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Veränderungen in der IfS-Fachruppe Sozialpädagogik

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Köpf Helmut
Wenn du willst, daß alles so bleibt wie es ist, mußt du alles verändern.

Vor diesem Hintergrund, wurden 1995 die ersten Überlegungen in der IfS-Fachgruppe Sozialpädagogik dahingehend angestellt, wie die fachliche und organisatorisch-strukturelle Ausrichtung zukünftig optimiert werden kann. Durch notwendige Anpassungen und einen Umbau der vorhandenen Betreuungsstruktur sollten, für die zukünftigen Erfordernisse in dieser Sparte der Jugendarbeit, zeitgemäße Antworten gefunden werden.

Einigkeit unter allen Beteiligten in der Phase Problemanalyse herrschte darin, daß das alte System für die zukünftigen Aufgabenstellungen zu wenig flexibel und in der Ausrichtung auf eine alleinige vollstätionäre Betreuungsform nicht mehr zeitgemäß ist.

Ausgehend von der Tatsache, daß nicht jede/r uns zur Betreuung zugewiesene Jugendliche aus fachlicher Sichtweise ein rund um die Uhr betreutes Setting benötigt und gleichzeitig die bestehenden Wohngemeinschaften immer wieder mit Auslastungsproblemen zu kämpfen hatten, einigten wir uns darauf, eine ambulante Betreuungsstruktur aufzubauen.

Ambulant betreutes Wohnen (AbW)

Im Sommer 1995 wurde nach Ausarbeitung und der Bewilligung durch das Amt der Vlbg. Landesregierung das durch Brüstle Martin und mir erstellte Konzept umgesetzt.

Dieses sieht vor, daß landesweit Wohnungen durch das IfS angemietet werden und die im Normalfall zu zweit darin untergebrachten Jugendlichen durch ein eigen gebildetes MitarbeiterInnenteam, welches in der Beratungsstelle Feldkirch angesiedelt ist, ambulant betreut werden. Ziel dieser Betreuungsform ist das selbständige und eigenverantwortliche Leben. Erreicht wird dies durch die verstärkte Übertragung von Verantwortung für die verschiedensten Lebensbereiche, was einem gezielten Selbständigkeitstraining gleichkommt. Im Gegensatz zur Wohngemeinschaft, welche über erzieherisch-pädagogische Interventionen die Voraussetzungen im Bereich der Zuverlässigkeit und dem Vorhandensein verschiedener Problemlösungsstrategien schafft, sind unsere MitarbeiterInnen im "ambulant betreuten Wohnen" in erster Linie BegleiterInnen und BeraterInnen in der Umsetzung obgenannter Ziele. Durch die Halbierung der Kosten pro Platz bietet heute das AbW eine um 100 % erweiterte Platzkapazität gegenüber der vorherigen vollstationären Struktur bei gleichem finanziellem Aufwand. Wir können nach unserem heutigen Wissensstand sowohl aus fachlicher als auch finanzieller Sicht mit Stolz sagen, daß die damalige Entscheidung die richtige war, und eine sehr positive und notwendige Ergänzung zum bisherigen Setting darstellt.

Trainingswohnungen

Für unsere Jugendlichen stellt der Aspekt des eigenständigen Wohnens und der dafür benötigten Entscheidungsfreiheit eine durchaus interessante Perspektive dar. Aufgrund der Erfahrungen mit den Jugendlichen stellte sich jedoch heraus, daß die Anforderungen für manche Jugendlichen zu hoch sind. Regression, (zurückfallen in alte Verhaltensmuster) waren die sichtbaren Zeichen. Auf der Basis dieser Erfahrungen entschieden wir uns, eine weitere Differenzierung in unserer Fachgruppe mit den Trainingswohnungen vorzunehmen. Um der Selbstüberschätzung unserer Jugendlichen zu begegnen (alles ist machbar), ist eine Überprüfung und Vertiefung des Erlernten in ihren Lebensbereichen (Schule, Beruf, Wohnen, usw.) notwendig. Dieser Übertrittsproblematik begegnen wir durch eine enge räumliche Anbindung an die Stammwohngemeinschaft und einer ausgeweiteten Betreuungsintensität in ambulanter Form. Somit dient diese Wohnform in erster Linie als Experimentierfeld für die Jugendlichen.

Jugendintensivprogramm (JIP)

Aus der aktualisierten Problemanalyse ergab sich weiters, daß ein beträchtlicher Prozentsatz an Jugendlichen aufgrund ihrer massiven Problematik (Flucht usw.) sowohl für das ambulante als auch stationäre Betreuungsangebot nicht in Frage kommt.

Als Antwort darauf, erstellte Mag. Martina Gasser und ich ein auf den Grundlagen der Erlebnispädagogik basierende Konzept, welches jedoch, abweichend von bisherigen bekannten Konzeptionen, durch Sozialeinsätze im Ausland ergänzt wird. Nicht die Gruppe spielt dabei als tragendes Element des sozialen Lernen die wesentliche Rolle, sondern der Aspekt des Beziehungsaufbaus zu der/dem Jugendlichen durch gezielte Einzelbetreuung steht im Vordergrund. Ein weiterer gravierender Unterschied zu den herkömmlichen Projekten ergibt sich daraus, daß die geplante Vorlaufzeit stark minimiert wurde, sodaß wir heute in der Lage sind, innerhalb von 2 - 3 Wochen mit der/dem zu diesem Zeitpunkt meist akut gefährdeten Jugendlichen diese intensive Betreuungsarbeit im Ausland zu beginnen. Die dazu notwendige Infrastruktur in unseren Partnerländern Indien (Nepal), Nigeria und Spanien (Baskenland) aber auch in Österreich konnte inzwischen aufgebaut werden. Die ersten Einsätze in Indien und Nigeria wurden bereits begonnen.

Damit wären in groben Zügen die grundsätzlichen neuen pädagogischen Strukturen erklärt, welche zeitlich zu den vollstationären Plätzen in Wohngemeinschaften ein Angebot für Jugendliche in schwierigen Krisensituationen ergänzen, flexibel machen und qualifiziertes Handeln ermöglichen.

Für nähere Informationen stehen die zuständigen Verantwortlichen jederzeit gerne zur Verfügung.

Köpf Helmut ist Koordinator der IfS-Fachgruppe "Sozialpädagogik"

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