Internationale IfS-Tagung in Feldkirch

HELIOS II - oder Blick über den Tellerrand

 

Die Grenzen, die behinderten Menschen oft in den Weg gelegt werden, kennen keine Grenzen. Behindert-Sein und zusätzlich durch verschiedene Strukturen Behindert-Werden - in diesem Spannungsfeld spielt sich das Leben vieler Betroffener in vielen Ländern ab.

Europaweit werden Überlegungen angestellt, die Betreuung dieser Menschen im Rahmen der Gegebenheiten zu optimieren. Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch und seine Bedürfnisse und Fähigkeiten. Im Rahmen des EU-Programmes Helios veranstaltete das Institut für Sozialdienste zusammen mit anderen Einrichtungen eine Tagung im Montforthaus in Feldkirch.

Die Teilnehmerliste zeigt die geographische Spannbreite: Fachleute aus den Benelux-Ländern, aus der Schweiz, Deutschland, Moldawien, England, Liechtenstein und Frankreich setzten sich zusammen, mit dem Ziel, Erfahrungen auszutauschen und die Arbeit in diesem Bereich zu vernetzen. Der inhaltliche Schwerpunkt, bestimmt durch die Tagungsteilnehmer, konzentrierte sich auf die Arbeit mit geistig behinderten Menschen. Allerdings ist die Zielsetzung der Tagung breiter angelegt:

Landesrat Bischof: "Es geht um Menschen, die an den Rand gedrängt werden. Wie bekommen wir diese Menschen wieder in die Mitte, wie schaffen wir die Bedingungen, die ihnen ein selbständiges Leben ermöglichen. Das betrifft Behinderte, aber auch alte und pflegebedürftige Menschen." Thematisiert wurde das aus verschiedenen Perspektiven: Betroffene, Politiker und Fachleute gaben in ihren Referaten die nötigen Impulse für die Arbeitsgruppen. Die Aufgabenstellung ist klar, Landesrat Bischof formulierte es: Die fetten Jahre in finanzieller Hinsicht sind vorbei - der Bedarf an Betreuungsformen allerdings steigernd. Einer der Gründe ist die höhere Lebenserwartung, die auch mit vermehrtem Pflegebedarf einhergeht. Hier gilt es Lösungen zu finden: Mit gleichbleibenden finanziellen Mitteln, mehr an Betreuung zu gewährleisten, ohne dabei einen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit? IfS-Geschäftsführer

Dr. Stefan Allgäuer spricht in diesem Zusammenhang von einer Neuorientierung im Selbstverständnis der Betreuungsarbeit. "Es wird in Zukunft nicht mehr nur der einzelne Mensch betreut. Vielmehr soll das soziale Umfeld in die Betreuung miteinbezogen werden. Dadurch entstehen Rahmenbedingungen, die dem einzelnen ein größeres Maß an Selbständigkeit und Eigenverantwortung ermöglichen."

Die Tagung ist ein weiterer Schritt zu einer europaweiten Vernetzung. In der eineinhalbjährigen Vorbereitungsphase wurden wichtige Kontakte geknüpft. Eine Voraussetzung, um im Rahmen von EU-Projekten grenzüberschreitend zu arbeiten.


Die Erfahrungen sollen in konkrete Projekte investiert werden und auch in anderen Ländern umgesetzt werden. Ein holländischer Teilnehmer: "Kleine, aber konkrete Erfahrungen sind besser als riesige Konzepte." Generell attestieren die europäischen Gäste Vorarlberg und insbesondere dem IfS ein hohes Niveau, was die Arbeit mit Behinderten anlangt. Vor allem die kleinen, dezentralen Strukturen sind in manchen anderen Ländern noch Zukunftsmusik. Einziges Manko, wie es einer der Teilnehmer schmunzelnd formulierte: "Vorarlberg ist zu schüchtern. Es müßte mehr aus sich herausgehen, zeigen, was es kann."

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