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1 Jahr Bubengruppe in de IfS-Familienarbeit
Ohne Mayo kein Leben…
... ohne Ketchup völlig daneben, nur der feine Herr aus Genf, spritzt auf seine Würstchen Senf.“ So lautet der Text eines im abgelaufenen Gruppenjahr entstandenen Liedes, das – musikalisch angesiedelt zwischen Volksmusik und Rap, je nach Befindlichkeit der Sänger – natürlich ziemlicher Blödsinn ist. Aber trotzdem Spaß macht. Und auch ein wenig vom Lebensgefühl „unserer“ Buben wiedergibt.

2002 fiel innerhalb der IfS-Familienarbeit die Entscheidung, die bis dahin gemischtgeschlechtlich geführte sozialpädagogische Jugendgruppe geschlechtsspezifisch zu trennen und somit eine reine Buben- bzw. Mädchengruppe zu installieren. Als Zielgruppe für die Bubengruppe definierten wir männliche Jugendliche im Alter von 10 – 14 Jahren, die sich in einem schwierigen, oft anregungsarmen familiären Milieu befinden, wenig männliche Identifikationsmöglichkeiten (fehlende bzw. problematische Beziehungen zu Stief-/Vätern) haben und kaum Zugang zu geeigneten Freizeitmöglichkeiten in ihrem Lebensraum vorfinden. Sie sollten in diesem Jahr verschiedene – z.T. jungenspezifische und ungewohnte – Freizeitangebote kennen lernen, mehr soziale Kompetenz und Wertschätzung erlangen sowie ein positiveres Männerbild gewinnen. Zudem sollten die häufig recht schwierigen familiären Systeme – zumindest kurzfristig – entlastet werden.

Handy:

Kinder und Jugendliche
wollen (mit)reden

Für Peter Kopf von der IfS-Schuldenberatung ist das Handy für manche Kinder und Jugendliche ein ernsthafter Budgetkiller. Viele würden durch den unkontrollierten Handy-Konsum in die Schuldenfalle tappen. Handykosten, die 50 bis 60 Prozent der Lehrlingsentschädigung oder des Taschengeldes „auffressen“, sind keine Seltenheit. Da Kinder und Jugendliche häufig einen anderen, unkomplizierteren Umgang mit dem Telefon haben als ihre Eltern, kommt es nicht selten zu Konflikten über den „richtigen“ (sprich sparsamen) Umgang mit diesem Kommunikationsmittel. Um über den richtigen Umgang mit Geld und damit auch mit dem Handy aufzuklären, bietet die IfS-Schuldenberatung Workshops und Vorträge in Schulen, Jugendorganisationen, in Lehrbetrieben sowie Einrichtungen des AMS an.

IfS-Schuldenberatung
Mehrerauerstraße 3
6900 Bregenz
T 05574/46185-0

Schießstätte 14, 6800 Feldkirch
T 05522/75902-0
Wir führten die Gruppe als geschlossene Gruppe für die Dauer von einem Jahr. In diesem Zeitraum fanden 12 Einzeltage, 2 Wochenenden (auf der Tschengla bzw. in einem Kloster) sowie eine Sommerwoche im Bregenzerwald statt. Wir gingen mit den Buben reiten, klettern und Armbrust schießen, machten Schluchtenwanderungen, schnitzten Kürbisse, erfanden Gruselgeschichten und ließen sie diese nachts im Wald inszenieren, besuchten das Technorama in Winterthur, arbeiteten kreativ mit Mitgliedern von Kunst.Vorarlberg, besuchten die Jugenddisco, gingen baden u.v.m. Häufig, wenn wir draußen in der Natur waren, machten wir ein Lagerfeuer, saßen zusammen, grillten Würstchen, redeten, hörten ihnen zu, wenn sie von sich erzählten, Fragen stellten. Und über was wird wohl geredet, wenn Männer zusammensitzen? Klar, Sex. Und zwar ohne Vorspiel. Beim Abwaschen, Essen, Laufen, wenn es dunkel wird – meistens kommt das Thema plötzlich und ohne erkennbare Überleitung. Wie sie Sexualität erleben, bei anderen beobachten, mit ihrer eigenen nur schwer zu Recht kommen. Und wie grob sie großteils damit umgehen. Der Sprachgebrauch ist derb und verletzend, die spärlichen Kontakte zu Mädchen, die wir beobachten konnten, entweder schüchtern und sprachlos oder aber distanzlos und übergriffig. Beides hilflos und überfordert.

Keine Ahnung, was wir in diesem Jahr alles (nicht) erreicht haben. Auf was wir aber großen Wert gelegt haben, war die Beziehung zu den Buben, das im Kontakt-Sein und die Auseinandersetzung mit ihnen. Grenzen zu setzen und um Regeln zu raufen. Der Versuch, ihren Bildern unsere entgegenzustellen, uns als Männer erfahrbar und angreifbar zu machen und dadurch ihr Männerbild zu erweitern. Zugang zu ihrer Gefühlswelt zu finden und ein wenig an der harten Schale zu kratzen.

Dies alles war auch für uns ein Stück Neuland, Ungewissheit und damit wohl auch Angst. Vieles ist erstaunlicherweise auf Anhieb gut gelaufen, vieles lernten wir von und über unsere Jugendlichen und so manches ging halt einfach in die Hose. Aber Inkontinenz ist ja bekanntlich kein reines Männerproblem und so stecken wir bereits wieder voller Zuversicht in den Vorbereitungen für die Bubengruppe 2003/ 04.

Stefan Fend, IfS-Familienarbeit Bludenz.


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