Ein Überblick

 

Jeder Jahresbericht bietet Anlaß, Bilanz zu ziehen. Das Jahr 1996 war in der sozialpolitischen Diskussion von Unsicherheiten und Veränderungen geprägt. Dies gilt teilweise auch für das Institut für Sozialdienste. Einerseits erfahren wir tagtäglich, daß es immer mehr Menschen gibt, die in psychosozialen Krisen oder in Notsituationen dringend unser Angebot benötigen, andererseits hört man oft die Infragestellung von sozialen Dienstleistungen. Dieser gesellschaftspolitischen Unsicherheit möchten wir mit Fakten in diesem Jahresbericht begegnen.

In unserer vielfältigen Arbeit ist uns immer der einzelne Mensch, die Familie, das Paar - "unser Klient" - das wichtigste. Jeder Klient, der unsere Dienste und Hilfen in Anspruch nimmt, hat Anspruch auf Achtung, auf Schutz seiner privaten Sphäre, auf fachlich kompetente (Ab)Klärung und bei Bedarf auf seriöse Behandlung bzw. Weitervermittlung. Wir können nicht die Lösung aller Probleme versprechen, schon gar nicht Problemlösungen den Klienten abnehmen. Aber es entspricht unserem Anspruch an Qualität unserer Arbeit, daß wir unsere Hilfen so rasch, so qualifiziert und so effizient wie möglich anbieten.

Die Inanspruchnahme unseres umfangreichen psychosozialen Angebotes war auch im Jahre 1996 sehr hoch. Über 13.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger haben unsere Leistungen in Anspruch genommen. Weitere Erläuterungen und Differenzierungen zu dieser Zahl entnehmen Sie dem statistischen Teil dieses Jahresberichtes.

Ich möchte einen kurzen Überblick über die Neuerungen und Veränderungen, die sich im vergangenen Jahr im Institut für Sozialdienste ereignet haben, geben.

 

Psychologische Beratung für Kindergärten landesweit ausgebaut:

Mit Herbst 1996 wurde dieses Angebot an Kindergärten, das seit 1993 in einer Pilotphase im Bezirk Feldkirch erprobt wurde, auf alle Landesteile ausgeweitet. Über die Beratungsstellen der jeweiligen Region sind PsychologInnen direkt ansprech- und abrufbar, wenn Kindergärtnerinnen bei den Kindern im Kindergarten auffälliges Verhalten feststellen, besondere Schwierigkeiten im psychosozialen Bereich beobachten. Gemeinsam mit den Eltern, den Kindergärtnerinnen und dem Kind erfolgt eine Abklärung und gegebenenfalls die Zuweisung zur erforderlichen Behandlung. Mit diesem landesweiten Ausbau sichern wir ein effizientes Screening der Kinder im Kindergartenalter in Bezug auf psychosoziale Auffälligkeiten.

 

Aktion gegen Gewalt an Frauen

"Mir reicht's" hieß eine Aktion, die das Institut für Sozialdienste in Zusammenarbeit mit Radio Vorarlberg durchgeführt hat. Es ist leider eine Tatsache, daß - nach seriösen statistischen Zahlen - jeder fünften Frau Gewalt angetan wird. Viele können das nicht glauben, viele wollen das nicht glauben. Dieser Tatbestand war Ausgangspunkt dieser Aktion. Sechs Wochen stand das Tabuthema "Gewalt an Frauen" in der Öffentlichkeit. Kernpunkt war neben zahlreichen Einschaltungen im Radio, im Fernsehen und in den Printmedien eine Telefon-Hotline. Rund um die Uhr konnten betroffene Frauen, aber auch Männer, bei Fachpersonen anrufen. Diese Aktion wurde in Zusammenarbeit mit der Telefonseelsorge Dornbirn organisiert. Über 180 AnruferInnen haben dieses Angebot genützt.

 

Dritter landesweiter Wettbewerb "Menschengerechtes Bauen"

Zum dritten Mal konnten wir 1996 zusammen mit der Redaktion der Vorarlberger Nachrichten den Wettbewerb "Menschengerechtes Bauen" durchführen. Federführend war dabei Ing. Hermann Mayer von der IfS-Beratungsstelle "Menschengerechtes Bauen". Eine fachkompetente Jury mußte dabei aus über 160 eingereichten Objekten die entsprechenden Sieger auswählen. Dieser Wettbewerb war wieder landesweit eine wichtige Aktion zur Bewußtseinsbildung.

