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Freiwilliges soziales Jahr


Soziale Berufsorientierung in Vorarlberg. Ein Erfahrungsbericht von Elisabeth Studer

Mein Name ist Elisabeth Studer. Ich arbeite seit 1. Oktober 2004 in der IfS -FrauennotWohnung im Rahmen des sozialen Jahres. Die soziale Berufsorientierung ist ein Angebot der ARGE Vorarlberg und soll engagierten jungen Leuten die Möglichkeit geben, ein Jahr in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten. Ziel des sozialen Jahres ist es, einen umfassenden Überblick der Berufsfelder und Ausbildungsmöglichkeiten im sozialen Bereich zu geben. Einmal wöchentlich findet ein begleitender Kurs statt. Hier lernen wir Grundlagen der Sozialarbeit, der Heilpädagogik und der Altenpflege. Wir machen Exkursionen in verschiedene Schulen und können uns dort ausführlich über die Lerninhalte informieren.

Die Koordinatorin der sozialen Berufsorientierung, Frau Elisabeth Geser, hat alle Interessierten zuerst zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Je nach Interesse bekamen wir dann Adressen und Telefonnummern von unterschiedlichen sozialen Einrichtungen. Ich bekam u.a. die Telefonnummer der FrauennotWohnung und telefonierte mit der Leiterin, Frau Tanja Breuß. Die IfS-Frauennotwohnung ist eine Einrichtung für physisch und psychisch misshandelte Frauen und deren Kinder. Ziel der Arbeit ist es, Frauen Schutz und Zuflucht vor Misshandlungen zu geben und sie in ihrer schwierigen Lebenssituation zu beraten und zu unterstützen.

Frau Breuß lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Wir gingen gemeinsam in die Wohnung zu den Frauen und den Kindern. Ihr war es wichtig, mir alles vor Ort zu zeigen. Ich wusste bald, dass ich hier gerne mitarbeiten möchte und freute mich sehr, als mir die Stelle zugesagt wurde.

Bereits am ersten Tag begleitete ich eine misshandelte Asylantin zum Arzt. Ihre beiden Kinder, zwei und drei Jahre alt, waren sehr eingeschüchtert und wollten nicht von der Mutter getrennt sein. Es war eine große Herausforderung, mich um die zwei Kinder zu kümmern und ihnen das Gefühl zu geben in Sicherheit zu sein. Es ist oft schwierig eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, wenn sie nur wenige Tage bei uns wohnen. Wenn die Kinder länger bei uns sind, können wir häufig Fortschritte in ihrem Verhalten erkennen, was uns sehr freut und gleichzeitig motiviert. Viele Frauen und Kinder sprechen außerdem nicht unsere Sprache.

In der FrauennotWohnung wohnen kulturell ganz unterschiedlich geprägte Frauen miteinander. So wie die Bewohnerinnen habe auch ich viel Neues über andere Länder und Bräuche erfahren. Ich helfe vorwiegend in der Kinderbetreuung mit. Besonders die Kinder leiden sehr in ihrer Situation und brauchen deswegen viel Aufmerksamkeit und Liebe. Ich erledige auch administrative Arbeiten, begleite Frauen beim Arztbesuch oder zu Behörden, mache Botengänge und andere notwendige Besorgungen.
Durch das Engagement von Tanja Breuß durfte ich auch verschiedene Einrichtungen des Institut für Sozialdienste kennen lernen. Beispielsweise hat sie für mich „Kennenlerntage“ in der IfS-Geschäftsleitung in Röthis organisiert, die sehr interessant waren.

Während der Zeit, die ich in der FrauennotWohnung verbringe, erlebe ich viel mit den Frauen und den Kindern. Dabei ist es wichtig, flexibel und spontan zu sein. Teils gibt es schöne Erlebnisse, oft aber auch schlimme. Am meisten freut es mich, mit den Kindern etwas Schönes zu unternehmen, bei dem sie ihre Schwierigkeiten für eine Zeit lang vergessen können. Ich bekomme hier in der FrauennotWohnung einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Sozialarbeiterinnen. Ich weiß nun, dass diese Arbeit, obwohl sie oft schwierig ist und viele Hürden überwunden werden müssen, eine lohnende und großartige Arbeit an der Gesellschaft ist. Es ist eine einmalige Gelegenheit, ein soziales Jahr zu machen und empfehlenswert für alle, die ein Stück reicher an Erfahrungen werden wollen.

Elisabeth Studer

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