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Institut für Sozialdienste verstärkt Aktivitäten in der Gewaltthematik und für Prävention

Zwei inhaltliche Schwerpunkte hat sich das Institut für Sozialdienste für das laufende Jahr gesetzt: Die Themen Gewalt und Prävention sollen künftig noch intensiver bearbeitet werden. Gegenüber den Hilfesuchenden wird auch der Service weiter verbessert.

Zwei neue Projekte des Institut für Sozialdienste widmen sich heuer dem immer brisanter werdenden Thema Gewalt: „Klartext“ heißt die Gewaltberatung, die seit einigen Wochen bei der Beratungsstelle des Institut für Sozialdienste in Bregenz situiert ist. Hier werden Gewalttäter, zu 98 Prozent Männer, gezielt mit den Folgen ihrer Taten konfrontiert. (Näheres siehe auch Seite 9) Gleichzeitig laufen derzeit die Vorbereitungen für die Eröffnung der Interventionsstelle des IfS in Feldkirch. Mitte des Jahres soll sie ihren Betrieb aufnehmen. Aufgabe ist es, Opfern von Gewalt rasch zu helfen. „Die Interventionsstelle wird eng mit der Exekutive und den Gerichten zusammenarbeiten. Gerade die Exekutive sieht bei ihren Einsätzen, wo und wann Hilfe rasch nötig ist“, erklärt IfS-Geschäftsführer Dr. Stefan Allgäuer die Intention. Daß sowohl Opfer als auch Täter in neuen Projekten betreut werden, ist kein Zufall. „Das sind zwei Ansatzpunkte für das selbe Ziel“, meint Allgäuer. „Man kann nicht nur beim Schutz der Opfer ansetzen, sondern muß auch bei den Tätern etwas verändern.“

Mehr Prävention
Zweiter inhaltlicher Schwerpunkt des Institut für Sozialdienste wird heuer der Bereich Prävention. „Seit Jahren steigt die Zahl der Hilfesuchenden in unseren IfS-Beratungsstellen“, erklärt Geschäftsführer Allgäuer. „Dem wollen wir mit präventiver Arbeit bewußt etwas entgegensetzen“. Auch hier stehen konkrete Projekte an:

  • FAST• steht für „Families and Schools together“, kommt aus den USA und wird an der Volksschule Koblach erstmals in Vorarlberg umgesetzt. (Näheres siehe Seite 14.)
  • In Vorbereitung sind die „Love Talks“ Liebesgespräche also. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche ab einem Alter von zirka zehn Jahren. „Sexualerziehung im weitesten Sinne“ soll dort im Rahmen von Schulklassen oder Jugendgruppen betrieben werden. Anlaß war unter anderem die Abtreibungsdebatte der letzten Monate. Allgäuer ist überzeugt: „Hier können wir nur über Bewußtseinsbildung, Aufklärung über Verhütung weiterkommen“.

Steigende Zahl an Hilfesuchenden
Die Präventionsaktivitäten des Institut für Sozialdienste sind tatsächlich dringend nötig. Denn allein 1998 haben 18.076 Klienten und Klientinnen die Dienste des IfS in Anspruch genommen, mehr als je zuvor. 1997 lag die Zahl erst bei 16.500 Hilfesuchenden. Gleichzeitig stieg der Umsatz um nur zwei Prozent von 113,8 auf 116 Millionen Schilling. Auch für heuer sind nur knapp drei Prozent mehr budgetiert. Das Institut für Sozialdienste als immer größer werdende Sozialeinrichtung? Allgäuer winkt ab: „Wir haben unser Angebot insgesamt nicht ausgebaut.“ Wie also sind Steigerungsraten bei der Zahl der Klienten von fast zehn Prozent zu erklären? Und vor allem: Wie sind sie zu verkraften, wenn die Budgetsteigerungen kaum die Gehaltserhöhungen der Mitarbeiter abdecken? Die Antwort ist mehrschichtig: „Wir haben einen, auch selbst gestellten Versorgungsauftrag zu erfüllen. Deshalb führen wir mit allen Hilfesuchenden ein erstes Gespräch. Wir können aber nicht mehr mit allen gleich in eine Behandlung gehen. Wir können sie aber informieren, sie zum Beispiel an niedergelassene Psychologen weitervermitteln. Und zum Teil bedeutet das einfach auch Wartezeiten“, meint der IfS-Geschäftsführer. Zusätzlich versuchen die Mitarbeiter immer mehr, ähnlich gelagerte Probleme zusammenzufassen. Ein Beispiel: Grundsätzliche Informationen über den Umgang mit Schulden und über den Privatkonkurs gibt es heute bei Informationsabenden der IfS-Schuldenberatung und nicht mehr in Einzelgesprächen. Auch in anderen Bereichen werden Gruppenangebote forciert.

Ein Teil der Steigerungsraten ist schließlich ganz profan zu erklären: Der Trend bei den Behandlungen geht dazu, immer mehr auch das Umfeld einzubeziehen. Allgäuer, selbst ausgebildeter Psychologe: „Früher ist eine Mutter mit einem schwierigen Kind zu uns gekommen und dann war einfach das Kind der Patient. Heute werden Eltern, Lehrer, etc. in die Behandlung einbezogen, was natürlich die Zahl der Betreuten weiter steigen läßt“.

Wer Hilfe braucht, bekommt sie auch
Der IfS-Geschäftsführer ist aber überzeugt: „Wer Hilfe wirklich braucht, bekommt sie von uns auch. Und wer Hilfe schnell braucht, bekommt sie schnell.“ Dazu beitragen sollen auch organisatorische Verbesserungen im Institut für Sozialdienste. So werden die Beratungsstellen in den vier Bezirkshauptstädten Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz zu Anlaufstellen ausgebaut, die von Montag bis Freitag jeweils acht Stunden lang einen IfS-Bereitschaftsdienst mit qualifiziertem Personal haben, wo Menschen in Not und Krisen unmittelbar eine Erstberatung erhalten. Das bedeutet immerhin 2000 Stunden Präsenz pro Bezirkshauptstadt und Jahr. Diese Anlaufstellen sollen eine „ganz qualifizierte Verteilerfunktion“(Allgäuer) übernehmen, also die Hilfesuchenden sofort an die richtigen Stellen im vielfältigen sozialen Angebot in Vorarlberg weitervermitteln. In akuten Fällen werden sie auch selbst tätig.