jahresbericht

IfS-Familienarbeit
„Wir fangen an, wenn's nicht mehr weiter geht, …“
... und sehr oft kann die Not der Kinder doch gewendet werden!

Familiensituation beim Einsatz der IfS-Familienarbeit: Mutter lebt mit ihren 3 Kindern und dem neuem Lebensgefährten in einer Sozialsiedlung. Sie wirkt depressiv und antriebslos. Der 13-jährige Norbert besucht (unregelmäßig) die 2. Klasse HS, die Schulaufgaben werden nicht gemacht und die LehrerInnen beklagen seine aggressiven Übergriffe auf andere Schüler. Zum leiblichen Vater hat er keinen Kontakt. Nicole geht in die 1. Klasse VS. Die Lehrerin klagt über ihr häufiges Zuspätkommen. Es fällt ihr auf, dass sie kaum eine Jause dabei hat und schlecht gekleidet ist. Marisa besucht den Kindergarten – allerdings selten – und ist oft weinerlich und nicht in die Gruppe integriert. Der Lebensgefährte ist alkoholabhängig, immer wieder längere Zeit ohne Arbeit, gewalttätig und hoch verschuldet. Bei 537 Kindern und deren 279 Familien haben wir im vergangenen Jahr die akute Not der Kinder – sie wurden uns wegen Gefährdung ihres Wohls von den Jugendämtern Feldkirch und Bludenz zugewiesen – abgewendet oder verringert.

Von den 118 Familien, bei denen wir im Jahr 2003 unseren Einsatz beendeten, konnte nach Einschätzung durch unsere MitarbeiterInnen in 81% unser Ziele ganz oder teilweise erreicht werden. Wir haben erreicht, dass die Eltern ihre Verantwortung für die Kinder wieder mehr oder effektiver in die Hand nahmen. Bei 14% der Kinder konnte ihre Gefährdung allerdings nur dadurch abgewendet werden, dass sie in einer Pflegefamilie oder einer vollstationären Einrichtung untergebracht wurden.

Nicht reich, aber trotzdem gesund!
Unter diesem Titel wurde in diesem Jahr von der IfS-Familienarbeit ein großes Gesundheitsprojekt geplant. Es wird von 2004 bis 2008 durchgeführt werden. Die IfS-Familienarbeit bezieht für dieses Projekt die IfS-Schuldenberatung, das Vorarlberger Kinderdorf, den Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin und die Stiftung Maria Ebene mit ein.

Gesundheitsförderung soll nun jenen Menschen nahe gebracht werden, die sozio-ökonomisch benachteiligt in unserer Gesellschaft leben. Die Familiendienste und die Schuldenberatung des IfS haben es hauptsächlich mit solchen Menschen zu tun. Und eines ist unbestritten und vielfach belegt: Armut macht auch krank.
• Wer arm ist, stirbt früher (~7 Jahre).
• Wer arm ist, erkrankt eher schwer, verunfallt häufiger und ist häufiger von Gewalt betroffen.
• Wer arm ist, ist stärker gesundheitsgefährdenden Umweltbedingungen ausgesetzt.
• Wer arm ist, arbeitet unter höheren physischen und psychischen Belastungen.

Dabei führt die gesellschaftliche Entwicklung zur Zeit zur Armutsgefährdung von immer mehr Menschen. Der persönliche Kontakt, den die IfS-Familienarbeit und die anderen beteiligten Einrichtungen zur „armen“ Bevölkerungsschicht haben, soll im neuen Projekt genutzt werden, um sie vom Sinn der Gesundenuntersuchung, von der Nutzung der vorhandenen Gesundheitsdienste, von gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung etc. zu überzeugen. Finanziert wird das Projekt vom „Fonds Gesundes Österreich“ und vom „Fonds Gesundes Vorarlberg“. Das Projekt soll auch als effektives Beispiel für die Nutzung von Synergieeffekten zwischen psychosozialen und Gesundheits-Institutionen gesehen werden.


Dr. Hubert Löffler
Geschäftsführer der IfS-Familienarbeit

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