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Scheidung:
Kinder leiden 2 Jahre lang

Kinder verkraften Trennung der Eltern nur schwer. Bei jedem dritten gibt es langfristige Auswirkungen: Promiskuität, Deliquenz, Suizidalität.

Der Münchner Wissenschaftler Prof. Wassilios Fthenakis hat herausgefunden, daß es Kindern erst nach etwa zwei Jahren gelingt, die neue Situation nach einer Scheidung zu verstehen und sich psychisch normal weiterzuentwickeln. Seine Untersuchung ergab, daß etwa ein Drittel der Testkinder Beeinträchtigungen in ihrer Entwicklung zeigten.

Drei Formen der langfristigen Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf kindliche Entwicklungen konnten festgestellt werden:

Erhöhtes Risiko psychischer Erkrankung: Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Kind mit geschiedenen Eltern (bis 5 Jahre nach der Scheidung) einem Psychologen oder Psychiater vorgestellt wird, ist bis zu viermal größer als bei einem Kind aus nicht geschiedener Familie. Die dem Experten vorgetragenen Probleme beziehen sich meist auf Verhaltensstörungen, Aggressionen, fehlende Impulskontrolle und Fehlhaltungen in der moralischen Entwicklung. Auch späteres suizidiales Verhalten ist bei den Kindern geschiedener Eltern häufiger.

Gestaltung von Partnerschaften

Die gravierendste Auswirkung einer Scheidung ist die Einstellung zur Gestaltung von Partnerschaften. Viele Kinder geschiedener Eltern hegten in Befragungen die Befürchtung, daß sie in einer eigenen Partnerschaft die gleichen Fehler machen würden wie ihre Eltern. Außerdem glauben sie nicht, auf die Dauer eine funktionierende Beziehung führen zu können. Und es ist auch tatsächlich die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns der eigenen Ehe erhöht.

Delinquenz: Besonders bei Mädchen aus Scheidungungsehen ließ sich eine gewisse Unbekümmertheit im sexuellen Bereich, was sich in geringer Sorgfalt bei der Auswahl des Sexualpartners und in einem hohen Prozentsatz von Abtreibungen manifestiert, festgestellt werden. Bei den älteren männlichen Jugendlichen waren hingegen etwa ein Drittel der Untersuchten in schwerwiegende Vergehen, wie Gewalttätigkeit, Einbruch oder Drogenhandel verwickelt.

Studie: "Kindliche Reaktionen auf Trennung und Scheidung" von: Prof. DDr. W.E. Fthenakis, Staatsinstitut für Frühpädagogik, Prinzregentenstraße 24, D-80538 München.