Infokl picture


Einvernehmliche Trennung oft ohne Rücksicht auf Kinder

Wenn sich Väter selber schonen

In vielen Fällen der Trennung ist die Jugendwohlfahrt der zuständigen Bezirkshauptmannschaft u. a. Ansprechpartner. Primär dann, wenn minderjährige Kinder von der Trennung betroffen sind. Die IfS-Info-Redaktion sprach daher mit Bernhard Herburger von der BH Bregenz über seine Erfahrungen.

Bernhard Herburger: "Einvernehmliche Scheidung nicht zu Lasten der Kinder."

"Wir wollen die Scheidung rasch hinter uns bringen und haben alle Finanzfragen einvernehmlich geregelt." Immer öfter hören Bernhard Herburger und seine MitarbeiterInnen bei der Abteilung Jugendwohlfahrt der BH Bregenz diesen Satz. "In zahlreichen Fällen vergessen zerstrittene Partner leider darauf, dass ihre gemeinsamen Kinder mehr brauchen als eine Finanzregelung."

Information und Beratung für Einzelpersonen und Familien ist u. a. Auftrag der Jugendwohlfahrt bei den Bezirkshauptmannschaften. Im Vordergrund steht immer das Wohl des Kindes. Das gilt besonders in Scheidungsfällen. Wer kann besser für das Kind oder die Kinder sorgen, welche Besuchsregelung liegt im Interesse der Kinder?

Kinder als Waffe missbraucht

"Leider werden Kinder in Streitfällen oft als "Waffe" missbraucht. Es hagelt gegenseitige Vorwürfe, die auf Vernachlässigung bis zu sexuellem Missbrauch lauten können, auch wenn beides nicht stimmt. Die Exfrau, der Exmann sollen bestraft werden." Ebenso werden aber auch bestehende Konflikte ignoriert, nur damit die Scheidung rasch über die Bühne geht. "Einige Wochen oder Monate später beklagt sich dann der Vater oder die Mutter, dass sie oder er ganz schrecklich mit den Kindern umgehe, genauso wie während der Ehe." Die Jugendwohlfahrt hinterfragt deshalb im Interesse der Kinder solche eilige Regelungen.

Kinder brauchen Verlässlichkeit

Für Bernhard Herburger ist wichtig, dass Paarkonflikt und Elternrolle voneinander getrennt werden. "Auch der von der Mutter geschiedene Vater bleibt Vater, und zwar im vollen Umfang." Mancher Vater verweist auf die Zerreissprobe, der ein Kind bei seinen Besuchen jeweils ausgesetzt sei. Das Kind sollte doch geschont, die Besuche deshalb reduziert werden. Herburger: "Kinder benötigen Verlässlichkeit, sie müssen wissen, dass der Vater kommt, wenn sein Besuch angesagt ist." Manche Männer verkraften diese Situation selbst sehr schwer. "Sie wollen eher sich selbst schonen, nicht das Kind."

Völlig falsch ist es bei Besuchsregelungen auch, das Recht des Vaters oder der Mutter auf ihr Kind zu betonen. "Das Kind hat auch ein Recht auf seine Eltern, nicht nur umgekehrt." Eine schwere Belastung ist für viele Kinder, wenn ein Elternteil über den andern herzieht. "Für das Kind ist seine Mutter die beste Mutter. Und der Vater drückt seine Verachtung für sie offen oder versteckt aus (bzw. die Mutter gegenüber dem Vater)." Kinder spüren das sehr genau und leiden darunter.

Probleme werden vererbt

Probleme in Familien ziehen sich oft über Generationen weiter, sie werden "vererbt", wie der Leiter der Jugendwohlfahrt der BH Bregenz erfährt. "Kürzlich forderte uns ein junger Mann auf, die Kinder seiner Schwester zu schützen. ,Die geht mit ihren Kindern genauso falsch um wie unsere Eltern zuhause mit uns umgegangen sind."

Die MitarbeiterInnen der Jugendwohlfahrt sehen sich nicht als Weltverbesserer, die Partnerschaften kitten sollten. Bernhard Herburger: "Wir müssen die Realität akzeptieren. Nicht selten hören wir auch nach Jahren von Leuten, die wir als Kinder betreut haben, dass sich ihre Situation nach der Trennung der Eltern deutlich gebessert hat, auch wenn sie die Scheidung als schmerzlich erlebt haben."

Im pflegschaftsgerichtlichen Verfahren wirken die MitarbeiterInnen der Jugendwohlfahrt als Sachverständige mit und übernehmen Vermittlungsfunktionen. Bei der Frage, wer das Sorgerecht für gemeinsame Kinder zugesprochen erhält, hat die Stellungnahme der Jugendwohlfahrt großes Gewicht.

Bernhard Hasler (Zürich) ist Präsident des Vereins für verantwortungsvoll erziehende Väter und Oberstufenlehrer. Er meinte kürzlich in einem Gespräch in der ZZ: "Pflegen die Eltern keinen Kontakt mehr zueinander, läuft das Kind auf einer zerbrechlichen Brücke. Es ist allein."