Wie beurteilen ehrenamtliche SachwalterInnen ihre Arbeit?
Mag. Christine Breuß Die Lochauerin Mag. Christine Breuß sah ihr Engagement als Sachwalterin anfangs auch als Ausgleich zu ihrem Beruf: "Übersetzerin ist ein einsamer Job!", zumal die Texte heute vornehmlich per eMail ausgetauscht werden. Nach ihrer Rückkehr von der Universität Innsbruck ins Ländle wollte sie etwas Kommunikatives und Sinnvolles machen. "Eine Bekannte hat mich dann darauf aufmerksam gemacht. Hier kann ich meine Fähigkeiten einbringen." Der Besuch eines Informationsabends vor rund eineinhalb Jahren bestärkte sie, die erforderliche zeitliche Flexibilität in ihrem Beruf und in der Sachwalterschaft unter einen Hut bringen zu können. Seit kurzem hat Christine Breuß sogar eine zweite Klientin übernommen. Zuversicht? Ja. Zur ersten Klientin habe sie gleich einen Draht gefunden.
Das Lernen bei dieser Tätigkeit bezeichnet die Freiberuflerin als wichtiges Element: "Ich lerne unangenehme Dinge zu tun, unangenehme Leute anzurufen. Das macht es auch spannend, mit etwas konfrontiert zu werden, das man eigentlich nicht will. Ich mag eigentlich den Umgang mit Behörden, mit Gerichten etc. nicht."
"Meine Tochter, die damals bei der Lebenshilfe war, meinte, das wäre eine prächtige Pensionsbeschäftigung für mich!" So kam Otto Moser, bis vor neun Jahren einer der leitenden Gendarmeriebeamten im Land, zur Sachwalterschaft. "Helfen und mich nützlich machen war immer schon meine Lebenseinstellung", sagt der Oberst im Ruhestand. Klar war für ihn, daß er es am liebsten mit alten Leuten zu tun haben wollte. "Wissen sie", schmunzelt er, "viele meinen ja, die sind alle geistig abgetreten. Aber das stimmt gar nicht! Die freuen sich, wenn man ihnen hilft, wenn man für sie da ist. Dann fühlen sie sich wohl, dann sind sie zufrieden." Drei Schutzbefohlene, wie er sie nennt, hat er seit 1994 gehabt. Zwei sind inzwischen verstorben. Im Moment hält Moser die schützende Hand über einen Mann im Alterspflegeheim und eine Frau in der Pflegestation der Valduna. Der Umgang mit Behörden und Gerichten fällt ihm leicht. "Hier hilft mir meine Erfahrung aus 40 Jahren Gendarmeriedienst sehr." Und oft sei "Oberst" ein kleiner Türöffner, räumt er ein. Man müsse schließlich Kontrolle und Einflußnahme ausüben, läßt er am Ernst seiner Aufgabe keinen Zweifel aufkommen. Es sind jedoch die Kleinigkeiten seiner Erzählung, die die persönlichen Qualitäten hinter dem pensionierten Ordungshüter offenbaren. "Die Frau in der Valduna ging dann schon in die Cafeteria und wollte Kuchen betteln. Da habe ich denen gesagt: Das muß sie nicht, sie hat doch ein Taschengeld. Jetzt liegt ein Betrag vorne, und wenn der aufgebraucht ist, dann melden die sich wieder. Die Frau soll doch ihren täglichen Kuchen haben das ist doch ein Stück Lebensqualität!" Nachsatz: "Ich esse ja auch gerne Kuchen." Den Austausch in den Sachwalter-Teams empfindet Otto Moser als "echte Stütze für den einzelnen". Seine Erwartungen in die Sachwalterschaft hätten sich für den Feldkircher voll erfüllt. "Das Modell paßt sehr gut. Aber es gibt Arbeit! Wir verwalten schließlich keine Sachen, auch wenn das so heißt, sondern betreuen Menschen!"
Adelheid Radmayr hat es mit einem "abenteuerlichen Fall" zu tun. Nur soviel Andeutung sei gestattet: "Ich glaube, ich kann es nur deshalb machen, weil ich durch meinen Mann (Engelbert Radmayr, Anm.) lange Zeit in der Psychiatrie gearbeitet habe." Die Frau, die sie seit 13 Jahren betreut, ist manisch depressiv und "braucht jemanden mit Fachwissen". Und mit viel Zeit. Nach der Pensionierung verfügt sie über ausreichend Zeit. "Ich wollte nicht nur Hausfrau sein, sondern im Leben drin bleiben. Mit der Pension ist man sonst ja schon ein bißchen draußen". Jeder könne so eine Aufgabe freilich nicht übernehmen: "Man muß sich sozial engagieren wollen. Und es braucht das Wissen, daß diese Menschen nicht etwa was Schlimmes tun, sondern daß diese Menschen krank sind." Dinge in die erforderlichen Bahnen lenken, könnte man auch sagen. Dafür sorgen, daß die Betroffenen in einem individuell abzusteckenden Rahmen möglichst eigenständig ihr Leben auch gestalten können. Da hätte es in einem Fall einfach einmal einer zupackenden Putzfrau bedurft. Ein andermal eine Anweisung an die Bank, pro Tag nur einen Maximalbetrag auszuhändigen, "sonst wäre das monatliche Geld gleich zu Beginn ausgegeben gewesen." Nach so langer Erfahrung mit der Sachwalterschaft findet Adelheid Radmayr auf Anhieb keine Ecken und Kanten am System, die aus ihrer Sicht abgeschliffen werden müßten. Oder doch: "Meine Kompetenzen sind ausreichend. Nur einmal war es so, daß ich nicht im Namen der Patientin in eine dringend erforderliche Operation einwilligen durfte. Das sollte geregelt werden."
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