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Zehn Jahre Mädchenarbeit im IfS-Mühletor

Mädchenarbeit ist nicht besonders spektakulär, interessiert die Öffentlichkeit wenig und steht genauso im Schatten wie die Mädchen selbst. Dennoch oder gerade deshalb ist es wert, darüber zu berichten.

Die Aktivitäten

Mädchenarbeit in der IfS-Beratungsstelle Mühletor in Feldkirch wird heuer zehn Jahre alt, begonnen hat alles im Oktober 1988 mit der Ausstellung "Weibsbilder", weitere Veranstaltungen waren fünf Wiederholungen der Mädchenaktivtage "Traummädchen?", zwei Wanderwochen, drei Radtouren, die "Handwerkerin" (ein Kurs zum Thema Technik und Werken), sowie viele kleinere Projekte, Mädchengruppen und Workshops.

Ich selbst blicke auf 11/2 Jahre Tätigkeit im Mühletor zurück. Neben mehreren kleineren Veranstaltungen waren die bisherigen Höhepunkte Mädchensommerworkshops "spring ab ­ tauch ein", wo Mädchen an drei Tagen in drei verschiedene Bereiche hineinschnuppern konnten, und die Kreativworkshops "Multitalent Mädchen". Die sichtbaren Kunstwerke wie Bilder, Skulpturen aus Speckstein und Ton, ein Video, sowie Fotos von allen Workshops wurden bei einer Vernissage und anschließenden Ausstellung präsentiert.

Mädchenarbeit ist notwendig

Mädchen sind im allgemeinen "leiser" als Burschen, sowohl in der Äußerung ihrer Wünsche und Zukunftsvorstellungen als auch in ihrem Protestverhalten. Sie sind schwieriger zu erreichen als Burschen, andererseits aber leichter zu motivieren. Mädchenprojekte bieten Freiräume für die Auseinandersetzung mit der Weiblichkeit an und schaffen Bedingungen, die Solidarität unter den Mädchen fördern und die Mut machen, neue, ungewohnte Aktivitäten zu versuchen und auch einmal andere Verhaltensmuster zu probieren.

Zehn Jahre Mädchenarbeit heißt neben den großen, öffentlich wirkungsvollen Projekten aber auch ständige Bewußtseinsbildung in der Gesellschaft im Hinblick auf die Situation der Mädchen, ihre Lebensbedingungen und die Sozialisation. Neben Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Lehrerinnen und der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen bedeutet das auch Vernetzung mit anderen Fachfrauen, Jugendeinrichtungen in Vorarlberg und über die Grenzen hinaus.

Zukunftsplanung

Zur Zeit läuft die Planung für die Sommerschnupperworkshops "spring ab ­ tauch ein", die wieder Ende August stattfinden werden, auf Hochtouren. Eine Veranstaltung zum zehnjährigen Jubiläum der Mädchenarbeit im Mühletor im Herbst ist geplant. Großen Bedarf für Projekte sehe ich auch im Bereich der Berufsorientierung, die speziell auf die Bedürfnisse der Mädchen und ihre Lebensplanung ausgerichtet sind. Neben "Multitalent Mädchen", das wieder im Winter stattfinden soll, und einer Anzahl kleinerer Veranstaltungen, wie Reitwochenende, Selbstverteidigungskurse, Massageworkshop, erlebnispädagogische Aktivitäten, ist eine Veranstaltungsreihe zum Thema "Berufsorientierung für Mädchen" für nächstes Frühjahr in Überlegung.

Barbara Rausch-Schott
(Jugendberaterin, Psychologin, Verantwortliche für Mädchenarbeit in der IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor in Feldkirch)

 

Forderung für
feministische Mädchenarbeit

Eine Arbeitsgruppe in Vorarlberg hat einen Forderungskatalog für feministische Mädchenarbeit ausgearbeitet, der sich schwerpunktmäßig mit der Verankerung der Gleichstellung von Mann und Frau in der Landesverfassung beschäftigt. Auch Fragen der Bildungsarbeit und die Subventionsvergabe wurde in diesen Grundsatzforderungen aufgeschrieben. Aus Platzmangel können wir nicht den ganzen Katalog abdrucken, wenn Sie Interesse haben, können Sie Barbara Rausch-Schott bei der IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor anrufen (Tel. 05522/76729).