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IfS-Klartext:
Gezielte Beratung für Gewalttäter

Es ist ein heikles Thema, das das Institut für Sozialdienste in einem neuen Projekt aufgreift: die Arbeit mit Gewalttätern. Profitieren sollen freilich vor allem die Opfer. Schließlich findet Gewalt oft innerhalb der Familie statt, viele Täter sind Wiederholungstäter. Mag. Stefan Schäfer, der Leiter des IfS-Projekts Klartext-IfS-Gewaltberatung, weiß genau, worauf er sich einläßt. Gerade deshalb, ist ihm „überhaupt nicht wohl bei dem Gedanken“. Er wird mit Gewalttätern arbeiten, und mit deren Grausamkeiten muß auch er umzugehen lernen. Es sei keine angenehme Arbeit, für die er sich da entschieden habe, aber: „Ich möchte, daß diese Gewalt aufhört“, erzählt Schäfer. Finanziert wird das Projekt durch Umschichtungen innerhalb des Institut für Sozialdienste. Die Infrastruktur zahlt das Familienministerium.

Als Therapie will Schäfer seine künftige Arbeit nicht bezeichnen: „Wenn jemand Therapie macht, kommt er freiwillig und hat die Motivation, etwas zu verändern. Zu uns kommen die Leute in der Regel nicht freiwillig. Sie werden entweder vom Gericht zugewiesen oder kommen auf Druck von außen, zum Beispiel weil sie wissen, daß sie sonst ihre Familie verlieren“. Schwierige Voraussetzungen also für die Arbeit. Entsprechend gering ist, internationalen Erfahrungen zufolge, die Erfolgsquote. Nur gut ein Drittel der behandelten Täter wird nicht mehr rückfällig. Dennoch lohnt sich die Arbeit, die Schäfer und zwei Kollegen im IfS jeweils zehn Stunden pro Woche in Bregenz machen: „Die Therapie der Opfer kann nur so gut sein wie die Behandlung der Täter“. Gerade im Bereich des sexuellen Mißbrauchs und der Gewalt muß man davon ausgehen, daß die Täter Wiederholungstäter sind. Wie aber kann man die Gewalttäter, fast ausschließlich Männer, heilen? „Es gibt keine Heilung“, kontert Stefan Schäfer. „Sie müssen ihren Gewaltkreislauf kennenlernen und sie müssen lernen, sich in die Situation des Opfers zu versetzen. Sie müssen lernen, sich zu kontrollieren, sich selbst Stoppschilder zu setzen“.

Der Projektleiter erzählt das Beispiel eines Mannes, der einmal ein Kind sexuell mißbraucht hat: „Der geht aus dem Haus, um sich Zigaretten zu holen. Jetzt steht er vor der Entscheidung, an einer Schule vorbeizugehen oder einen anderen Weg zu nehmen. Er nimmt den Weg Richtung Schule. Bei der Schule ist eine Parkbank und er überlegt, weiterzugehen oder sich niederzusetzen. Wenn er sich niedersetzt, hat er schon zwei solcher Stopschilder überschritten. „Wie man sich solche Stopschilder setzt, wird zunächst in Einzelgesprächen, dann in Gruppen erarbeitet. Dort können sich die Gewalttäter „gegenseitig den Spiegel vorhalten“, meint Schäfer. Wie aber kommt es zur Gewaltspirale? Der Leiter der IfS-Gewaltberatung versucht eine Erklärung: „Männer müssen cool sein, dürfen von nichts abhängig sein. Sie erleben dann aber, wie sie in bestimmten Situationen ohnmächtig werden. Dann kriegen sie Angst und schlagen zu. Sich einzugestehen, daß sie selbst schuld daran sind, ist ein schwieriger erster Schritt für die Täter. „Meine Frau hat sich so blöd verhalten, daß ich sie geschlagen habe, heißt die Ausflucht dann. So werden die Opfer plötzlich zu den Schuldigen.“ Auch deshalb ist Schäfer die Arbeit mit den Tätern so wichtig.