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Das inklusive Prinzip "Wir"

Macht man sich Gedanken über das "Dazugehören", so lässt sich derzeit das Thema Mindestsicherung nicht umschiffen. War die Mindestsicherung stets eine staatliche Hilfe zur Führung eines menschenwürdigen Lebens, ein Instrument, um Menschen in Not die Teilhabe zu ermöglichen, so ist die Mindestsicherung NEU laut Vorstellungen der Bunderegierung nur noch ein Beitrag zur Unterstützung des allgemeinen Lebensunterhalts und des Wohnbedarfs.

Die Mindestsicherung NEU stellt somit die Aufkündigung des bislang geltenden Grundkonsenses dar, dass jeder Mensch in Österreich ein menschenwürdiges Leben führen kann. Eine radikale Veränderung: von der Sicherung menschenwürdigen Lebens hin zu einem Beitrag. Aber ein Beitrag wozu? Diese Menschen sind bereits in (finanzielle) Notlagen geraten, ihnen ist nichts geblieben, wozu die Mindestsicherung einen Beitrag leisten könnte.

Die Absicht dahinter scheint es zu sein, den Druck auf Betroffene zu verstärken, sodass diese möglichst schnell für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen. Doch treffen wird es in besonderer Weise Kinder. Und die können den Fehlbetrag, der sich aus den geplanten Kürzungen ergibt, nicht durch Arbeit kompensieren. Und überhaupt, was steht hinter dieser Absicht? Die Angst, dass sich zu viele oder womöglich alle in der "sozialen Hängematte" ausruhen?

Jedenfalls wäre die Mindestsicherung damit nicht mehr ein Instrument des Dazugehörens, sondern ein Instrument des Ausschließens und Ausgrenzens, des Verwehrens jeglicher gesellschaftlicher Teilhabe.

Die Arbeit des ifs aber basiert auf dem Gedanken der Inklusion und der Teilhabe. Unser Ziel ist es, die Klientinnen und Klienten zur Teilhabe zu ermächtigen. Deshalb ist die Sorge bezüglich der Entwicklung, bestimmte Menschen auszuschließen und bewusst schlechter zu stellen, groß. Denn Inklusion bezieht sich nicht nur auf einzelne Gruppen, sondern Inklusion ist eine Grundhaltung, die berücksichtigt, dass das Leben vielfältig und verschieden ist. Und unsere Aufgabe ist es, das Zusammenleben so zu gestalten, dass man den Unterschiedlichkeiten aller Lebensentwürfe, Neigungen und Eignungen gerecht wird.

Psychologisch betrachtet gehen die Entwicklungen aktuell leider in eine andere Richtung: Ich bin der Wichtigste. Oder – um es plakativ an einem vielzitierten Slogan zu verdeutlichen – "America first". Doch diese Haltung führt immer zu Kampf, zu Ausgrenzung und zum Gewinn am Anderen. Das inklusive Prinzip "Wir" wäre der Weg, um gemeinsam mehr zu erreichen als jeder für sich alleine. Denn Inklusion – und das ist wirklich radikal – verzichtet auf das Bild „drinnen und draußen“. Inklusion geht davon aus, dass alle – ganz selbstverständlich und ohne Ausnahme – dazugehören.

Dr. Stefan Allgäuer

ifs Geschäftsführer