SEITENBEREICHE


zur ifs Homepage.
Dr. Herbert Spiess

ifs Pressemeldung

Röthis, den 15. Juli 2008

ifs Bewohnervertretung: 3 Jahre Heimaufenthaltsgesetz - ein Erfolg?

Am 1. Juli waren es 3 Jahre, dass Freiheitsbeschränkungen in Pflegeheimen, Betreuungseinrichtungen für Menschen mit Behinderung und Krankenhäusern einer rechtlichen Überprüfung unterliegen. Nach dieser Zeit darf die Frage nach Erfolg oder Misserfolg, Veränderungen in den Heimen und sonstigen Einrichtungen gestellt werden.

 

Am Beispiel Pflegeheime

Das bundesweit geltende Heimaufenthaltsgesetz war eine politische Reaktion auf diverse Pflegeskandale (Stichwort "Lainz"). Allzu leichtfertiger Umgang mit Gittern an Pflegebetten, Fixierungen im Rollstuhl und im Bett, medikamentöses Ruhigstellen pflegebedürftiger Menschen sollte durch gesetzliche Regeln beendet werden. Die neue Bewohnervertretung – in Vorarlberg beim Institut für Sozialdienste (ifs) angesiedelt – sollte die Rechte der betroffenen Menschen gegenüber den Heimen vertreten und auch bei Bedarf in einem gerichtlichen Verfahren klären.

Dr. Herbert Spiess, der Leiter der ifs Bewohnervertretung, erinnert sich an die Anfänge: "Die Erfahrungen waren schon zu Beginn unterschiedlich: Nur für wenige Heime war etwa das Thema Vermeidung von Stürzen und Sturzverletzungen ein Thema. Dementsprechend hoch waren zu Beginn die Freiheitsbeschränkungen. Die anfänglichen Unklarheiten haben sich weitgehend gelöst. Aus dem konflikthaften Gegeneinander ist in vielen Fällen ein kooperatives Miteinander geworden." Und siehe da: auch die Freiheitsbeschränkungen sinken tendenziell, ohne dass das Leben für die BewohnerInnen deswegen gefährlicher geworden wäre.

In vielen Vorarlberger Heimen gibt es eine Aufbruchstimmung – angemessene Pflege bedeutet neben vielem anderen auch, die Freiheitsrechte der Bewohnerinnen und Bewohner angemessen zu berücksichtigen und sie gleichzeitig vor dem Risiko von Verletzungen zu schützen. Dazu braucht es den politischen Willen, Qualität auch zu finanzieren, persönlich integre Führungskräfte mit Visionen und fachlich gut ausgebildetes und motiviertes Personal. Der Weg geht in die richtige Richtung: das Land Vorarlberg finanziert erstmalig ein groß angelegtes Sturzpräventions-Projekt für die Heime  und erfreulich viele nehmen daran teil. Woran erkennt der Laie, wie ernst Sicherheit und Freiheit der BewohnerInnen genommen werden? Dr. Spiess dazu: "Fragen Sie ruhig nach, wie viele Niedrigpflegebetten, Alarm- oder Sturzmatten im Haus vorhanden sind; ob Hüftprotektoren zumindest zum Ausprobieren zur Verfügung stehen. Die Reaktion auf diese Frage nach der Ausstattung trennt meist schon die Spreu vom Weizen."

 

Am Beispiel Behinderteneinrichtungen

Die Zusammenarbeit war von Beginn an positiv: schon zahlenmäßig sind Freiheitsbeschränkungen seltener. In vielen Fällen hat das Heimaufenthaltsgesetz auch die Kreativität von Betreuungsteams beflügelt, eingefahrene Wege zu verlassen und auch Neues auszuprobieren. Mit Erfolg: versperrte Türen und medikamentöses Ruhigstellen sind die krasse Ausnahme bei Extremsituationen; vorgelagert sind immer pädagogische Interventionen, die viel zur Beruhigung und Zufriedenheit aller Beteiligter – Betroffener wie Betreuer – beitragen.

 

Am Beispiel Krankenhäuser

"Der Beginn war holprig", erinnert sich Dr. Spiess. Eine unklare gesetzliche Regelung ließ das HeimAufG nur schleppend in die Gänge kommen. 2005 war es nur eine Abteilung, die vorbildlich die rechtlichen Vorgaben umsetzte: die Neurologie im LKH Rankweil, die nicht umsonst einen sehr guten Ruf hat. Sie war Vorbild und Zugpferd für die anderen Krankenhäuser, die im Auftrag ihrer Rechtsträger ab 2006 mit viel Elan daran gingen, die neuen Gesetze umzusetzen. "Bettgitter haben in einem Krankenhaus mit vielen Akutsituationen durchaus ihre Berechtigung. Andererseits sind hier die Bettgitterstürze auch am häufigsten. Prekäre Platzverhältnisse lassen den Einsatz von Sturzmatten oft nicht zu. Niedrigpflegebetten und Alarmmatten werden in Einzelfällen bereits verwendet – hier scheint noch Potential vorhanden zu sein. Inzwischen haben Ärzte und Pflegepersonal erkannt, dass die Regeln ihnen auch Vorteile bringen: wer lässt sich schon gerne nachsagen, dass er ohne Grund jemanden ans Bett fesselt". Meldungen der Freiheitsbeschränkungen nehmen diesen ungeliebten Maßnahmen den emotionalen Druck und schützen gleichzeitig das demokratische Recht jedes Menschen auf Respektierung seiner Bewegungsfreiheit.

 

Fazit und Ausblick des Bewohnervertreters

Das Heimaufenthaltsgesetz hat in kurzer Zeit viel Bewusstsein für die Freiheitsrechte von pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen in Einrichtungen geschaffen. Manchmal machen Schnittstellen noch Mühe (Pflege zu Hause – Urlaub im Heim). "Gerade das Thema Vermeidung von Stürzen bietet sich als übergreifendes Anliegen an. Die Fortbildung für die Pflegeheime ist ein erster Schritt. Entsprechende Initiativen wären auch für Krankenhäuser und betreuende Angehörige ganz wichtig. Ein Beispiel: Hüftprotektorhosen würden viele Oberschenkelhalsbrüche verhindern – viel Leid bliebe älteren Menschen erspart. Aber wer weiß schon, was das ist? Erste Erfahrungen mit einem Seminarangebot 'Sicherheit und Freiheit – Sturzprävention im Alter' stimmen mich zuversichtlich. Das Interesse ist vorhanden, viele Initiativen sind schon im Thema (Sichere Gemeinden, ifs Beratungsstelle Menschengerechtes Bauen), andere werden folgen", ist sich Dr. Spiess sicher.

 zur ifs Bewohnervertretung.


Schriftgröße

. zu Pressemeldungen 2008


Fact-Box

Kontakt zu Dr. Herbert Spiess
Poststraße 2/4
6850 Dornbirn

Tel.: 0664/60884451

Wir helfen WEITER.