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Aus dem Terminkalender einer hauptberuflichen IfS-Sachwalterin

8:00 Uhr

Ich führe ein paar dringende Telefonate, die von gestern noch offen geblieben sind.

8:30 Uhr

Heute begleitet mich eine Praktikantin der heilpädagogischen Schule in den Außendienst. Wir besprechen den Tagesablauf. Eigentlich hätten wir um 9:00 Uhr mit einem Altwarenhändler einen Besichtigungstermin in der Wohnung von Frau K. gehabt. Gestern erfuhr ich vom Pflegeheim, daß Frau K. unerwartet gestorben ist. Da ich nun keine Verfügungsbefugnis mehr habe, muß ich den Termin absagen.

9:00 Uhr

Statt dessen fahren wir zur Wohnung von Frau S. Dort treffen wir ihren Sohn, der die Arbeiten einer Reinigungsfirma überwacht. Mit Befriedigung stelle ich fest, daß die verdorbenen Lebensmittel und der von Frau S. lange gehortete Müll entfernt sind. Gemeinsam suchen wir nach sauberer Kleidung, die ich seiner Mutter ins Krankenhaus bringen kann. Dies gelingt uns nur teilweise. Unterwäsche muß dringend angeschafft werden.

10:00 Uhr

Wir besuchen Frau L. Sie hat sich bereit erklärt, für ihren Onkel, Herrn P., die Sachwalterschaft zu übernehmen. Ich habe Herrn P. als einstweilige Sachwalterin im Verfahren vertreten und übergebe nun Frau L. einen Ordner mit Unterlagen. Wir sprechen über die Betreuungsziele und Aufgaben der künftigen Sachwalterin. Frau L. ist sichtlich erleichtert, diese Orientierungshilfe zu erhalten. Ich bin zuversichtlich, daß sie ihre Sache gut machen wird, biete ihr aber auch an, sich bei Fragen oder Schwierigkeiten an mich zu wenden.

11:00 Uhr

Hausbesuch bei Herrn T. Da er zeitweise verwirrt ist, kann ich nicht davon ausgehen, daß ihn meine Terminankündigung auch erreicht hat. Herr T. reagiert nicht auf unser Läuten, daher klopfe ich an die Fensterscheibe. Nach einiger Zeit wird doch geöffnet, Herr T. empfängt uns freundlich. Er kann sich nicht mehr daran erinnern, daß ich ihn vor 3 Wochen schon einmal besucht habe. Ich versuche neuerlich, Herrn T. meine Funktion als einstweilige Sachwalterin zu erklären. Er hört nur, daß man ihn entmündigen will. Ich sage Herrn T. sehr deutlich, daß es seit vielen Jahren keine Entmündigung mehr gibt, bemühe mich, ihm die Vorteile einer Sachwalterschaft zu erklären. Er bleibt dabei, für ihn geht es hier um Entmündigung. Wir verabschieden uns von Herrn T. Ich hoffe, daß es mir beim nächsten Hausbesuch gelingt, ihm die Unterstützung, die er offensichtlich braucht, annehmbarer zu vermitteln.

12:00 Uhr

Krankenhausbesuch bei Frau S. Zuvor noch eine kurze Fallbesprechung mit der Sozialarbeiterin des Krankenhauses. Sie wird sich bei den behandelnden Ärzten dafür einsetzen, daß Frau S. nicht entlassen wird, bevor die notwendige ambulante Betreuung von mir organisiert ist. Frau S. freut sich über unseren Besuch. Sie verspeist schnell das mitgebrachte Obst und wundert sich über die neu gekaufte Unterwäsche. Sie möchte wieder in ihre Wohnung zurückkehren. Von einer ambulanten Betreuung will sie nichts wissen. Ich erkläre ihr, daß sie ohne Betreuung sehr rasch wieder im selben bedrohlichen Zustand sein wird, in dem ich sie vor einer Woche vorfand und ins Krankenhaus bringen mußte. Frau S. will damit nicht konfrontiert werden und flüchtet sich in Erinnerungen an ihre Jugendzeit. Ihre Bettnachbarin, die unser Gespräch zwangsläufig mitverfolgt hat, ist eine äußerst liebenswürdige Frau. Sie bemüht sich sehr, Frau S. Orientierung in der ihr fremden Umgebung des Krankenhauses zu geben. Ich hoffe, sie wird nicht vor Frau S. entlassen.

