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Dr. Ruth Rüdisser zu Gast im vorarlberg.ORF.at-Chat


Schwangerschaftsberatung und Abtreibung
Viele Schwangere suchen Beratung, auch das Thema Abtreibung beschäftigt nicht wenige. Im Dezember stand die IfS-Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Ruth Rüdisser im Chat Rede und Antwort. Hier ein Auszug.


Frau Rüdisser, stimmt es, dass das IfS Vorarlberg auch Schwangerschaftsberatung macht?
Kostet dies etwas?
Wir machen Schwangerschaftsberatung im IfS. Je nachdem, was Ihre Fragen sind, wird Sie eine Sozialarbeiterin oder eine Psychologin beraten. Die Beratung ist kostenlos, sie wird von Land, Bund, Gemeinden bezahlt. Nur bei längerdauernder Psychotherapie wird ein Selbstbehalt mit dem Therapeuten vereinbart, der sich nach den finanziellen Möglichkeiten richtet. Sie können sich an jede IfS-Beratungsstelle wenden und sich anmelden.

Wie wahrscheinlich ist es, nach einer Abtreibung depressiv zu werden? Kann man da gegensteuern?
Es gibt keinen Grund, nach einem Abbruch depressiv zu werden. Wichtig ist es, dass die Entscheidung gut fundiert und freiwillig ist. Dann ist es auch wichtig, die Gefühle, die entstehen, zuzulassen und eventuell zu bearbeiten, besonders Gefühle der Trauer. Auch dieses Kind soll betrauert werden, wie auch ein Kind, das durch eine Fehlgeburt verloren geht. Die Gefühle zuzulassen, darüber zu reden, vielleicht auch dem Kind einen Platz zu geben. All das beugt einer depressiven Reaktion vor.

Ich bin 15 und von meinem Freund schwanger, meine Eltern wissen nichts davon. Brauche ich für eine Abtreibung ihre Einwilligung?
Nein, Sie brauchen nicht die Einwilligung Ihrer Eltern für einen Abbruch. In dieser Situation würde ich Ihnen raten, für eine Schwangerschaftskonfliktberatung an eine IfS-Beratungsstelle zu kommen. Kommt Ihr Freund mit? Die Frage ist auch, ob Sie das Geld für den Abbruch haben oder ob Sie dafür die Hilfe Ihrer Eltern brauchen. In der Beratung können wir auch besprechen, wie und ob es möglich wäre, die Eltern mit einzubeziehen. Dann könnten wir auch besprechen, ob es die Möglichkeit gäbe, das Kind zu bekommen, was Sie dazu bräuchten. Wenn alle Seiten beleuchtet sind, können Sie Ihre Entscheidung treffen. Egal wie sie ausfällt, werden wir Sie dabei unterstützen.

Mich würde interessieren, was die häufigsten Gründe sind, warum Frauen eine Schwangerenberatung aufsuchen. Es kann doch nicht nur die Frage: Abbruch oder nicht? sein…
Gründe sind oft die finanzielle Situation, welche Unterstützungen gibt es, was heißt das Kind für meine berufliche Situation, für meine Ausbildung. Grund kann sein, dass der Partner das Kind ablehnt, dass es Gewalt in der Beziehung gibt usw. Die Schwangerschaftskonfliktberatung spitzt sich zu auf die Frage: Kann ich das Kind bekommen oder nicht?

Ich habe schon oft gehört, dass Frauen, die eine Abtreibung hatten, sich ihr Leben lang Vorwürfe machen. Kann man vorher schon sagen, welche Auswirkungen eine Abtreibung auf die Seele hat? Kann man diese Vorwürfe „weg“-therapieren?
Das stimmt so nicht. Viele Frauen, die einen Abbruch machen, kommen gut damit zurecht, manche bereuen später einmal ihren Entschluss. Aber man kann es nicht vorhersagen, wie es für die einzelne Frau sein wird. Natürlich kann man therapeutisch an solchen Selbstvorwürfen arbeiten. Es können Gefühle wie Schuld, Trauer, Wut aufkommen, die dann im therapeutischen Prozess bearbeitet werden. Niemand (denke ich) kann von sich sagen, noch nie einen Fehler gemacht zu haben.

Schwangerschaftsberatung an
allen IfS-Beratungsstellen in
Bregenz, Dornbirn, Hohenems,
Feldkirch, Bludenz und Egg
Info-Telefon: 05572/21331
anonyme Internetberatung unter www.ifs-beratung.vol.at

Dr. Ruth Rüdisser
IfS-Bregenz








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