Infokl picture


Getrennt, aber nicht vom Kind

Ab 1999 soll es möglich sein: Eltern, die ohne Streit auseinander gehen, erhalten das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder.

38 Prozent der Ehen in Österreich wurden 1996 geschieden; davon 87 Prozent einvernehmlich; 16.255 Minderjährige wurden zu Scheidungsweisen. In den überwiegenden Fällen bleiben die Kinder bei der Mutter; sie erhält das Sorgerecht. Nur ihr sind die Ärzte dann zur Auskunft verpflichtet, wenn das Kind im Krankenhaus liegt; sie entscheiden darüber, ob der Sprößling einen Reisepaß bekommt und welche Schulen er besuchen wird.

Im Justizministerium wird nun an einem Gesetzesentwurf gearbeitet, der den Geschiedenen die gemeinsame Obsorge für ihre Kinder ermöglichen soll. "Wir gehen bei all unseren Überlegungen vom Kindeswohl aus", erklärt Justizminister Nikolaus Michalek bei einer Diskussion über das Scheidungsrecht. Es spricht viel dafür, jenen Eltern, die sich einvernehmlich scheiden lassen und die gemeinsame Erziehung ihrer Kinder wünschen, dies per Gerichtsbeschluß zukommen zu lassen." Das gemeinsame Sorgerecht per Gerichtsbeschluß wird dem nicht sorgeberechtigten Elternteil ­ meist dem Vater ­ aber erst nach einer gewissen Probezeit und einer gerichtlichen Prüfung zugestanden. Es wird wohl auch die Ausnahme bleiben, daß nur ein Elternteil das Sorgerecht bekommt. Das Gesetz geht im Sommer in die Begutachtung und wird im Herbst als Regierungsvorlage den Ministerrat passieren. 1999 schon könnte das Gesetz dann beschlossen werden.

aus Ehe und Familie 6/98

Neuer Ratgeber:

"Trotz Trennung Vater bleiben"

Das Ministerium für Umwelt, Jugend und Familie hat einen neuen Ratgeber mit dem oben genannten Titel herausgebracht. In diesem werden wertvolle Anregungen und Tips für Verhaltensweisen gegeben.

Diese Broschüre kann kostenlos unter der Telefonnummer 01 / 53475 330 angefordert werden.