jahresbericht

IfS-Jugendberatung Mühletor/Streetwork
„Essen, Duschen und Tschüss“ – Pubertät,
die Zeit, in der Erwachsene schwierig werden?
Zu sehr mit sich selbst beschäftigt, Angst, über die Grenzen der Kinder „zu latschen“, oder schlicht „zu anstrengend“. Immer mehr Eltern ziehen sich auf Grund von Verunsicherung aus ihrer Erziehungsverantwortung zurück. Diese Erfahrung machen wir in der IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Eltern zu motivieren sich mit ihren Kindern auseinander zu setzen, Stellung zu beziehen und auf sie zu reagieren. Kinder und Jugendliche brauchen das – sie suchen förmlich die Auseinandersetzung mit ihren Eltern und uns Erwachsenen. Oft fallen Kinder und Jugendliche deshalb auf, weil sie sonst niemand auffallen.


Wunsch nach Freiheit
Jugendliche haben in unserer heutigen Zeit sehr stark das Bedürfnis „Freiheit“ zu erleben. Um ihnen diesen Wunsch zu erfüllen, ist es wichtig, dass wir Grenzen setzen. Grenzen setzen heißt, sich mit ihnen auseinander zu setzen, ins Gespräch zu kommen, den Dialog zu wagen. Denn nur wenn wir mit ihnen in Kontakt sind, können wir sie erreichen. „Freiheit“ können Jugendliche nur dann finden, wenn wir Erwachsene bereit sind, auch Grenzen zu setzen. Aber genau hier beim Grenzen setzen beginnen die Schwierigkeiten. Erwachsene und Eltern scheuen sich oft ihre Grenzen sinnvoll – nachvollziehbar – und in Auseinandersetzung zu ziehen. Wir meinen hier nicht Verbote, die immer wieder den Reiz bergen übertreten zu werden, sondern Auseinandersetzung und die Verantwortung des Jugendlichen ansprechen. Jugendliche haben positive Imagebegriffe wie Flexibilität, Offenheit, Ehrlichkeit, Dynamik, Spontaneität usw. für sich gepachtet. Wir Erwachsene in unserem „Jugendwahn“ eifern diesen Attributen in allen unseren Lebenslagen nach. Wir wollen locker und dynamisch erscheinen und so präsentieren wir uns. Wer locker ist, setzt keine Grenzen. Erziehung wird als Überforderung erlebt. Wir erleben dies täglich in unseren Beratungen. Werte zu vermitteln ist altmodisch.

Jugendliche brauchen Orientierungsvorgaben
Kinder und Jugendliche brauchen aber Orientierungsvorgaben. Sie benötigen unsere Begleitung. Sie möchten Antworten auf Fragen, nicht Verbote und Regeln, sondern Auseinandersetzung. „Gefühle und Auffälligkeiten“ der Kinder werden oft als Widerstand interpretiert und nicht als Aufruf zu Nähe. Folgende These sei erlaubt: „Je mehr unsere Kinder fordern, desto mehr ziehen sich Erwachsene zurück und beschränken sich darauf, materielle Güter zur Verfügung zu stellen.“

790 Menschen suchten Rat & Hilfe
Im Jahr 2003 haben sich 790 Menschen Rat bei der IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor geholt. 60 % unserer Anmeldungen in der IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor kommen von Eltern, die Schwierigkeiten mit ihren pubertierenden Kindern und Jugendlichen haben. Dabei geht es häufig um allgemeine Erziehungsfragen, Schul- und Ausbildungsfragen, Drogenprobleme, Schwierigkeiten nach Trennungen der Eltern oder um Gewalt. Die Jugendlichen wiederum wenden sich an uns, weil sie Probleme mit sich/mit ihrer Freundin/den Eltern/Lehrern/Ausbildnern... haben und nach Lösungen suchen. Im Streetworkbereich waren wir 552-mal mit Gruppen in Kontakt, begleiteten 333 Jugendliche durch ihre Krisen und lernten 475 „neue“ Jugendliche im Erstkontakt kennen. Im Hauptschulprojekt, welches die IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor in Kooperation mit der Volkshochschule Götzis durchführt, werden heuer 15 Jugendliche versuchen, das Schuljahr 2003/2004 positiv abzuschließen. Der Walgausozialarbeiter, der in Kooperation mit acht Walgaugemeinden die Jugendarbeit mitgestaltet, konnte 668 Erstkontakte und 230 Gruppenkontakte im Arbeitsjahr 2003 bewältigen. Gemeinsam mit Jugendlichen, Eltern, Gemeinden, Schulen oder anderen Systempartnern versucht die IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor, Handlungsstrategie zu Themen wie Drogen, Gewalt, Alkohol zu erarbeiten. Oft entstanden daraus gemeinsame Projekte. Vielleicht sollten wir uns abschließend vergegenwärtigen, dass Jugendliche, die schwierig sind, es vielleicht schwierig haben. Nachfragen könnte ein erster Schritt zum Kontakt sein.


DSA Arno Dalpra
Leiter der IfS-Jugendberatungsstelle Mühletor und Streetwork

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