jahresbericht

IfS-Sachwalterschaft
Alles fließt
„Frau Mayer*, geboren 1912, wurde nach einem Pflegeurlaub kurzfristig im Sozialzentrum fix stationär aufgenommen. Eine Rückkehr nach Hause wird auf Grund des Betreuungs- und Pflegeaufwands nicht mehr möglich sein. Frau Mayer hat keinerlei Angehörige oder ihr nahe stehende Personen. Sie selber sieht sich nicht im Stande, sich um ihre finanziellen Angelegenheiten und persönliche Anliegen zu kümmern. Wir bitten daher um Prüfung der Bestellung eines Sachwalters.“

„Herr Huber*, geboren 1981, wohnhaft im Lebenshilfe-Wohnhaus, ist geistig behindert. Tagsüber ist er im Qualifizierungsprojekt betreut und beschäftigt. Die Eltern sind kürzlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen, er ist das einzige Kind. Er selbst ist nicht in der Lage, Entscheidungen im finanziellen Bereich zu treffen (Handyschulden, Versandhausbestellungen). Wir ersuchen Sie, rasch einen Sachwalter zu bestellen.“

*Name geändert.

So oder ähnlich lauten die Anregungen auf Bestellung eines Sachwalters. Angehörige, Behörden, Sozialeinrichtungen wenden sich mit diesem Hilferuf an das zuständige Bezirksgericht. Wenn die Voraussetzungen vorliegen – geistige Behinderung oder psychische Krankheit – werden in den meisten Fällen nahe stehende Personen zum Sachwalter ernannt. Damit sie dieses Amt auch gut ausüben können, bietet die IfS-Sachwalterschaft eine Info-Broschüre „Wissenswertes zur Sachwalterschaft“ und persönliche Beratung an. Der AK-Kurs „Anleitung für Sachwalter“ an 2 Abenden rundet das Angebot für Angehörige ab (2003 fanden 5 Kurse mit insgesamt 80 TeilnehmerInnen statt).

Wenn keine geeignete nahe stehende Person vorhanden ist oder – ausnahmsweise – nicht ein Anwalt oder Notar zum Sachwalter bestellt wird, fragt das Gericht bei der IfS-Sachwalterschaft nach: Das war im vergangenen Jahr 169 -mal der Fall. Insgesamt wurden 552 KlientInnen von den 9 hauptberuflichen und 173 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der IfS-Sachwalterschaft betreut, 9 % mehr als im Vorjahr!

Diese Steigerung war nur verkraftbar, weil auch 2003 wieder 33 neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen aufgenommen wurden. Nach einem Info-Abend, einem Erstgespräch und dem Grundkurs an 6 Abenden konnten sie ihre/n KlientIn/nen kennen lernen. 67 KlientInnen wurden 2003 von den hauptberuflichen an ehrenamtliche IfS-SachwalterInnen zur weiteren Betreuung übergeben. Per Jahresende waren mit 279 mehr als zwei Drittel der KlientInnen ehrenamtlich betreut! Die Ehrenamtlichen werden von einem/ einer hauptberuflichen IfS-SachwalterIn in regionalen Teams angeleitet, sie erhalten Fortbildung, Spesenersatz und sind haftpflichtversichert.


Dr. Herbert Spiess
Leiter der IfS-Sachwalterschaft

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