10 Jahre IfS-Sachwalterschaft

Vor 10 Jahren hat das Institut für Sozialdienste im Auftrag des Justizministeriums die Sachwalterschaft in Vorarlberg aufgebaut. In der Zwischenzeit sind 130 ehrenamtliche SachwalterInnen und 8 hauptamtliche Mitarbeiter im ganzen Lande tätig. Eine eigene Informationsbroschüre zum Thema "Sachwalterschaft" wurde herausgebracht.

Dezentralisierung der Angebote

Im Sinne der Prävention ist das Institut für Sozialdienste weiter bestrebt, noch näher an die betroffenen Frauen und Männer heranzukommen. In enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden des Klostertales, allen voran der Gemeinde Dalaas, ist im Gemeindeamt Dalaas eine eigene Außenstelle der Beratungsstelle Bludenz installiert worden. Personell müssen solche Entwicklungen mit bestehenden Ressourcen, in diesem Falle aus der Beratungsstelle Bludenz umgesetzt werden.

 

IfS und Europa

Das Institut für Sozialdienste ist im Jahr 1996 bei EU-Projekten wieder offensiv geworden. Vor allem im Behindertenbereich, aber auch bei der Jugendberatungsstelle Mühletor sind konkrete Projekte umgesetzt worden. Ein weiterer Schwerpunkt war eine intensive Mitarbeit beim HELIOS II-Programm der Europäischen Union. In Gaschurn fand diesbezüglich eine europaweite Fachexpertentagung statt.

 

Ambulant betreutes Wohnen

Die Fachgruppe "Sozialpädagogik" setzte das Projekt "Ambulant betreutes Wohnen für Jugendliche" in die Tat um. Hintergrund der Überlegungen war es, die Lücke zwischen einer vollstationären Betreuungsform (Wohngemeinschaft) und der eigenständigen Lebensgestaltung für Jugendliche nach deren Entlassung zu schließen. Dieses bereits 1995 begonnene Konzept hat sich im vergangenen Jahr bewährt und gefestigt.

 

Arbeitsgemeinschaft Wohnnetz

Auf Initiative des IfS haben sich Gemeinden im Rheindelta, die Vogewosi und die Bezirkshauptmannschaft Bregenz zu einer Arbeitsgemeinschaft Wohnnetz zusammengeschlossen. Dabei geht es vor allem darum, daß die Kommunen auf regionaler Ebene bei der Wohnungsbeschaffung für Menschen in Not enger zusammenarbeiten.

 

Qualität und Qualitätssicherung im IfS

Ein weiterer Schwerpunkt in unseren Bemühungen ist die Sicherung der Qualität unserer Arbeit für die Klientinnen und Klienten. Das Institut für Sozialdienste hat in den einzelnen Arbeitsbereichen viele Maßnahmen dazu gesetzt. In einer eigenen, internen Arbeitsgruppe wird seit über ein Jahr an übergreifenden IfS-Kriterien zur Qualität gearbeitet.

 

Plattform für Gesundheitsförderung

Das Institut für Sozialdienste hat die Koordination in der von der Vorarlberger Landesregierung ins Leben gerufene Plattform "Gesundheitsförderung". Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit ist ein Ganzes. Zu ihr gehören neben den körperlichen, auch emotionale, soziale und psychische Faktoren. Es geht in der Arbeit vor allem darum, die Arbeit an der Gesundheit und für die Gesundheit bewußter und öffentlicher zu machen: dies geschah durch die Herausgabe der Projektmappe "Erhebung von Programmen, Projekten und Aktivitäten" der Gesundheitsförderung in Vorarlberg. Weiters durch die Initiierung und Koordinierung von Projekten im Bereich Gesundheitsförderung mit Schwerpunkt "Kindergarten und Schule".

Für die Arbeit in diesen und vielen anderen Aufgabenbereichen, insbesondere für die tagtägliche mit jedem einzelnen Klienten, der unsere Dienste in Anspruch nimmt, möchte ich mich insbesondere bei allen haupt-, neben- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und Mitarbeitern des IfS bedanken - ihre Arbeit ist es, die unsere Qualität ausmacht. Bedanken möchte ich mich auch bei allen, die unsere Arbeit durch die Rahmenbedingungen ermöglichen:

 

Dr. Stefan Allgäuer
IfS-Geschäftsführer

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