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Zur Geschichte der Sachwalterschaft

Das "Bundesgesetz über die Sachwalterschaft für behinderte Personen" vom 1. Juli 1984 hob die Entmündigungsordnung auf, die in Österreich von 1916 bis 1984 gegolten hatte.

Eine Entmündigung war ausgesprochen diskriminierend, weil sie öffentlich gemacht wurde, z.B. durch Aushang an der Gemeindetafel. Während es in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch eine Ehre war, vom Gericht zum Vormund oder Kurator bestellt zu werden, fiel es später immer schwerer, geeignete Personen für dieses Amt zu finden. Manchmal kam es sogar zu "Zwangsbestellungen" von Personen, die dann alles andere als motiviert waren.

Die Betroffenen waren generell in ihrer Geschäftsfähigkeit eingeschränkt, hatten kein Wahlrecht – waren also "Bürger zweiter Klasse".

In den 70er-Jahren – unter dem Eindruck der Psychiatriereform – nahm sich auch die Politik wieder dieses Themas an; die Beratungen dauerten aber noch einige Jahre, bis 1984 das neue Gesetz in Kraft treten konnte.

Das Ergebnis konnte sich dafür sehen lassen. Einige Stichworte dazu:

- Einschränkung des Personenkreises: Ein Sachwalter kann nur noch für Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Krankheit bestellt werden; früher konnten auch "Verschwender", alkohol- oder drogenabhängige Menschen "unter Kuratel gestellt" werden.

- genaue Beschreibung des Aufgabenkreises des Sachwalters in jedem einzelnen Fall; keine pauschale Beschränkung der Geschäftsfähigkeit mehr;

- ausführliches gerichtliches Verfahren, um Mißbrauch zu verhindern;

- Vereinssachwalterschaft als professionelle Einrichtung für Betroffene, die keine geeigneten Angehörigen haben.

In Vorarlberg ergriff das Institut für Sozialdienste die Initiative und beantragte beim Justizministerium die Anerkennung als geeigneter Verein für Sachwalterschaft. Julius Schedel als späterer Leiter der Fachgruppe Sachwalterschaft und Manfred Dörler, damals Geschäftsführer des IfS, waren hier federführend. Im Oktober 1985 konnte die konkrete Arbeit mit einem Sozialarbeiter und drei ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in den Räumen der Beratungsstelle Feldkirch beginnen. Von Beginn an war eine hohe Akzeptanz seitens der Vorarlberger Pflegschaftsrichter gegeben, sodaß die Klienten- und damit auch die Mitarbeiterzahl kontinuierlich anstieg. Im Juli 1987 wurde eine eigene Geschäftsstelle in Feldkirch, Marktplatz 10, bezogen. Der damalige Justizminister Dr. Harald Ofner eröffnete in einem Festakt die neuen Räumlichkeiten.

Mit 1.1.1995 wurde die bisherige Fachgruppe aus dem IfS ausgegliedert und der Verein "IfS-Sachwalterschaft und Patientenanwaltschaft" gegründet. Derzeit sind 8 hauptberufliche und 126 ehrenamtliche IfS-SachwalterInnen für den Verein tätig.

Da der Endausbau nach den Planungen des Justizministeriums erreicht ist, verlagerte sich die konkrete Arbeit im Lauf der Jahre stark hin zur langfristigen Betreuung durch Ehrenamtliche. Die Ausbildung, Anleitung und Fortbildung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen hat ein Qualitätsniveau, das keinen Vergleich scheuen muß. Ehrenamtliche IfS-SachwalterInnen engagieren sich für ihre KlientInnen und bauen oft eine sehr persönliche Beziehung auf.

Die hauptberuflichen IfS-SachwalterInnen sind in der Anamnesephase als Verfahrensvertreter stark engagiert. Sie motivieren Angehörige zur Übernahme von Sachwalterschaften und bieten auch begleitende Unterstützung an. Hauptberufliche IfS-SachwalterInnen leiten zumeist zwei Ehrenamtlichen-Regionalteams und betreuen schwierige KlientInnen. All diese Tätigkeiten setzen bei den MitarbeiterInnen hohe Professionalität, Flexibilität und Leistungsbereitschaft voraus.