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Vorwort von IfS-Geschäftsführer Dr. Stefan Allgäuer
Hinter Arbeitslosenzahlen stehen Menschen
Seit Jahren – wir haben uns daran gewöhnt – vernehmen wir jeden Monat die Berichte, in denen über die aktuellen und meist steigenden Arbeitslosenzahlen informiert wird. Und dies europaweit.

Zahlen allein – so wichtig und dramatisch richtig sie auch sein mögen – verführen dazu, dass wir diese ohnmächtig zur Kenntnis nehmen, ähnlich wie die steigenden Benzinpreise, sinkende Zinsen, fallende Aktienkurse oder z.B. den sommerlichen Ozonwert. Wir schimpfen vielleicht oder machen eine besorgte Bemerkung, und akzeptieren sie damit.

Hinter den „nackten“ Arbeitslosenzahlen verbergen sich jedoch nicht „nur“ Mengen sondern immer konkrete Menschen, konkrete Schicksale, individuelle Lebensgeschichten. Und immer sind Partner, Kinder, Eltern usw. aus dem unmittelbaren Lebenskontext mit von Arbeitslosigkeit und deren Folgen betroffen.

Auch in den verschiedenen Arbeitsfeldern im IfS kommt Arbeitslosigkeit und deren Folgen immer häufiger vor. Direkt, wo Arbeitslosigkeit z.B. zu existentieller Gefährdung führt , wo sie Partnerschaft und Familie überbelastet oder etwa wo sie an den Rand oder zum Zusammenbruch der Identität und der Integrität von Menschen führt.
Indirekt, wo Partner, Kinder oder Eltern unter dem „Los“ der Arbeitslosigkeit eines Angehörigen leiden. Die psychischen Folgen für die Betroffenen und deren Umfeld sind häufig massiver, langfristiger und dramatischer. Das verschämte Verstecken und Verschweigen der Tatsache der Arbeitslosigkeit bzw. der Probleme damit macht die Situation noch riskanter.

Ich möchte an dieser Stelle nicht nach Ursachen forschen. Sie sind bekannt, oft wenig steuer- und nur längerfristig nachhaltig beeinflussbar. Maßnahmen, die Arbeit schaffen erfordern das Zusammenwirken aller – von Politik, Wirtschaft, der Gesellschaft und den Institutionen des (erweiterten) Arbeitsmarktes. In den Institutionen des „erweiterten Arbeitsmarktes“ sind in den vergangenen Jahren eine Reihe interessanter Initiativen entstanden. Jetzt ist es an der Zeit, hier die Synergien zu verstärken und die Energien zu bündeln. Dafür gibt es gute und konkrete Ansätze bei uns in Vorarlberg in der verstärkten und verbindlichen Zusammenarbeit zwischen den Trägern, in der Zusammenlegung von Anbietern und in der strategischen Kooperation. In diesem Sinne ist auch die Gründung der eVORIS GmbH zu sehen, einer Initiative von ABF, Caritas, IfS und Lebenshilfe. Wir alle beschäftigen uns in unterschiedlichsten Formen und Feldern mit dem „Arbeitsmarkt für Benachteiligte“ und den Folgen von Arbeitslosigkeit von „Benachteiligten“. Und in der eVORIS GmbH versuchen wir, unsere Tätigkeitsschwerpunkte in diesem Feld abzustimmen, Konzepte gemeinsam zu entwickeln und einen gemeinsamen konstruktiven Beitrag dazu zu leisten, dieses System als Ganzes weiter zu entwickeln und zu optimieren.

Arbeit hat in unserer Gesellschaft und in unserer Zeit viele Funktionen: sie sichert die Existenz und sichert auch zukünftige Lebensrisiken ab, sie stiftet Identität und definiert den sozialen Status, sie strukturiert die Tages- und Lebenszeit, sie ist ein Weg zu sozialer Integration, sie fordert und fördert Lernen und Entwicklung u.v.m. Es genügt deshalb nicht, Arbeitslosigkeit auf das Fehlen von Einkommen zu reduzieren. Arbeitslosigkeit bringt höchste Risiken mit sich – persönliche, wirtschaftliche, soziale. Und: Arbeitslosigkeit ist meist nicht die Folge von persönlichem Versagen sondern die Auswirkung von wirtschaftlichen, strukturbedingten Entwicklungen und Veränderungen.

Entwicklung und Veränderung, das beinhaltet immer wieder neue Möglichkeiten und Chancen: Das Problem, dass – abhängig von Zeit und Ort – nicht genügend (bezahlte) Arbeit für alle angeboten werden kann, gibt es offensichtlich - obwohl es mir schwer fällt, das einzusehen. Angesichts der vielen gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben, die es noch zu tun gäbe. Wenn aber Arbeit gleich bedeutend ist mit einer höheren Chance auf soziale Integration, dann müssen wir alles daran setzen, dass das Fehlen einer Arbeit nicht gleich bedeutend ist mit sozialer Ausgrenzung. Nicht „nur“ im Sinne derer, die keine (bezahlte) Arbeit haben. Sondern im Sinne von uns allen.

Dr. Stefan Allgäuer
IfS-Geschäftsführer
allgaeuer.stefan@ifs.at

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