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Grundangst „Älterwerden“
„Alte Menschen“, „Alter“, „Alt sein“ – dies sind Begriffe, die uns in unserer heutigen Gesellschaft, in der Jugend, Fitness und Schönheit einen solch hohen Stellenwert einnehmen, irritieren. Alter wird mit Einsamkeit, Gebrechlichkeit, Demenz und nicht mehr vorhandener Mobilität in Verbindung gebracht. Der amerikanische Psychoanalytiker James Hillman hat dies so auf den Punkt gebracht: „Alt werden ist zur Grundangst einer ganzen Generation geworden.“ Dabei wird jedoch übersehen, dass das „dritte Lebensalter“ durchaus eine erfüllte Zeit sein kann, dass es möglich ist, glücklich zu altern. Für dieses Glück sind jedoch weder Vitaminmixturen noch Hormone oder andere Wundermittel der Anti-Aging-Branche nötig.


Es ist nicht zu bestreiten, dass zunehmendes Alter mit einer zunehmenden Anfälligkeit des Körpers einhergeht und manchmal bereits alltägliche Dinge ein kaum zu überwindendes Hindernis darstellen können. Doch während „Alter“ vor allem Defizite und Abbauprozesse in den Vordergrund stellt, sehen Psychologen das Altern durchaus als Zunahme und Gewinn. Es ist wichtig, alte Menschen nicht lediglich auf deren körperliche Gebrechen zu reduzieren, sondern sie als Ganzes zu betrachten und ihre großen Ressourcen wie Erfahrung, Wissen und Zeit zu schätzen.

Dass alte Menschen an Depressionen leiden, sich selbst nutzlos und ausrangiert fühlen und an Einsamkeit leiden, erleben wir in unserer Arbeit im IfS. Wenn es ihnen und uns gelingt, die Probleme wahr und ernst zu nehmen und daran zu arbeiten, dann gibt es gute Chancen, auch im Alter neue, spannende Lebensperspektiven zu entdecken.

Glückliches und erfolgreiches Altern

Wichtige Faktoren, um erfolgreich zu altern, sind neben einem positiven Selbstbild und dem subjektiven Gesundheitszustand vor allem Familie und Freunde. Vereinsamung gilt als eine der größten psychischen Gefahren im Alter. Somit tragen familiäre Beziehungen und gute Freunde sowie soziale Netzwerke dazu bei, die Lebensqualität im Alter zu steigern. Mangelt es an Wertschätzung, Intimität, Hilfe und Unterstützung im Haushalt, bei Krankheit und in Notfällen, so steigt das Risiko für Ängste und Depressionen.

Besondere Bedeutsamkeit hat zudem die soziale Aktivität eines alten Menschen. Wer versucht, agil zu bleiben, in Bewegung bleibt, Kontakte pflegt und seinen Hobbys nachgeht, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit glücklicher altern und den Sinn des Lebens mit zunehmendem Alter weniger verlieren.

Geben ist seliger als nehmen

…und wirkt im Alter lebensverlängernd. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Psychologin Stephanie Brown. Alte Menschen brauchen soziale Unterstützung, doch wer länger leben möchte, der sollte lieber geben als nehmen. Jene, die im Alter ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Kraft andern zur Verfügung stellen, können damit ihre eigene Lebensdauer positiv beeinflussen. Nicht das Erhalten von Hilfe und Zuspruch bewahrt vor einem frühen Tod, sondern das eigene soziale Engagement. Wer sich für die Nöte und Probleme seiner Mitmenschen interessiert, wer Hilfe und Unterstützung anbietet, führt statistisch - ein erfüllteres und längeres Leben.


Dr. Stefan Allgäuer
IfS-Geschäftsführer
allgaeuer.stefan@ifs.at

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