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Schulden sind männlich

Beinahe auf die Zahl nach dem Komma ergibt die Statistik der IfS-Schuldenberatung jährlich dasselbe Bild: ungefähr 2/3 der Klienten sind Männer und nur ungefähr 1/3 Frauen. Das überrascht Zuhörer bei Vorträgen und Workshops, Medienvertreter und Kolleginnen und Kollegen immer wieder. Sind wir es doch die gewohnt von sozialen Institutionen zu hören, daß nahezu 70 % der Ratsuchenden Frauen sind und daß es Männern sehr schwer fällt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn es in der IfS-Schuldenberatung seit Jahren umgekehrt ist, hat das verschiedene Gründe ­ zum Teil wird es unergründbar bleiben.

Ein wichtiger Grund ist die Tatsache, daß traditionell immer noch "der Mann" für das Einkommen der Familie sorgt. Das bedeutet, daß Lohnpfändungen von ihm direkt wahrgenommen werden. Auch der gepfändete Fernsehapparat wird von ihm schneller bemerkt als die Beziehungskrise, unter der seine Frau schon seit Jahren leidet und die gefälligst sie lösen (gehen) soll.

Außerdem sind Schulden ja tatsächlich etwas handfestes, etwas sichtbares. Darum können sich Männer besser kümmern als um "Beziehungskram". Und zu guter letzt stellt eine derzeit gerade im Abschluß befindliche Jugendstudie fest, daß sich junge Männer relativ rasch bereits mit ihrem ersten Einkommen für Autos verschulden. Frauen gehen da eher "Beziehungsschulden" ein. Etwa gemeinsam mit einem Partner für Hausstandsgründung oder durch die unglückliche Übernahme einer Bürgschaft. Vielleicht werden sich diese Erfahrungen in den nächsten Jahren ändern, gibt es doch bereits Hinweise, daß auch junge Frauen die Hemmschwelle für das Schuldenmachen herabsetzen. Außerdem wird sich in absehbarer Zeit eine noch deutlichere Annäherung der Armut (die ja auch in Österreich weitgehend weiblich ist) an die Schuldenproblematik ergeben.

Bis dahin gilt jedoch: Schulden sind männlich!

Peter Kopf, IfS-Schuldenberatung

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