"Zahlväter" - ein Erfahrungsbericht

von Klaus Dünser und Dr. Peter Lissy

"Den Spaß haben sie gehabt, nun sollen sie auch zahlen!" - Mit diesen provokanten Worten eröffnete ORF-Redakteur Platter das Aktuelle Thema "Zahlväter" am 19.11.1996.

Das Publikumsecho war groß, die AnruferInnen äußerten sich, wie zu erwarten, sehr kontrovers zu diesem Thema.Klaus Dünser, Leiter der IfS-Beratungsstelle Feldkirch und Initiator der Gruppe "Zahlväter", und Dr. Peter Lissy, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut, freuten sich über das rege Interesse, wenngleich es nicht möglich war, auf alle Anrufe detailliert einzugehen. Immerhin, das Thema "Väter nach Scheidung" ist in der Öffentlichkeit präsent.

Was war der Ausgangspunkt?

Die Fakten: Ca. ein Drittel der Ehen in Österreich werden geschieden, in Vorarlberg sind dies 700 bis 800 Ehen pro Jahr. In neun von zehn Scheidungen kommen die Kinder zur Mutter. Das österreichische Recht sieht nach einer Scheidung die Möglichkeit einer gemeinsamen Obsorge nicht vor, in der Regel heißt dies, daß nach einer Scheidung das Obsorgerecht, die Obsorgepflicht, der Mutter allein zukommt. Die langfristigen Folgen dieser radikal veränderten innerfamiliären Beziehungen sind für Kinder, Mütter und Väter frustrierend.

Unsere Überlegungen:

Wir glauben, daß Männer unter Scheidung stärker leiden als offen wahrgenommen wird. Wir glauben, daß zu häufig Scheidungssituationen nach einem einfachen Opfer-Täter Modell beurteilt werden, wobei den Männern häufiger die Täterrolle zugeschrieben wird. Wir glauben, daß Scheidung auch für Männer kränkender ist, als gesehen oder ausgesprochen wird. Wir wissen aus unserer Beratungspraxis, daß nur ein Viertel der Ratsuchenden Männer sind. In der Regel wird von Männern Beratung unmittelbar zur Bewältigung der Scheidung gesucht, und weniger, um langfristige Folgen zu bearbeiten. Wir sind aber überzeugt, daß Männer genauso offen wie Frauen über ihre Situation reden können, wenn ihnen ein Rahmen zur Verfügung gestellt wird, der dies in einer vertrauensvollen Atmosphäre ermöglicht.

Gruppe: "Zahlväter"

Dies gab den Anstoß für unser Gruppenangebot. Ziele der vorerst fünf Gruppenabende sollten sein: Erfahrungen austauschen, Rechtsinformation bieten, Selbsthilfepotentiale fördern, konstruktive Dialoge üben, das Kind/die Kinder besser verstehen lernen, die begrenzte Vaterrolle mit neuem Sinn füllen können.

Erfahrungen aus den drei bisher gehaltenen Gruppenabenden:

Am ersten Abend ging es hauptsächlich um Kennenlernen und Erzählen der persönlichen Lebenssituation, der Motivationen, die die Einzelnen in diese Gruppe brachten, und der Sammlung und Sichtung der Anliegen.

Der zweite Abend war dem Schwerpunkt "Recht" gewidmet. Es ging um Alimentezahlungen, Obsorge- und Besuchsrecht:

"Was steht mir zu?"

"Was kann ich tun?"

"Was habe ich für Möglichkeiten?"

Uns war allerdings wichtig, nicht nur Rechtsberatung zu geben, sondern die menschlichen Bezüge zwischen Kindern, Vätern und Müttern herzustellen, und das Rechtliche in die persönliche Lebenssituation einzubetten.

Am dritten Abend ging es um das Thema "Kinder". Wichtigste Erfahrung war für uns: Solange die Konflikte zwischen den geschiedenen Paaren weitergehen und noch nicht abgeschlossen sind, sind meistens die Kinder die Leidtragenden, da die einstigen Paarkonflikte nun über die Kinder abgewickelt werden. Der gesunde Kontakt und die Beziehung zu den Kindern ist dadurch erschwert und oftmals gefährdet.

Aus dieser Erkenntnis heraus plant die Gruppe für den nächsten Abend das Thema "Trennung und Konfliktbearbeitung" als Schwerpunkt.

Wie soll es weitergehen?

Mögliche Ziele:

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