jahresbericht

IfS-FrauennotWohnung
Wasserlauf


Die FrauennotWohnung ist ein sicherer Ort für Frauen und deren Kinder, die sich bedroht und verfolgt fühlen, die Gewalt ausgesetzt waren und die Schutz und Unterstützung, Ruhe und Neuorientierung brauchen.


Wer gerne wandert, kennt auch den Ursprung des Wassers in unserem Land. Häufig entspringt es den Quellen der Berge, Gletscher speisen diese. Wer gegen den Strom läuft, sieht, dass breite, träge oder gar reißende Flüsse an ihrem Beginn sanft und verspielt sein können. Man hält sich gerne darin auf, kühlt sich in ihnen nach einer anstrengenden Wanderung, lässt sich am Ufer eines solchen Baches gern nieder. Viele Beziehungen beginnen so. Verspielt, verliebt, voller gegenseitiger Zuwendung. Im Laufe eines Beziehungslebens ebenso wie im Verlauf eines Flusses kann viel passieren, das dieses erste Bild stört, manchmal auch zerstört. Wenn im Einzugsgebiet des Flusses ein Schlagwetter niedergeht, wenn eine allzu rasche Schneeschmelze so viel Wasser bringt, dass das Flussbett dieses nicht mehr fassen kann, wenn die Gewalten des Wassers nicht mehr zu bändigen sind, muss rasch gehandelt werden.
Wenn das Wasser nicht mehr tränkt und Leben stiftet, sondern dieses zerstört, dann sind alle Kräfte gefordert dem entgegenzutreten, das Wasser in seine Schranken zu weisen, Dämme zu errichten, Menschen von einer auf die andere Minute vor den Gefahren des Wassers zu retten. Manchmal muss dann der Mensch noch größere Konsequenzen ziehen und den nahen Flusslauf für immer verlassen, weil sich das Wasser zwar für den Moment, aber nicht auf Dauer beruhigt hat.

So geht es den Mitarbeiterinnen der IfS-FrauennotWohnung und vor allem den Frauen mit ihren Kindern, die darin Zuflucht suchen: Oft ist rasches Handeln notwendig. Zu warten, bis sich ein gewalttätiger Mann, der zu Beginn der Partnerschaft zärtlich und liebevoll war, von allein beruhigt hat, führt zu noch größeren Kränkungen, Qualen und Verletzungen. Dabei ist entscheidend, ob sich das Opfer bedroht fühlt und nicht ob die Umgebung noch zuwarten würde. Das ist die Aufgabe der IfS-FrauennotWohnung: Zu helfen, wenn sie gebraucht wird, da zu sein, wenn eine Frau Opfer von Gewalt wird.

Wenn Frauen in der Frauennotwohnung leben, wird gemeinsam mit ihnen auch ihr zukünftiges Leben geplant. Bei vielen wird dabei klar, dass sie nicht mehr in ihre frühere für sie gefahrvolle Umgebung zurück können. Auch wenn der Mann vorgibt, wieder zu einem ganz sanftmütigen, verständnisvollen Partner geworden zu sein. Manche Flüsse kann man nicht in ein Bett zwingen, man muss möglichst weit von ihnen entfernt neu bauen, um nicht beim nächsten Hochwasser wieder Gefahr zu laufen zu ertrinken. Diese Entscheidung ist für viele Frauen eine ganz schwere, mitunter nicht allein zu treffende. In vielen Gesprächen wird Sorge getragen, dass sich Frauen in der geschützten Umgebung frei von Druck und Gefährdung neu entscheiden können. Um dies auch für deren Kinder zu garantieren, wurde das Angebot im Kinderbereich neu organisiert und gestaltet. Kinder haben ebenso wie ihre Mütter das Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

Zusammenfassung:

Die Beratungen (telefonische, ambulante und Nachbetreuung) im Jahr 2003 haben um 30 % zugenommen. Nachbetreuungskontakte und ambulante Beratungen von Frauen, die in der FrauennotWohnung waren, befinden sich im Steigen.


DSA Tanja Breuß
Leiterin der IfS-FrauennotWohnung

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