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Weihnachten in Patchwork-Familien

Weihnachten in der Familie oder in der neuen Familie?!

Röthis, den 18. Dezember 2008

Viele Menschen leben nicht mehr in Mutter-Vater-Kind-Familien, sondern in anderen Familienformen. Viele Kinder leben mit einem Elternteil zusammen, oft mit einem Stiefelternteil, mit oder ohne Stief- und Halbgeschwister. Mit dieser Realität müssen sich die Kinder und auch wir abfinden. Und ich denke, dass wir den Kindern am meisten helfen, wenn wir nicht einteilen in gute und schlechte oder richtige und falsche Familien, sondern akzeptieren, dass es ganz unterschiedliche Familienformen gibt, die alle für die Kinder gut und richtig sein können, wenn es den Erwachsenen gelingt, Wohl und Interessen der Kinder in den Vordergrund zu stellen.

Viel Stress bringt es naturgemäß, wenn man noch keine Erfahrungen hat, also das erste Weihnachten nach einer Trennung ist sicher schwierig für alle Familienmitglieder. Kinder wünschen sich meistens, Weihnachten zusammen zu feiern, aber das ist eben dann nicht mehr möglich. Die Kinder dürfen es sich trotzdem wünschen, auch wenn es nicht erfüllbar ist. Gerade da ist es wichtig, den Kindern Verständnis entgegenzubringen. Es gibt ein Kinderbuch mit dem Titel: "Von Papa lass ich mich nicht scheiden!" Das drückt die Situation von Kindern ganz gut aus.

Schön ist, wenn man über die Erwartungen, die jeder und jede hat, sprechen kann. Und wenn alle Erwartungen auf dem Tisch sind, findet man vielleicht lebbare Kompromisse.

Meistens wird so entschieden, dass die Kinder den Heiligen Abend dort verbringen, wo sie wohnen. Beim anderen Elternteil können sie vielleicht den Nachmittag des 24. Dezember und den ganzen 25. oder 26. Dezember verbringen. Es gibt ja oft noch Großeltern oder Tanten und Onkel, die man zu Weihnachten besuchen möchte, je nach Familientradition. Wenn die Kinder zumindest einen Teil der jeweiligen Tradition mit-er-leben können, so ist das sicher zu begrüßen.

Überzogene Erwartungen an Weihnachten sind nicht gerade förderlich, denn, was man das ganze Jahr über nicht zustande bringt, wird auch an Weihnachten nicht gehen.

Für Kinder sind die Vorbereitungen für Weihnachten sehr wichtig, gleich in welcher Familie sie leben, und in Krisenzeiten ganz besonders. Sei es reden, backen oder Geschichten erzählen. Auch wenn es schwer fällt, wir Erwachsene müssen und können nicht perfekt sein. Wenn sein darf, was eben ist und wir nicht eine Fassade nach außen darstellen, geht es den Kindern und den Erwachsenen besser. Bei einer Trennung müssen in der Regel beide Partner von einem Traumbild oder Lebensentwurf Abschied nehmen, sind beide traurig oder zornig oder verzweifelt – da kann es heilsam sein, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen – und zu erkennen, dass man, auch wenn man kein Paar mehr ist, trotzdem gemeinsam Eltern bleibt und Papa und Mama wollen beide, dass es den Kindern gut geht. Wenn das Kind spürt, dass Papa will, dass es bei Mama einen schönen Heiligen Abend hat und dass Mama will, dass es bei Papa einen schönen Heiligen Tag verbringt, das ist schon ein sehr guter Start.

Je mehr Routine die Familien haben, mit den neuen Familienformen umzugehen und wenn alle spüren, die Kinder dürfen beide Eltern lieben und eine gute Beziehung haben, dann wird es immer leichter, in der praktischen Organisation Kompromisse zu finden und vielleicht sogar die neue freie Zeit für sich selber zu nutzen. Es kann auch sein, dass durch die neuen Familienformen sich die Familien vergrößern, die Kinder mehr Bezugspersonen haben, ähnlich wie es früher in den Großfamilien war.

Krise in der Weihnachtszeit

Drei Fragen zum Thema "Krisen in der Weihnachtszeit" an Dr. Ruth Rüdisser



Warum treten gerade in der Weihnachtszeit “Krisensituationen” wie Streit zwischen Partnern oder Streit in der Familie vermehrt zutage?

Dr. Rüdisser: Weihnachten kann Krisenzeit sein, aber auch eine Chance zu überlegen, was wir wirklich wollen.


Sind die Erwartungen an das Weihnachtsfest oft zu hoch? Heutzutage muss ja alles “perfekt” sein  der Baum, das Essen, die Geschenke?

Dr. Rüdisser: Die Erwartungen sind manchmal überzogen, vor allem dann, wenn alles perfekt sein soll. Die Erwartungen sind dann zu hoch, wenn man meint, die zwischenmenschliche Qualität sollte zu Weihnachten besser sein als sonst, das ist unrealistisch und man wird leicht enttäuscht.


Wie könnte man solchen Krisen vorbeugen?
Haben Sie Ratschläge, wie Weihnachten wirklich schön und friedlich verlaufen kann? Was muss man(n)/frau/Familie beachten?

Dr. Rüdisser: Eigentlich geht es uns ja an Weihnachten um die Familie, um die Menschen, die wir lieben. Da möchten wir alles schön machen und verlieren uns vielleicht in den Äußerlichkeiten. Wenn es nur mehr um die Geschenke geht, diese möglichst groß sein müssen und die Kinder mit Päckchen überschwemmt werden, dann geht die eigentliche Qualität des Mitmenschlichen verloren. Immer mehr Familien gehen aber von diesem IMMER-MEHR wieder weg, kaufen bewusst weniger und bemühen sich, wieder Zeit miteinander zu verbringen, miteinander zu kochen, zu essen, Gespräche zu führen, die Zeit der Feiertage für die Familie in diesem Sinn zu nutzen.

Für Kinder ist Weihnachten meistens das wichtigste Fest im Jahr, sie lieben die Rituale, haben es gern, wenn man mit ihnen spielt, wenn man zusammen zu Hause ist und Zeit hat.

Für Jugendliche ist es wieder anders, da geht es vielleicht darum, den ersten Teil des Heiligen Abends zusammen zu verbringen und ihnen dann zu erlauben, noch weg zu gehen, sich mit den Freunden zu treffen (das wäre früher undenkbar gewesen).

Für Paare kann es zu Krisen kommen, wenn plötzlich der Vorweihnachtsstress nachlässt, man Zeit für einander hat und nichts damit anzufangen weiß. Dann geht es darum, anzuerkennen, dass es Probleme gibt, und miteinander zu überlegen, was man tun könnte: vielleicht bewusst Gespräche miteinander zu führen, einander zuzuhören, vielleicht mit Vertrauenspersonen zu sprechen oder auch professionelle Hilfe anzustreben. Dann ist es auch wichtig, sich für sich selbst Zeit zu nehmen, nachzudenken über die persönlichen Ziele und ob man selbst die Prioritäten so setzt, dass man diesen Zielen auch näher kommt. Die Planung für das kommende Jahr wäre dann eine schöne Beschäftigung zum Jahreswechsel.


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. zu Pressemeldungen 2008.


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