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Für ein Leben ohne Gewalt – Erfolgreiche Präventionsarbeit durch Polizei und ifs Gewaltberatung

Röthis, den 5. Juli 2013

Für ein Leben ohne Gewalt ist neben dem Opferschutz auch die Arbeit mit Tätern bzw. Täterinnen von besonderer Bedeutung. Nur wenn diese ihr Verhalten ändern und den Gewaltkreislauf verlassen, kann Gewalt wirksam und nachhaltig verhindert werden. Mit dem Projekt "Wegweisung der Täter – was dann?" haben die Polizei und die ifs Gewaltberatung gemeinsam einen erfolgversprechenden neuen Weg beschritten.

"Wir wollen, dass Gewalt – speziell Gewalt innerhalb der Familie, gegen Frauen und Kinder – in unserer Gesellschaft keinen Platz hat", betont Landesrätin Greti Schmid. Um das zu erreichen, gelte es neben der Hilfe für Gewaltopfer auch deren Umfeld – Familienangehörige, Nachbarn und Freunde – zu sensibilisieren und zu ermutigen, sich helfend einzusetzen. Darüber hinaus sei es aber auch wichtig, Täter und Täterinnen dabei zu unterstützen, sich von der Gewalt abzuwenden. "Denn Gewalt ist eine Verhaltensweise und Verhalten ist veränderbar", so Schmid.

Die ifs Gewaltberatung richtet sich an gewalttätige bzw. potentiell gewalttätige Männer und Frauen. Diesen wird die Möglichkeit geboten, gemeinsam mit speziell geschulten Beraterinnen und Beratern Perspektiven für ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben zu entwickeln und umzusetzen. Damit diese Zusammenarbeit erfolgreich ist, muss den Tätern und Täterinnen die Einsicht vermittelt werden, dass ihnen dieses Angebot einen konkreten Nutzen bringt, dass es nicht nur um Strafe oder gar Ächtung geht, erklärt der Leiter der ifs Gewaltberatung Arno Dalpra: "Besonders wichtig ist, dass Täterinnen und Täter im Rahmen der Beratung Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und dass sie lernen, ihre eigenen, aber auch die Grenzen anderer zu erkennen und zu respektieren."

Die ifs Gewaltberatung hat im vergangenen Jahr 346 Personen auf deren Weg in ein gewaltfreies Leben unterstützt. Neben der Täterinnen- und Täterberatung engagiert sich diese Einrichtung im Coaching, in der Prävention und der Gemeinwesenarbeit. Von Bedeutung sind dabei auch Themen wie Mobbing, Gewalt am Arbeitsplatz, im Sportevent-Bereich oder im Freizeit-Bereich. Ziel ist es, möglichst viele Jugendliche und Erwachsene in Vorarlberg zu erreichen, die Gewalt ausüben oder ein entsprechendes Risikomuster zeigen. Dazu braucht es die Zusammenarbeit mit Institutionen, die im Kontakt mit gewalttätigen und gewaltbereiten Menschen sind, also insbesondere mit der Polizei und der Jugendwohlfahrt des Landes. Diese Kooperation konnte in den letzten beiden Jahren weiter ausgebaut und intensiviert werden.

2012 nahmen 425 Beamte der Polizeiinspektionen an insgesamt 17 Workshops der ifs Gewaltberatung teil. Zweck dieser Veranstaltungen ist ein abgestimmtes Vorgehen zwischen Exekutive und Gewaltberatung, damit bei Wegweisungen eine prompte Kontaktaufnahme mit dem Täter bzw. der Täterin möglich ist.

Für Landespolizeidirektor Hans-Peter Ludescher ist die Beteiligung der Polizei an dem Projekt "Wegweisung der Täter – was dann?" ein neuer vielversprechender Weg in dem Bestreben, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen – vor allem im familiären Umfeld – und längerfristige Deeskalationsmöglichkeiten zu entwickeln. "Wir wollen, dass Straftäter nicht mehr straffällig und Opfer nicht erneut zum Opfer werden. Die aktive Täterarbeit im Interesse eines umfassenden Opferschutzes ist dabei für die Polizei ein gleichermaßen neuer wie wichtiger Ansatz", so Ludescher.

Präventive Rechtsaufklärung gehört fest dazu, wenn die Polizei bei Gewaltsituationen einschreiten muss. Die betroffenen Personen werden auf ihre Straftat und die Folgen ihres Verhaltens hingewiesen und es werden Lösungsmöglichkeiten besprochen – die Menschlichkeit und ein systemischer Arbeitsansatz stehen dabei im Vordergrund. Die erfolgreiche Verhinderung von Folgetaten dadurch ist belegbar.

Das Projekt "Wegweisung der Täter – was dann?" geht im Sinne einer nachhaltigen Gewaltprävention noch einen Schritt weiter. Neu ist das konkrete Angebot durch die Polizei an den Aggressor, seine Kontaktdaten an die ifs Gewaltberatung weiterzuleiten. Das Einverständnis der gewaltausübenden Person ist gesetzliche Voraussetzung für eine Gewaltberatung, zudem ist eine auf Freiwilligkeit basierende, aktive Zusammenarbeit mit dem Aggressor eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg.

Auch Landespolizeidirektor Ludescher unterstreicht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens der Systempartner: "Die Polizei ist ein Partner in einem Team mit dem Institut für Sozialdienste, das dort die Arbeit aufnimmt, wo die Möglichkeiten der Polizei aufhören."

Durch diese Vernetzung konnte bereits ein messbarer Erfolg erzielt werden: In rund einem Drittel aller Wegweisungen konnte die Polizei die Kontaktdaten des Täters an die ifs Gewaltberatung weiterleiten. Über 53 Prozent dieser vermittelten Aggressoren haben Gespräche mit der ifs Gewaltberatung angenommen, ca. 26 Prozent entschieden sich für eine langfristige Therapie.

Ludescher sieht darin einen Erfolg für die Polizei in mehrerlei Hinsicht: "Zum einen ist durch die aktive Täterarbeit wirkungsvoller Opferschutz – eine der Grundmotivationen polizeilichen Handelns – möglich, zum anderen reiht sich die interdisziplinäre Herangehensweise in die laufenden Initiativen ein, die Polizei als moderne und offene Institution zu gestalten und nach außen zu tragen. Dies ist gleichwohl auch ein qualitativer Mehrwehrt für die Polizei selbst."

Die Fortführung der Kooperation mit Systempartnern sei jedenfalls eine entscheidende Voraussetzung für anhaltenden Erfolg. Eine kommende Herausforderung werde es daher sein, das Projekt in einen langfristigen Prozess zu leiten. Dazu gelte es in einem ersten Schritt, die bisherige Arbeit und ihre Ergebnisse zu evaluieren und in weiterer Folge Anpassungen vorzunehmen. Ein weiterer wichtiger Teil sei die personaltechnische Bestandsaufnahme innerhalb der Polizei und die darauf aufbauende Organisation von laufenden Fortbildungen und integrierten Ausbildungseinheiten.

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