 30 Jahren)

Auf den Punkt gebracht: Ich glaube, daß wir beide uns gegenseitig viel Freiheit und Vertrauen geben. Dazu gehören auch klare Grenzen.

Entscheidend in unserer Beziehung ist jedoch das Vertrauen, daß wir in unseren Freizeitaktivitäten (Sport, Vereine, etc.) uns völlig frei bewegen können und schon rein zeitlich eine große gegenseitige Toleranz haben. Offen ja, aber in Grenzen!

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