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IfS-Studienreise 1998:

Kinder- und familiengerechte Gemeinde war das Thema

Die Schaffung einer kinder- und familienfreundlichen Atmosphäre auf kommunaler Ebene wird zu einem immer wichtigeren Anliegen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind jedoch persönliches Engagement und politischer Rückhalt notwendig. Das bestätigen auch Beispiele in Deutschland, wo sich eine Delegation aus Vorarlberg kürzlich über einschlägige Projekte informierte.

An der vom Institut für Sozialdienste (IfS) gemeinsam mit dem Vorarlberger Gemeindeverband organisierten Studienreise beteiligten sich Kommunalpolitiker und Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen. Und alle zeigten sich beeindruckt von den vielfältigen Bemühungen, die Situation für Kinder und Familien zu verbessern. Besonders aktiv in diesem Zusammenhang ist das Bundesland Rheinland-Pfalz, das stolz auf seine Vollversorgung an Kindergartenplätzen verweist.

Doch kindgerechte Stadtentwicklung erschöpft sich nicht in der Einrichtung von Spielplätzen, Treffs und Discos. Viel effizienter scheint die konsequente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen, die sie betreffen. So wurde etwa in Dreieich, einer Stadt in der Nähe von Mainz, jeder Ortsteil gemeinsam mit den Kindern begutachtet, um ihre Wünsche und Anliegen zu erfahren. Bei den Beratungen dürfen interessierte Mädchen und Burschen ebenfalls mitreden, wobei sie von geschulten Sozialarbeitern begleitet werden. Außerdem haben sich die Stadtpolitiker freiwillig verpflichtet, zu allen städtebaulichen Planungen eine Fachfrau beizuziehen, die sozusagen als Sprachrohr der Kinder fungiert.

Mit Fordern allein ist es allerdings auch in Dreieich nicht getan. Bei der Umsetzung von Projekten wird Eigeninitiative großgeschrieben. Das dient der Gemeinschaft und hat den Vorteil, daß mit den Dingen sorgfältiger umgegangen wird.

Sehr oft sind es aber soziale Probleme, die Politiker zum Handeln zwingen. Und viel aus den millionenenschweren Etats fließt vorrangig in Resozialisierungsprojekte. Vor diesem Hintergrund neidet ihnen Dr. Stefan Allgäuer, Geschäftsführer des IfS und Delegationsleiter, die im Vergleich zu Vorarlberg deutlich höheren Budgets nicht. Sie bestätigen ihm nur, "daß die präventiven Maßnahmen, die wir in diesem Bereich setzen, sinnvoll und notwendig sind“. Was er aber uneingeschränkt anerkennt, ist die wesentlich ausgeprägtere Kinderbeteiligung. Hier würde er sich auch im Ländle mehr Engagement wünschen. Allgäuer: "Wie sich gezeigt hat, ergeben sich daraus nicht nur bessere Lösungen, sondern es hilft auch, Kosten zu sparen.“

Eines der interessantesten familienorientierten Projekte, das den Besuchern aus Vorarlberg gezeigt wurde, war der Familien-Freizeitpark in Villingen-Schwenningen. Vor elf Jahren hat dort Stadtjugendpfleger Dieter Sirringhaus ohne finanzielle Hilfe, aber mit Unterstützung vieler Freiwilliger diese Anlage auf die Beine gestellt. Dabei handelt es sich um den einzigen nichtkommerziellen Freizeitpark in Deutschland. Lediglich am Sonntag muß ein geringer Eintritt bezahlt werden.

Unsere Fotos zeigen einige Eindrücke anläßlich der IfS-Studienreise.