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FAmilien STärken
FAST – Families And Schools Together

Ein Bericht von Mag. Michael Hollenstein

In der Volksschule in Koblach wurde vor wenigen Wochen ein in Österreich einzigartiges Präventionsprojekt als Pilotversuch abgeschlossen. Dieses Programm baut auf der Kooperation von Schule, Eltern und einer psychosozialen Organisation wie dem IfS auf.

Erfolgreich in Koblach und in den USA

Das FAST-Programm wurde 1988 von Dr. Lynn McDonald entwickelt und ist erfolgreich in über 27 US-Staaten, Kanada und Australien umgesetzt worden. Es wird für die Bereiche Suchtprävention, Prävention von Jugendkriminalität, Prävention von Schulversagen, Prävention von Mißbrauch und Vernachlässigung, sowie in der Familienarbeit eingesetzt. Parallel zum Koblacher FAST-Programm fanden in Deutschland zwei Pilotversuche statt, die ebenfalls sehr erfolgreich verliefen.

Wissenschaft und Hausverstand

FAST ist ein Programm, das auf der Grundlage von Ergebnissen aus namhaften wissenschaftlichen Untersuchungen aus den Bereichen der Kinderpsychologie, Familien-Stress-Theorie und der Soziologie entwickelt worden ist und dazu beitragen soll, daß Kinder innerhalb der Familie, in der Schule und in der Gesellschaft erfolgreich sein können.

Wir haben Eltern gefragt, was sie über FAST denken: „Durch die fix eingeplanten Termine nimmt man sich bewußt die Zeit für die Familie. Diese Zeit ist wesentlich intensiver als es oft im Alltag der Fall ist. Im Alltag wird vieles oft zu alltäglich und eins geht ins andere über, ohne daß man es bemerkt. Hier gibt es nur Familie. Ich hoffe, man kommt auch an solche Familien heran, denen diese Zeit oft fehlt, Familie zu leben. Gut wäre es, wenn FAST weitergeführt und viele diese Gelegenheit nützen würden, um dabei zu sein. Wichtig ist, Familien zu stärken, denn nur starke Familien bieten den Kindern den nötigen Halt, den sie brauchen. FAST bietet hier tolle Möglichkeiten.“

Schutzfaktor Familienzusammenhalt

Grundlegend dabei ist die Erkenntnis, daß ein besonderer Schutzfaktor für die gesunde kindliche Entwicklung der Grad des Familienzusammenhaltes ist. Dieser kann verbessert werden, indem die Eltern und ihre Familien gestärkt werden und Unterstützung durch ein soziales Netzwerk erhalten, und indem den Risikofaktoren Stress, Alkohol- bzw. Drogenmißbrauch durch Kinder oder Eltern und dauerhaftem Konflikt innerhalb der Familie entgegengewirkt wird.

Schule, Eltern und IfS arbeiten zusammen

Das Team, das das Programm mit den Familien in Koblach durchführte, bestand aus den LehrerInnen Daniela Fessler und Hannes Rothmund, dem Elternvertreter Wolfgang Ofner und mir als Psychologen des IfS. Unser Team wurde schliesslich noch verstärkt durch Martha Meusburger als Mutter, der Pädagogikstudentin Brigitte Grabher und dem Zivildiener der Beratungsstelle Feldkirch – und im Grundberuf Hauptschullehrer – Thomas Dünser.

Die Familien wurden von der Schule eingeladen, an gemeinsamen Treffen mit ca. 8 anderen Familien teilzunehmen. Diese Treffen fanden wöchentlich über einen Zeitraum von acht Wochen statt, und folgten einem gleichbleibenden, strukturierten Ablauf, der auf Techniken aus der Familientherapie basiert und jedesmal eine gemeinsame Mahlzeit, Singen, Spiele, einem Elterngesprächskreis, eine besondere Spielzeit mit dem einzelnen Kind und eine Lotterie beinhaltet.

Sehr positive Effekte

Die Effektivität des Programms wird durch Tests vor und nach der Durchführung überprüft. Dabei zeigen sich in der Bewertung durch Eltern und Lehrer statistisch signifikante Verbesserungen der Werte für das Verhalten der Kinder in der Schule und Zuhause, für die Aggressivität, das emotionale Wohlbefinden und die Konzentrationsspannen der Kinder.

FAST macht Spaß

Das Besondere an FAST ist, daß es kein didaktisches, lehrendes Programm ist. FAST macht Spaß, und die Eltern erfahren in einer angenehmen, entspannten Umgebung und auf spielerische Art, wie eine positive Interaktion innerhalb der Familie stattfinden kann. Die erzieherische Kompetenz der Eltern wird dabei durch das Team ebenso wie durch den Austausch mit anderen Eltern unterstützt und gefördert.

Neue Netzwerke

Nach Ablauf des achtwöchigen Programms folgen zwei Jahre FASTWORKS, in denen sich die Familien einmal monatlich in eigener Regie treffen. Hier erhalten die Familien die Chance, das im Laufe der acht Wochen entstandene soziale Netzwerk weiter zu entwickeln und die positiven Effekte des Programms aufrecht zu erhalten. In Koblach haben alle 8 Familien, die am 8-Wochenprogramm teilgenommen hatten, sich entschlossen, sich in Zukunft weiter zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Damit auch in Zukunft FAST-Programme in Vorarlberger Schulen angeboten werden können, ist es notwendig, FAST-Teams auszubilden. Ich habe die Trainer-Ausbildung in den USA absolviert. Damit sind die Grundvoraussetzungen gegeben, daß dem erfolgreichen Pilot weitere Programme an Vorarlberger Schulen folgen.

Detaillierte Informationen:
Mag. Michael Hollenstein,
IfS-Beratungsstelle Hohenems, Bahnhofstrasse 28, 6845 Hohenems,
Tel. 05576-73302, Fax DW 20,
E-Mail: hollenstein.michael@ifs.a