13:00 Uhr

Die Praktikantin fragt, ob wir eine Mittagspause machen. Natürlich, aber ... ich muß noch im Büro der ambulanten Altenbetreuung wegen Frau S. anrufen. Die Einsatzleiterin erklärt mir, daß sie noch keine Helferin gefunden hat, verspricht mir aber, noch heute nachmittag persönlich mit Frau S. zu sprechen, wofür ich dankbar bin. Auch beim Krankenpflegeverein hinterlasse ich auf dem Anrufbeantworter meine Betreuungswünsche für Frau S.. Danach fahren wir weiter, um bei der Tochter der verstorbenen Frau K. Wohnungsschlüssel und Dokumente abzugeben. Jetzt wird mir bewußt, daß mir Frau K. schon den ganzen Vormittag über immer wieder in den Sinn gekommen ist. Ihr Tod macht mich sehr betroffen. Sie war seit mehr als 8 Jahren Klientin der IfS-Sachwalterschaft. In diesen Jahren hat es viele Höhen und Tiefen gegeben. In den letzten 3 Jahren ist es ihr sehr gut gegangen. Frau K. erledigte fast alles selbständig. Bis vergangenen Juli, als sie durch zwei aufeinanderfolgende Hirnblutungen vollständig pflegebedürftig wurde. Frau K. war erst 59 Jahre alt, als sie nach längerem Krankenhausaufenthalt ins Pflegeheim mußte. Nach zweieinhalb Monaten im Heim ist sie nun an einer Lungenentzündung gestorben.

14:00 Uhr

Wir treffen in der Förderwerkstätte einer Behinderteneinrichtung ein. Der Werkstättenleiter führt uns herum. In jeder Gruppe werden wir freundlich willkommen geheißen. Ich nutze die Gelegenheit, um meinen Klienten Herrn Z. kurz zu besuchen. Unsere Unterhaltung gestaltet sich ein bißchen mühsam, da Herr Z. sehr wenig Deutsch spricht. Er bekommt nun einmal wöchentlich Deutschunterricht von einer muttersprachlichen Mitarbeiterin der Werkstätte und hat schon sichtbare Fortschritte gemacht. Der Werkstättenleiter erzählt, daß sich Herr Z. sehr gut eingelebt hat, es gibt absolut keine Probleme mit ihm. Ich informiere den Werkstättenleiter über die vom Rechtsanwalt verfaßte Berufung gegen das Aufenthaltverbot. Derzeit bleibt uns nur zu hoffen, daß all unsere Bemühungen um Herrn Z. nicht mit einer Abschiebung zunichte gemacht werden. Wir wissen nur zu gut, daß er ohne Betreuung nicht überlebensfähig wäre.

15:00 Uhr

In Feldkirch angekommen, haben wir endlich Zeit für ein schnelles Mittagessen. Um 15:30 Uhr sind wir im Büro der IfS-Sachwalterschaft. Die Praktikantin hat nun ein Gespräch mit unserem Leiter. Zuvor gibt sie mir noch eine Rückmeldung über den gemeinsam verbrachten Außendienst. Ihre positive Rückmeldung tut mir gut. Es kommt leider nicht oft vor, daß jemand meine unmittelbare Arbeit miterlebt.

Ich erkundige mich im Sekretariat nach eingegangenen Anrufen, schaue meine Post durch, erledige Dringendes sofort und diktiere einige Briefe und Aktenvermerke.

17:30 Uhr

Die Praktikantin schaut noch einmal bei mir herein und fragt, ob sie mich mitnehmen kann. Mein Schreibtisch ist zwar noch nicht leer, aber das Unerledigte hat Zeit bis morgen.

verfaßt von
Helga Margotti, Diplom-Sozialarbeiterin,
seit 1991 hauptberufliche IfS-Sachwalterin

 

Wir stellen vor...

Das Team der IfS Sahwalterschaft

Von links nach rechts: Mag. Florian Bachmayr, DSA Birgit Wohllaib, Mag. Veronika Öttl, Franz Kuster, Christl Vonblon, Josef Thaler, DSA Helga Margotti und Dr. Herbert Spiess