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Vorwort von IfS-Geschäftsführer Dr. Stefan Allgäuer
Manfred Dörler – ein Pionier
Am 15.7.2004 ist – für die meisten unerwartet und plötzlich – Manfred Dörler verstorben. Manfred Dörler war von 1977 bis 1997 Geschäftsführer des Institut für Sozialdienste. Seit 1997 war er Mitglied des IfS-Präsidiums und der Generalversammlung der IfS-GmbH.

Manfred Dörler kam 1977 zum IfS – ein Betrieb mit damals 20 MitarbeiterInnen. Dieser Berufswechsel von Manfred Dörler ist auch im Nachhinein noch bemerkenswert deswegen, weil er eine sehr gute Arbeitsstelle in der Industrie (Prokurist in einer Kranbaufirma) verlassen hat, um diese IfS – Aufgabe zu übernehmen.

Ich denke, er hat schon damals die Entwicklungspotentiale dieser „Branche“ gespürt und es hat ihn gereizt, hier etwas aufzubauen, das den Menschen und dem Land Vorarlberg dient. Seine Mitarbeiter in dieser Zeit waren u.a. Elisabeth Heinzle, Hedwig Gmeiner, (gestorben 1994), Sepp Büsel (gestorben 1999), Rita Halmer, Erika Neumann, Michael Schmid.

Manfred Dörler war ein sozialer Pionier. Er wusste, dass Solidarität mit den Schwächeren und sozialer Ausgleich die Voraussetzung für Frieden und Wohlstand in einer Gesellschaft ist. Manfred Dörler hat das konsequent umgesetzt, in dem er einen großen Teil seines Lebens und Wirkens in dieses Ziel – Solidarität wahrscheinlicher zu machen – investiert hat.

Er hat sich als Politiker für fairen Lebenschancen in vielfältigster Weise eingesetzt und in seiner Zeit als Geschäftsführer und Präsidiumsmitglied des Institut für Sozialdienste über 27 Jahre das soziale System in Vorarlberg geprägt, mit aufgebaut und ganz wesentlich gestaltet.

Unter seiner Führung hat sich „sein“ IfS entwickelt und – dem Bedarf und der Not entsprechend – soziale Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche, Familien, für Frauen in Not, für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen u.v.m. aufgebaut. Viele andere sozialen Initiativen in Vorarlberg sind unter seiner Mitwirkung entstanden oder gewachsen: etwa die Telefonseelsorge, die Akademie für Sozialarbeit, die Sozial- und Gemeinwesenarbeit – insbes. der Sozialsprengel Hard, dessen Obmann er bis zu seinem Tod war – das Projekt Integrierte Altenpflege Ludesch, das Jugendinformationszentrum AHA und vieles mehr.

Der innovative Weg und die Ergebnisse des „Vorarlberger Modells“ von Sozialen Dienstleistungen (dezentral, menschennah, bedarfsorientiert und präventiv) war und ist weit über Vorarlbergs Grenzen hinaus bekannt – und eigentlich müsste bei vielen sozialen Angeboten im Land drunter stehen: „designed by Manfred Dörler“. Beeindruckend ist aber nicht nur das, was Manfred Dörler initiiert und aufgebaut hat, sondern viel mehr noch das wie:

Seine Methode war es – wie bei den Pfadfindern gelernt – Menschen für eine Idee zu begeistern und unterschiedliche Personen für ein Ziel zusammen zu spannen.

Seine Fähigkeit war es, Menschen etwas zuzutrauen, sie zu fördern und ihnen Verantwortung zu geben. Er war fordernd und Vertrauen gebend zugleich und hat so viele Menschen in ihrem Leben und ihrer Entwicklung nachhaltig beeinflusst und geprägt.

Sein Überblick war es, der es ihm erlaubte, viele Seiten, auch widersprüchliche und gegensätzliche, sehen zu können und das Verbindende, das Starke auch im Gegensatz, im Konflikt zu ahnen. Diese Fähigkeit, mehrere Perspektiven sehen zu können und daraus Stärke zu schöpfen, hat ihn ausgezeichnet: als Kaufmann, der erfolgreich soziale Dienste entwickelt hat, als Sozialexperte, der erfolgreich in der Kommunal- und Landespolitik wirkte, als Regionalpolitiker, der in den letzten Jahren geschätzter Partner in ganz Europa wurde.

Seine Stärke war es, wie er mit Menschen in Kontakt kam und diesen gestaltete: aktiv und offen, immer interessant und interessiert, mit Humor und Optimismus, handlungsorientiert, tolerant und fair.

Seine „Schwäche“ war es schließlich, sich vom einzelnen Menschen, vom Schicksal und der Lebenssituation eines „Einzelfalls“ berühren zu lassen. Hier konnte er Ungerechtigkeiten, Ungereimtheiten, Bürokratismus und Formalismus nicht ausstehen.

Manfred Dörler hat seit den 70iger Jahren das soziale Gesicht des Landes, seines Landes Vorarlberg geprägt. Wir sind traurig über seinen Tod und gleichzeitig stolz darauf, ihn gehabt zu haben.

Er hinterlässt uns ein Erbe als Verpflichtung: Solidarität, sozialer Ausgleich, der Einsatz für die Schwächeren – dieses Versprechen müssen wir tagtäglich neu einlösen.

Dr. Stefan Allgäuer
IfS-Geschäftsführer
allgaeuer.stefan@ifs.at

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