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Familie im Wandel

unehmende Scheidungsziffern und auseinanderbrechende Familien machen es unübersehbar: Die Familie befindet sich in der Krise. Dabei ist die Familie die Werkstatt für künftige Generationen: In ihr wird das Humanvermögen einer Gesellschaft gebildet. Berechtigterweise machen wir uns Sorgen, wenn wir an den Weiterbestand von Ehe und Familie als der Keimzelle unserer Gesellschaft denken. Aber: Ist die Familie wirklich vom Verfall bedroht oder dient die Krise bzw. Erschütterung der Familie einer Umwandlung? Ist Familie ebenso wie Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft einer radikalen Revision ausgesetzt? Wenn dem so ist, drängt sich die nächste Frage auf:

Was ist überholt und wie sieht der Wandel, die Wende in unserem Denken und Handeln bezüglich Familie aus? Interessanterweise gibt es heute eine enge Verbindung zwischen dem Wandel des Denkens und dem Wandel der Werte. Das Schlüsselwort wird Integration sein. War unser Denken in der westlichen Industriegesellschaft überwiegend selbstbehauptend, d.h. rational, analytisch, reduktionistisch und linear und dementsprechend die Werte auf Expansion, Konkurrenz, Quantität und Herrschaft gerichtet, so betonen neue Werte die Erhaltung, die Kooperation, die Qualität und die Partnerschaft. Das intuitive, verbindende, ganzheitliche und nichtlineare Denken wird integriert.

Was heißt das nun konkret für die Familie? Das heißt vor allem, daß wir uns um die Erhaltung der Familie sehr bemühen müssen. Es ist nicht mehr selbstverständlich, daß Familien zusammenhalten. Wir müssen mehr darüber wissen, wie sich in einer Familie jede(r) einzelne gleichberechtigt entwickeln und entfalten kann und wie man trotzdem zusammenarbeiten, zusammenbleiben und sich gegenseitig unterstützen kann. Die zunehmende Vielfalt innerhalb und außerhalb der Familie wird mehr Teamgeist als bisher erfordern. Das wiederum bedingt eine weitaus bessere Kommunikationsfähigkeit, vor allem in intimen Beziehungen. Erstrebenswert wäre eine "Beratungskultur" zwischen den Mitgliedern einer Familie, die es dann ermöglicht, kreative, schöpferische, intelligente und der Situation angepaßte Lösungen zu finden. Eine solche Kultur würde gleichzeitig Vertrautheit schaffen und die Liebe innerhalb der Familie stärken – und das ist es wohl, was den Erhalt und den Einsatz für die Familie am meisten rechtfertigt.

Gudrun Winkler ist Psychotherapeutin an der IfS-Beratungsstelle Bludenz