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ifs: Sichtbare Armut - unsichtbare Armut

Sichtbare Armut - unsichtbare Armut

Röthis, den 28. Februar 2011

Lesung im Dunkeln

Eine gemeinsame Veranstaltung der ifs Schuldenberatung, der Stadt Dornbirn, des Stadtarchivs Dornbirn und des Vorarlberger Blinden- und Sehbehindertenverbands

Arm zu sein bedeutet historisch betrachtet auch gesichtslos zu sein. Informationen über arme Menschen werden fast nur durch Statistiken, Armenfondsabrechnungen oder Verordnungen überliefert. Individuen, deren Schicksal interessant wäre, sind nur schwer fassbar. Und bis heute hat sich nicht viel geändert. Oder kennt jemand - außer den MitarbeiterInnen der Sozialbehörden oder der Sozialen Institutionen - die Gesichter der 460.000 Menschen, die in Österreich von Armut betroffen sind? Oder gar die 140.000 mit betroffenen Kinder und Jugendlichen?


Um den oben genannten Zahlen ein Gesicht zu geben, veranstalten das Stadtarchiv Dornbirn und die ifs Schuldenberatung am 10. März 2011 um 19.30 Uhr im neuen Rathaus Dornbirn einen außergewöhnlichen Abend. Im Rahmen einer Lesung in völliger Dunkelheit werden blinde und sehbehinderte Menschen - Herta Gächter, Dietmar Habisch, Silvia Habisch, Karlheinz Ritter und Julia Schneider - Texte und Fallbeispiele von Armutsbetroffenen aus der Vergangenheit und der Gegenwart vortragen. Anhand weniger historischer Quellen sollen jene Menschen, die hinter den Fakten stehen, erkennbar und Personen, die heute von Armut betroffen sind, sichtbar gemacht werden, ohne deren Integrität oder Anonymität zu verletzen.

Als Ambiente wurde bewusst Dunkelheit gewählt, um so äußere Reize zu vermeiden. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sollen sich voll und ganz auf die Armutsgeschichten konzentrieren können und der Text sowie die darin beschriebenen Menschen und Schicksale sollen im Vordergrund stehen.


"Armut ist so vielfältig, wie Menschen es sind", weiß Peter Kopf, Geschäftsführer der ifs Schuldenberatung und Mitinitiator dieser Veranstaltung. "Armut nur auf  einen Mangel an Einkommen zu reduzieren, würde der Lebenssituation von Armen nicht gerecht werden. Um Armut zu bekämpfen, ist es wichtig, sich nicht zu verzetteln. Gleichzeitig muss aber den verschiedenen Gesichtern von Armut Rechnung getragen werden."


"Eher kommt ein Reicher in den Himmel als ein Armer in ein Geschichtsbuch"

"Für jeden Historiker, jede Historikerin und für ein Stadtarchiv im Besonderen ist die Darstellung von Armut eine ganz besondere Herausforderung", erklärt Werner Matt, Leiter des Stadtarchiv Dornbirn. "In Umkehrung eines bekannten Bibelzitats kommt eher ein Reicher in den Himmel als ein Armer in ein Geschichtsbuch - von den Frauen ganz zu schweigen."

Aus diesem Grund ist das Thema "Sichtbare - unsichtbare Armut" aus historischer Sicht wichtig und zugleich auch doppeldeutig. Armut blieb fast immer gesichtslos, nur die Reichen konnten es sich leisten, Portraits malen und Biographien schreiben zu lassen. Auch auf diesen Gesichtspunkt wird mit kurzen, einprägsamen Texten, die aus historischen Dokumenten aus Dornbirn stammen, Bezug genommen. "Eine Lesung im Dunkeln ist auch ein Nachdenken über die Bilderlosigkeit der ärmsten Schichten", berichtet Matt. "Armut wurde nicht abgebildet, schon gar nicht als einzelne, namentlich genannte Personen. Diese spezielle Art der Lesung weist darauf hin, schärft aber auch das ,Hineinleben' in die vorgestellten Personen."


Fact-Box

Sichtbare Armut - unsichtbare Armut
Lesung im Dunkeln
Donnerstag, 10. März 2011, 19.30 Uhr
Neues Rathaus Dornbirn
Großer Sitzungssaal - Eingang Bergmanngasse (vis-a-vis Kulturhaus)

 


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